Fußball

FC St. Pauli und Karlsruher SC: Das Duell der Jahresbesten

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Carsten Harms
St. Paulis Torjäger Guido Burgstaller (l.) wird es an diesem Sonnabend wieder mit Karlsruhes Verteidiger Christoph Kobald zu tun bekommen

St. Paulis Torjäger Guido Burgstaller (l.) wird es an diesem Sonnabend wieder mit Karlsruhes Verteidiger Christoph Kobald zu tun bekommen

Foto: imago images/Carmele/tmc-fotografie.de

Der Karlsruher SC und der FC St. Pauli sammelten seit dem 1. Januar die meisten Punkte aller Zweitligateams.

Hamburg. Es ist eine Bilanz, die irgendwie so gar nicht zu der grundsätzlich so positiven Entwicklung des FC St. Pauli in diesem Jahr passen will. Seit dem 10. April hat das Team von Cheftrainer Timo Schultz kein Auswärtsspiel in der Zweiten Liga mehr gewonnen. In den sechs Partien auf fremdem Platz gab es genau einen Punkt und ein desaströses Torverhältnis von 1:13. Bezogen auf die aktuelle Saison belegt St. Pauli nach sieben Spieltagen in der Auswärtstabelle Rang 17.

Bislang hat die makellose Heimbilanz von vier Siegen aus vier Spielen bei 12:3 Treffern das Auswärtsproblem kaschiert und dafür gesorgt, dass das Millerntorteam als Tabellendritter seinen nächsten Versuch angehen kann, wieder einmal ein Auswärtsspiel für sich zu entscheiden. Gleichwohl stellt sich die Aufgabe an diesem Sonnabend (13.30 Uhr/Sky und Liveticker abendblatt.de) alles andere als leicht dar.

Das Match beim Tabellenfünften Karlsruher SC auf der Baustelle Wildparkstadion ist vielmehr das Duell der Jahresbesten der Zweiten Liga. Seit dem 1. Januar hat der FC St. Pauli in 29 Spielen 52 Punkte gesammelt und ist damit der Ligaprimus des Kalenderjahres. Der Karlsruher SC steht mit seinen 48 Zählern aus 28 Spielen nur ganz knapp dahinter.

Parallelen beider Teams sind nicht zu übersehen

Die Parallelen beider Teams sind nicht zu übersehen, wie auch St. Paulis Trainer Timo Schultz feststellt. „Bei beiden Mannschaften ist in diesem Kalenderjahr vieles richtig gelaufen. Beide haben viele erfolgreiche Spiele bestritten und eine gewisse Kontinuität hineinbekommen, von der Art, wie man spielt, und vom Personal her. Gerade zu Beginn einer Saison ist das natürlich ein Vorteil gegenüber Mannschaften mit einem neuen Trainer und vielen Personalwechseln“, sagte er vor dem Duell, das für beide einen wegweisenden Charakter haben kann.

Der Respekt vor dem Karlsruher SC ist bei Schultz nicht erst seit dessen 2:1-Sieg beim Bundesligaabsteiger FC Schalke 04 am Freitag vergangener Woche groß. „Der KSC verfügt, ähnlich wie wir, über eine homogene, eingespielte Mannschaft, die auch einige Eckpfeiler hat. In der Offensive hat das Team mit Philipp Hofmann sowie Marvin Wanitzek und Kyoung-Rok Choi dahinter sehr viel Qualität. Wir müssen unser Hauptaugenmerk darauf legen, sie nicht zur Entfaltung kommen zu lassen“, sagte der Coach. „Mein Kollege hat seit seiner Amtsübernahme eine Mannschaft geformt, die im vorderen Bereich der Zweiten Liga mitspielen kann.“

Dieser Kollege ist der 38 Jahre alte Christian Eichner, der das Team der Badener am 3. Februar 2020 zunächst als Interimstrainer übernahm, ehe er fünf Monate später zum Cheftrainer ernannt wurde. Schon von 2005 bis 2009 hatte er für den Karlsruher SC gespielt, bevor es ihn nach Hoffenheim, zum 1. FC Köln und zum MSV Duisburg zog. Immerhin 139 Bundesliga- und 81 Zweitligaspiele hat er als Profi absolviert. Timo Schultz kommt auf vier Erstliga- und 69 Zweitligapartien, allesamt für den FC St. Pauli, dem er inzwischen seit mehr als 16 Jahren angehört.

Schutz: Wir brauchen uns nicht zu verstecken

Schultz will allerdings bei aller Wertschätzung für den Gegner nicht den Eindruck erwecken, er und seine Spieler müssten vor dem KSC in Ehrfurcht erstarren. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Wir wissen, dass wir für jeden Gegner extrem unangenehm sein können, wenn wir unser Tempo auf den Platz bringen, wenn wir es schaffen zu zocken, nach vorne kicken und aggressiv gegen den Ball arbeiten. Wenn wir das umsetzen, können wir jeden Gegner schlagen“, sagte St. Paulis Trainer.

Das Rezept dazu klingt denkbar einfach: „Defensiv sehr kompakt stehen, immer wieder gefährlich sein mit Umschaltsituationen und gegen eine bei Standards sehr gute Mannschaft auch in dieser Disziplin erfolgreich sein.“ Luca Zanders Kopfballtor nach einer Ecke zuletzt gegen den FC Ingolstadt kann als Beleg dafür herangezogen werden, dass St. Pauli auch bei ruhenden Bällen Stärken hat. „Wir haben unsere 13 Punkte auch zu Recht erspielt“, betont Timo Schultz.

Für ihn sowie für St. Paulis dienstälteste Spieler Christopher Buchtmann und Philipp Ziereis ist einer der aktuellen Karlsruher Leistungsträger ein alter Bekannter. Der Südkoreaner Kyoung-Rok Choi hat in dieser Saison schon drei Treffer erzielt und war in jedem Spiel auf dem Platz. Der 26 Jahre alte Offensivspieler hatte sechs Jahre für St. Pauli gespielt, ehe er im Sommer 2018 zum damaligen Drittligisten KSC wechselte. „Kyoung-Rok Choi hat sich hier bei St. Pauli schon in der U 19 immer top verhalten.

Hoffnung auf einen Auswärtssieg

Man hat sein Potenzial mit seinem linken Fuß und seiner Spielintelligenz schon früh erkannt. Damals hat es nur körperlich noch nicht gereicht“, sagte Schultz. Und weiter: „Jetzt ist er absolut wettbewerbsfähig und gehört zu den Topspielern der Zweiten Liga. Ich freue mich immer, wenn ich ihn wiedersehe. Ich wünsche ihm alles Gute, nur nicht an diesem Wochenende.“

Hoffnung auf einen Auswärtssieg macht immerhin, dass sich das St.-Pauli-Team – wenn auch mit einer gehörigen Portion Glück – in der ersten DFB-Pokalhauptrunde beim Drittliga-Topteam 1. FC Magdeburg, das in der aktuellen Verfassung absolutes Zweitliganiveau besitzt, mit 3:2 durchsetzen konnte. Dass die Magdeburger ebenso in Blau spielen wie der KSC ist allerdings nur ein Randaspekt.

Karlsruher SC: Gersbeck – Thiede, Gordon, Kobald, Heise – Wanitzek, Breithaupt, Choi – Kaufmann, P. Hofmann, M. Lorenz.

FC St. Pauli: Vasilj – Zander, Ziereis, Medic, Paqarada – Aremu – Irvine, Hartel – Kyereh – Dittgen, Burgstaller.

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