2. Bundesliga

Wende eingewechselt: So festigte der FC St. Pauli Platz eins

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Carsten Harms

Highlightclips Heidenheim - St. Pauli

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In Heidenheim tut sich der Tabellenführer schwer – und bestätigt dann seinen Aufstiegsanspruch. Dafür sorgt auch ein Meinungsaustausch.

Heidenheim. Am Ende feierten die mehr als 900 Fans des FC St. Pauli, die ihr Team in der Heidenheimer Voith-Arena unterstützt hatten, wieder einmal ausgelassen mit den auf dem Rasen vor ihnen stehenden Spielern. „Spitzenreiter, Spitzenreiter“, skandierten sie nach einem denkwürdigen Spiel beim 1. FC Heidenheim, bei dem am Ende ein 4:2 (0:1)-Auswärtssieg zu Buche stand.

Tabellenspitze 2. Bundesliga

1. FC St. Pauli 12 Sp. / 28:11 Tore / 26 Pkt.
2. Jahn Regensburg 13 / 29:15/ 25
3. SC Paderborn 13 / 28:16 / 24
4. Darmstadt 98 13 / 31:16 / 23
5. FC Schalke 04 13 / 22:16 / 22
6. 1. FC Nürnberg 13 / 17:11 / 21
7. HSV 13 / 20:15 / 20
8. Werder Bremen 13 / 19:19 / 19

Alle vier Tore erzielte St. Pauli in der zweiten Halbzeit, in der das Team all das bot, was es zuletzt ausgezeichnet hatte, aber in den ersten 45 Minuten hatte vermissen lassen.

„Wir wollten das Manko, dass wir lange kein Spiel mehr nach einem Rückstand gewonnen haben, endlich mal abhaken“, sagte Kapitän Philipp Ziereis nach dem Spiel schmunzelnd. Im Ernst fügte er hinzu: „Wir haben uns in der Halbzeit die Meinung gesagt. Es zeichnet uns aber auch aus, dass wir mit Rückschlägen umgehen können.“

FC St. Pauli: Burgstaller in Heidenheim Matchwinner

Gefeierter Mann des Tages war wieder einmal Stürmer Guido Burgstaller, der St. Paulis erstes und drittes Tor erzielte und den 2:1-Führungstreffer durch Maximilian Dittgen auflegte. Dittgen schoss dann auch noch das entscheidende vierte Tor.

Trainer Timo Schultz hatte sich für dieselbe Startaufstellung wie beim 3:0 gegen Dynamo Dresden vor knapp zwei Wochen entschieden. Auch die Nationalspieler Jackson Irvine (Australien), der in der Woche aus Japan zurückgekommen war, und Daniel-Kofi Kyereh (Ghana), der aus Simbabwe zurückgekehrt war, waren wieder so frisch, dass ihnen Schultz einen Einsatz von Beginn an zutraute.

Bei den Heidenheimern saß Torjäger Tim Kleindienst, der unter der Woche krank gewesen war, zunächst nur auf der Bank. Für ihn rückte Stefan Schimmer in die Anfangsformation.

Heidenheims frühes Tor zeigt bei St. Pauli Wirkung

Für die als Tabellenführer angereisten St. Paulianer begann das Spiel denkbar ungünstig, weil Linksverteidiger Leart Paqarada den Ball nahe der Eckfahne verlor. Schimmer passte den Ball scharf in den Strafraum, wo sich Torwart Nikola Vasilj und Innenverteidiger Ziereis gegenseitig störten und beide den Ball nicht abfangen konnte. So hatte Heidenheims Mittelfeldspieler Tobias Mohr freie Bahn, um den Ball zum 1:0 (4.) ins Tor zu schießen.

Es dauerte fast eine Viertelstunde, bevor sich die Hamburger von diesem frühen Negativerlebnis erholt hatten. Sie konnten sogar froh sein, dass der FCH bei den Chancen von Schimmer (7.) und seinem Sturmpartner Christian Kühlwetter (20.) nicht noch höher in Rückstand geriet.

