FC St. Pauli

Buchtmann hat eine Erklärung für den Höhenflug

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Christopher Buchtmann (M.) erzielte gegen Ingolstadt seinen ersten Treffer nach langer Leidenszeit.

Christopher Buchtmann (M.) erzielte gegen Ingolstadt seinen ersten Treffer nach langer Leidenszeit.

Foto: Imago/Nordphoto

Lange verletztes Urgestein spricht über den momentanen Erfolg des Kiezclubs. Frauenquote indes ohne Vorbild innerhalb der Bundesligen.

Hamburg/Berlin. Im zehnten Jahr bereits kickt Christopher Buchtmann für den FC St. Pauli, 182 Spiele hat er für den Verein bestritten und ist damit der dienstälteste Profi im Kader. Er weiß also, wovon er spricht. „Doch“, sagt Buchtmann nach nicht allzu langem Zögern, „die jetzige Mannschaft ist die beste, in der ich bei St. Pauli je gespielt habe.“

Das liege nicht nur an der spielerischen Klasse, sondern auch an der Mentalität. „Der Teamgeist ist top – wir sind ein eingeschworener Haufen, das war hier auch schon mal anders“, sagt er. „Wir haben einen brutal guten Plan, den jeder umsetzen will. Die Jungs sind einfach hungrig.“

FC St. Pauli kann wieder auf Buchtmann setzen

Am vergangenen Sonntag konnte er mit seinem Tor zum 4:1-Endstand gegen den FC Ingolstadt direkt einen Teil zum Erfolg beitragen und damit eine Rückkehr krönen, die lange Zeit unwahrscheinlich schien. „Scheiß eineinhalb Jahre“ war der Mittelfeldspieler außen vor. Chronische Schmerzen an der Achillessehne machten im Mai 2020 eine OP notwendig, der Reha-Prozess war durch zahlreiche Rückschläge gestört. Schon im November 2019 brachte ein Innenbandriss eine lange Zwangspause. Erst am 16. Mai im vorletzten Spiel der vergangenen Saison konnte er wieder am Millerntor eingewechselt werden.

„Es war keine einfache Situation in der Reha, ich konnte die anderen Jungs nicht sehen“, erzählt der 29-Jährige, „jeder Fußballer liebt das Schnacken in der Kabine mit den Kollegen. Das hat mir gefehlt. Wegen der Corona-Bestimmungen musste ich mein Training immer allein absolvieren.“

Buchtmann's Vertrag bei St. Pauli läuft aus

Gedanken ans Aufgeben aber hatte er angeblich nie, sagt er heute. „Es gab Momente, wo es nicht so lief, klar. Aber ich lasse mich nicht hängen, wollte immer zurückkommen und Teil der Mannschaft sein“, sagt er.“ Dass er am Sonntag sein erstes Tor seit dem 16. Februar 2019 erzielt hat, rundet die Rückkehr perfekt ab. „Es war ein geiles Gefühl, als der Ball drin war.“

Mit jeder Woche wird Buchtmann eine ernsthaftere Alternative für Schultz, auch wenn der Trainer ihn noch nicht in der Startelf sieht: „So weit ist er noch nicht.“ Buchtmann akzeptiert das, nach seiner Geschichte sowieso: „Schulle wird schon einen guten Plan haben. Ich bleibe geduldig und gehe Schritt für Schritt. Und wenn ich reinkomme, dann gebe ich weiter Gas.“ Im Sommer läuft sein Vertrag aus, da hilft es auch, Werbung für sich zu machen. „Es ist noch lange hin, ich lass das auf mich zukommen. Aber ich würde schon gerne hier bleiben.“

St. Pauli einziger Verein mit Frauenquote

Unterdessen planen im Gegensatz zum FC St. Pauli alle übrigen Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga laut einer Umfrage keine Frauenquote. Wie das Magazin „stern“ am Mittwoch mitteilte, ist dies das Ergebnis einer Befragung bei den Clubs aus den beiden höchsten deutschen Ligen. Die Gründe hierfür seien demnach ganz unterschiedlich. „Wir verzeichnen im administrativen Bereich einen Frauenanteil von 35 Prozent und leben damit Diversität ganz natürlich“, zitierte der „stern“ den Erstligisten RB Leipzig.

Es seien schon „verhältnismäßig viele Frauen (...) in den Verein und ins Unternehmen gekommen, ohne dass dies auf eine Frauenquote zurückzuführen war“, heißt es der Mitteilung zufolge bei Borussia Mönchengladbach. Der Zweitliga-Zweite Jahn Regensburg ließ dazu mitteilen, dass man „eine geschlechterunabhängige Besetzung von Führungspositionen kraft Kompetenzen“ wolle.

FC St. Pauli hatte Frauenquote beschlossen

Der FC St. Pauli hatte Anfang September auf seiner Mitgliederversammlung durch eine entsprechende Satzungsänderung eine Frauenquote eingeführt. Demnach sollen Vereinsgremien wie das Präsidium, der Aufsichts- und Ehrenrat sowie der Wahlausschuss mindestens mit 30 Prozent Frauen besetzt sein.

Zuletzt hatte die Initiative „Fußball kann mehr“ für Aufmerksamkeit gesorgt. Darin fordern die Initiatorinnen um Nationaltorhüterin Almuth Schult unter anderem eine Quote für Fußballverbände von mindestens 30 Prozent Frauen in Führungspositionen.

( dpa/HA/ah )

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