FC St. Pauli

Warum Schultz schon ein alter Hase in der Liga ist

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Timo Schultz (44) hat als Cheftrainer des FC St. Pauli bisher in 41 Ligaspielen 60 Punkte geholt, 52 davon im Kalenderjahr 2021.

Timo Schultz (44) hat als Cheftrainer des FC St. Pauli bisher in 41 Ligaspielen 60 Punkte geholt, 52 davon im Kalenderjahr 2021.

Foto: TayDucLam / WITTERS

Nur noch vier andere Trainer sind länger im Amt als der Chefcoach des Hamburger Kiezclubs, der seit Juli 2020 die Profis betreut.

Hamburg. Noch ganze neun Tage muss Timo Schultz durchhalten, dann wird er seinen Vorgänger Jos Luhukay in Sachen Amtszeit als Cheftrainer des FC St. Pauli überholt haben. Genau ein Jahr, zwei Monate und zwölf Tage (439 Tage) ist der 44 Jahre alte Fußballlehrer an diesem Freitag auf seinem Posten und hat damit von den anderen neun St.-Pauli-Trainern der vergangenen zehn Jahre seit dem Bundesligaabstieg 2011 schon Michael Frontzeck (395 Tage), Roland Vrabec (300 Tage), Olaf Janßen (159 Tage) und Thomas Meggle (104 Tage) übertroffen.

Luhukay (447) wird Schultz also in der kommenden Woche hinter sich lassen, auch André Schubert (453 Tage) und Markus Kauczinski (488 Tage) sind in Reichweite. Einzig Ewald Lienen (927 Tage) hat dem aktuellen Cheftrainer noch einiges an Amtsdauer voraus.

FC St. Pauli: An Schultz wird festgehalten

Diese Zahlen belegen eindrucksvoll, wie selten die von der jeweiligen Vereinsführung immer wieder beschworene Kontinuität wirklich gelebt und umgesetzt wurde. Immerhin spricht derzeit vieles dafür, dass sowohl Sportchef An­dreas Bornemann und auch das Präsidium um Oke Göttlich noch lange auf Timo Schultz setzen werden.

Das Festhalten am Trainer-Eigengewächs in der sportlichen Krise der vergangenen Saison (acht Punkte nach 13 Spielen, Platz 17) war ein Vertrauensbeweis, der sich in der Folge bis heute weitaus mehr bezahlt gemacht hat, als es auch nur ansatzweise zu erwarten war. Mit 52 Punkten aus 29 Spielen führt St. Pauli die Zweitligatabelle des Kalenderjahres 2021 an. Und auch der aktuelle dritte Platz verspricht einiges für die laufende Saison. Die Vertragsverlängerung mit Timo Schultz, dessen Kontrakt am 30. Juni 2022 ausläuft, scheint nur noch Formsache zu sein.

Schultz in Zweiter Liga nach oben gerückt

In dieser Woche ist Schultz auch in der gesamten Zweiten Liga wieder einen Platz nach oben gerückt, wenn es um die Amtszeit geht. Beim Nordrivalen Holstein Kiel warf bekanntlich Ole Werner (33) von sich aus das Handtuch. Werner, bis dahin jüngster Cheftrainer der Liga, war 697 Tage im Amt gewesen. Sein Rücktritt sorgte dafür, dass in der Zweiten Liga gerade noch vier aktuelle Cheftrainer länger als Schultz im Amt sind.

Dabei führt Heidenheims Frank Schmidt mit 14 Jahren und sieben Tagen das Ranking mit riesigem Abstand an. Der 47-Jährige weist sogar mehr Amtsjahre auf als alle anderen Trainer der Liga bei ihrem aktuellen Verein zusammen. Hinter Schmidt folgen Jens Härtel vom Aufsteiger FC Hansa Rostock (zwei Jahre, acht Monate, 15 Tage), der Regensburger Mersad Selimbegovic (zwei Jahre, zwei Monate, 24 Tage) und Christian Eichner vom Karlsruher SC (ein Jahr, sieben Monate, 22 Tage).

FC St. Pauli und Karlsruher SC treffen aufeinander

Da passt es gut, dass Schultz und Eichner an diesem Sonnabend (13.30 Uhr) mit ihren Teams im Wildparkstadion auch in dieser Hinsicht fast auf Augenhöhe aufeinandertreffen. In der Tabelle stehen die Karlsruher zwei Plätze hinter St. Pauli.

Timo Schultz sieht es mit gemischten Gefühlen, dass er also jetzt in der Liga schon zu den „alten Hasen“ unter den aktuellen Trainern zählt. „Ich bin jetzt ein gutes Jahr hier Trainer. Das zeigt dann doch die Schnelllebigkeit dieses Geschäfts“, sagte er am Donnerstag, als er in der Pressekonferenz auf die Trainerwechsel dieser Woche und seine Position im Ranking angesprochen wurde. „Ob das immer so gut ist, wenn man auf der einen Seite von Konstanz spricht und davon, etwas aufbauen zu wollen, und man auf der anderen Seite den wichtigsten sportlichen Funktionsträger permanent auswechselt, sei mal so dahingestellt“, sagte er weiter.

Viele Entlassungen, Schultz bleibt aber

Die Entlassungen von Alexej Shpilevski bei Erzgebirge Aue – übrigens zwischen Abpfiff und Pressekonferenz nach dem 1:4 gegen Paderborn vollzogen – und des Duos Gerhard Kleppinger/Stefan Kulovits beim SV Sandhausen passten ins Gesamtbild. Diese Coaches aber waren ohnehin deutlich kürzer im Amt gewesen als Timo Schultz.

Finn Ole Becker, Eric Smith, Sebastian Ohlsson und Marvin Knoll fallen neben den Langzeitverletzten für das Spiel beim Karlsruher SC aus. Jannes Wieckhoff könnte nach überstandener Krankheit in den Kader zurückkehren.

( C.H. )

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