So dauerte es bis zur 22. Minute, ehe Guido Burgstaller überhaupt für St. Paulis ersten Torschuss sorgte. Dieser wurde aber von Kevin Müller ebenso sicher gefangen wie der Freistoß von Paqarada (25.). Kurz vor der Pause wurde Marcel Hartels Schuss aus zentraler Position im Strafraum von der Abwehr geblockt. Auf der Gegenseite parierte Vasilj den gefährlichen Schuss von Torschütze Mohr (43.) reaktionsschnell.

Insgesamt fehlte in den ersten 45 Minuten den Hamburgern die zündende Idee, wie sie die bekannt stabile Heidenheimer Defensive entscheidend aus der Balance bringen sollten. FCH-Trainer Schmidt hatte sein Team gut auf das sonst von St. Pauli gewohnte Kombinationsspiel eingestellt. Die eigene Führung, die durch eine ganze Fehlerkette entscheidend begünstigt wurde, spielte Heidenheim zusätzlich in die Karten.

Schultz nimmt entscheidenden Wechsel vor

In der Pause zog Trainer Schultz die erste Konsequenz aus dem unbefriedigenden Auftritt seines Teams und brachte Stürmer Maximilian Dittgen für den als „Zehner“ glücklos agierenden Christopher Buchtmann. Diese Position nahm nun, wie in den meisten Spielen dieser Saison gewohnt, Daniel-Kofi Kyereh ein, indem er aus der Spitze ein Stück weiter nach hinten rückte.

Die Maßnahme fruchtete nahezu umgehend. Innerhalb von fünf Minuten schoss sich St. Pauli mit drei Treffern auf die Siegerstraße. Zunächst nahm Burgstaller ein geniales Anspiel von Irvine technisch stark an, setzte sich im Strafraum durch und erzielte mit links das 1:1 (55.).

Keine 60 Sekunden später verwertete Dittgen Burgstallers Vorlage von rechts aus kurzer Distanz zum 2:1. Und schließlich nahm Burgstaller eine abgefälschte Vorlage von Irvine direkt und zirkelte den Ball zum 3:1 (60.) links oben ins Tor.

Spätestens mit dem Konter über Kyereh und Torschütze Dittgen zum 4:1 (81.) war das Match de facto entschieden. Es war dennoch ärgerlich, dass sich St. Pauli ebenfalls durch einen Konter noch das 4:2 (85.) durch den eingewechselten Tim Kleindienst einfing.

St. Pauli siegt zum zweiten Mal in Heidenheim

Doch ein großes Aufbäumen der Gastgeber konnten die Braun-Weißen clever durch viel Ballbesitz verhindern. Der Rest war Jubel der Kiezkicker, die letztlich eindrucksvoll ihren siebten Saisonsieg einfuhren und die Tabellenführung ausbauten.

„Wir haben zwei unterschiedliche Halbzeiten gesehen. In der Anfangsphase hat Heidenheim sehr gut gepresst und so das Tor praktisch erpresst. Der größte Unterschied in der zweiten Halbzeit bei uns war, dass wir es dann geschafft haben, unsere Aktionen zu Ende zu spielen“, analysierte St. Paulis Trainer Schultz, der nun schon zum zweiten Mal in Heidenheim gewonnen hat, nachdem es zuvor seit dem Aufstieg des FCH für St. Pauli keinen einzigen Punkt gewonnen hatte. Im Januar hatte es ein 4:3 gegeben.

Heidenheims Trainer Frank Schmidt haderte: „Wir hätten in der ersten Halbzeit mehr als nur ein Tor schießen müssen. Wir haben ja gesehen, mit welcher Zielstrebigkeit und Effizienz die St. Paulianer ihre Torchancen nutzen.“

St.-Pauli-Einzelkritik:

Burgstaller besonders wertvoll – Irvine beweist Extraklasse

„Wir haben in der Pause nicht an zehn Stellschrauben gedreht oder die Taktik komplett verändert. Es waren nur Kleinigkeiten, wie etwa beim Anlaufverhalten“, erläuterte Schultz die Steigerung in der zweiten Hälfte.

Auf jeden Fall war der Sieg in Heidenheim und die Art des Zustandekommens ein weiterer Beleg für die starke Entwicklung der St.-Pauli-Mannschaft, die spätestens jetzt als ernsthafter Aufstiegsanwärter angesehen werden muss.

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