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FC St. Pauli: Nur zwei Spieler scheinen unersetzlich zu sein

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Daniel-Kofi Kyereh, Jackson Irvine, Guido Burgstaller und Maximilian Dittgen (v. l.).

Daniel-Kofi Kyereh, Jackson Irvine, Guido Burgstaller und Maximilian Dittgen (v. l.).

Foto: TayDucLam / WITTERS

Beim 4:1-Erfolg über den FC Ingolstadt nutzen die beiden Reservisten ihre Chance – mehr Optionen für Trainer Timo Schultz.

Hamburg.  Endlich Auslaufen statt Spielersatztraining – wenn man am Tag nach einem Punktspiel beim FC St. Pauli durch das Niendorfer Gehege joggen darf, dann ist das gut. Wenn man stattdessen mit den Reservisten auf dem Trainingsplatz kickt und sich belastet, dann ist das weniger toll – dann hat man eben nicht zur Startelf gehört. Das zufriedene Gesicht bei Jackson Irvine und Maximilian Dittgen, als sie sich am Montag auf die Laufrunde machten, war deshalb komplett nachvollziehbar.

Zum ersten Mal in dieser Saison spielten beide am Sonntag beim 4:1 gegen den FC Ingolstadt 04 die volle Distanz durch. Der im Sommer verpflichtete Australier Irvine stand erstmals in der Startelf und ersetzte den an Adduktorenproblemen leidenden Finn Ole Becker im Mittelfeld, Dittgen erhielt als Sturmpartner von Guido Burgstaller seine Chance. In der Abwehr rotierte zudem Luca Zander für den erkrankten Jannes Wieckhoff ins Team.

FC St. Pauli: Makienok wurde Dittgen vorgezogen

„Wir haben eine große Tiefe im Kader“, freut sich Schultz, „es ist gut zu wissen, dass wir viele Jungs haben, die Dampf machen und in die erste Elf wollen.“ Wenn sich eine Chance bietet, dann müssen sie die aber auch nutzen. Sagt Maximilian Dittgen (26), „das ist im Sport so“. Der bullige Angreifer hatte sich nach der gelungenen Vorbereitung Chancen auf die erste Elf ausgerechnet, Schultz zog aber den Dänen Simon Makienok vor. Und als der gegen den HSV zweimal traf, fehlte Dittgen auch noch wegen der Geburt seiner Tochter.

„Simon stand dann auch zu Recht auf dem Platz“, gab Dittgen zu, „aber da muss ich halt dranbleiben und, wenn die Gelegenheit kommt, alles geben.“ Ein Tor und zwei Großchancen hatte er gegen Ingolstadt beigesteuert, Schultz war zufrieden: „Ein sehr gutes Spiel. Mit seinem enormen Tempo harmoniert er auch gut mit Daniel-Kofi Kyereh.“

Schultz lobt Irvine für Passstärke

Von Dittgen, der seit 2020 bei St. Pauli spielt, konnte Schultz ahnen, was er bekommt, bei Irvine war das weniger klar. Der 28-Jährige war im Sommer mit Trainingsrückstand von Hibernian Edinburgh ans Millerntor gekommen, musste sich erst körperlich in Form arbeiten.
Gegen Jahn Regensburg stand er dann erstmals eine Minute auf dem Platz, in Hannover 27 Minuten und nun die volle Strecke.

„Wir wollten ihm die Gelegenheit geben, über 90 Minuten zu spielen, er braucht ja auch Wettkampfhärte“, sagte Schultz. „Er hat genau das auf den Platz gebracht, was wir von ihm erwartet haben. Er hat eine enorme Passstärke, ist zweikampfstark und verhält sich sehr clever in den Räumen. Eine sehr coole Mischung.“

FC St. Pauli: Irvine wird echte Alternative für Becker

Tatsächlich hatte Irvine am Ende der Partie mit 11,9 Kilometern die größte Strecke aller St. Paulaner abgerissen (Dauerläufer Marcel Hartel spielte nur 66 Minuten) und mit 15 die meisten Zweikämpfe gewonnen. „Das war ein sehr ordentlicher Start von ihm“, lobte Schultz, „dass er eine gewisse Grundqualität hat, war schon klar. Er ist schließlich australischer Nationalspieler.“ Jedenfalls hat sich Irvine als echte Alternative für Becker erwiesen, bei dem noch nicht klar ist, wann er seine Adduktorenbeschwerden auskuriert hat.

Bislang ist es St. Pauli gut gelungen, personelle Engpässe auszugleichen. Der rotgesperrte Kapitän Philipp Ziereis wurde gleichwertig durch James Lawrence ersetzt, auf der Sechs liefern Afeez Aremu, Eric Smith und Rico Benatelli gleichermaßen gut ab, Christopher Buchtmann bietet sich nach langer Verletzungs- und Rehaphase wieder im offensiven Mittelfeld an. Nur Guido Burgstaller und Leart Paqarada scheinen unersetzlich. Aber wer weiß? „Viele Spieler bei uns haben den Anspruch zu spielen“, sagt Schultz, „und wenn sie gut trainieren, dann kann es sehr schnell gehen.“

( ah )

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