Millerntalk-Podcast

Warum Harald Gärtner "Mister Aufstieg" höchstpersönlich ist

| Lesedauer: 4 Minuten
Alexander Berthold und Carsten Harms
13 Jahre war Harald Gärtner beim FC Ingolstadt. Nun arbeitet der ehemalige St.-Pauli-Co-Trainer bei Austria Klagenfurt.

13 Jahre war Harald Gärtner beim FC Ingolstadt. Nun arbeitet der ehemalige St.-Pauli-Co-Trainer bei Austria Klagenfurt.

Foto: imago sportfotodienst / imago/Stefan Bösl

Der 52-Jährige blickt auf seine Zeit beim FC St. Pauli und verrät, warum sein sportliches Glück nun in Österreich liegt.

Hamburg.  Seinen Sonntag hat Harald Gärtner bereits komplett durchgeplant. Um 14.30 Uhr sitzt der 52-Jährige auf der Tribüne des wunderschön gelegenen Wörthersee-Stadions, um sich den Auftritt seines SK Austria Klagenfurt gegen den Linzer ASK anzuschauen. Beim österreichischen Bundesliga-Aufsteiger ist der ehemalige Co-Trainer und Sportdirektor des FC St. Pauli seit September 2020 als Geschäftsführer tätig. „Aber nach dem Spiel werde ich mir auf jeden Fall anschauen, wie St. Pauli gegen den FC Ingolstadt gespielt hat. Diese beiden Vereine haben eine wichtige Bedeutung in meiner Karriere“, erklärt Gärtner in der 20. Ausgabe des Abendblatt-Podcasts „Millerntalk“.

Bei St. Pauli startete Gärtner seine Funktionärslaufbahn

Beim FC St. Pauli hat der gebürtige Gießener in der Saison 2002/03 seine ersten Schritte in der Karriere nach der aktiven Laufbahn gemacht. Der damalige Trainer Franz Gerber (67) kannte Gärtner noch aus gemeinsamen Zeiten bei Hannover 96 und rief ihn spontan an, ob er nicht Lust hätte, sein Assistent bei St. Pauli zu werden. „Bei St. Pauli bin ich einfach ins kalte Wasser gesprungen. Das war eine geile Situation.“

Es waren turbulente Zeiten, die der ehemalige Profi beim Kiezclub erlebt hatte. Abstieg in die Regionalliga, ein ganzer Verein im Wandel. An der Seite von Sportdirektor Stephan Beutel (55) und Trainer Gerber wurde Gärtner auch in die Kaderplanung mit einbezogen. „Wir hatten damals eine geile Truppe zusammen. St. Pauli war und ist ein besonderer Verein, der sein Herz trotz des Wandels im Fußball nie verloren hat.“

13 Jahre lang war Gärtner der Architekt des FC Ingolstadt

Sein Herz, daraus macht Gärtner kein Geheimnis, schlägt aber noch ein wenig stärker für den FC Ingolstadt. Bei den „Schanzern“ verbrachte der gelernte Verwaltungsfachangestellte fast 13 Jahre, baute den erst 2004 gegründeten Club sukzessive auf. Neues Stadion, Trainingsgelände, Jugendakademie. Zudem formte Gärtner dort mit seinem Team heutige Erfolgstrainer wie Stefan Leitl (44/ Greuther Fürth) und Ralph Hasenhüttl (54/FC Southampton). „Darauf kann man stolz sein. Von der Infrastruktur her muss sich Ingolstadt vor keinem Verein in der Zweiten Liga verstecken“, erklärt Gärtner, der sich aber über all die Jahre mit einem Problem in Ingolstadt herumärgern musste – dem Image des FCI. „Wir wurden immer als Retortenverein dargestellt, der nur beim Audi-Konzern nachfragen musste, und dann kamen die Millionen. Wir mussten uns das Geld hart erarbeiten.“

Gärtner weiß, wie man mit einem Club den Aufstieg schafft

Von all den Nebengeräuschen ließ er sich aber nie beirren. Mit Ingolstadt stieg er zweimal in die Zweite Liga auf, einmal sogar in die Bundesliga. Ohnehin ist Gärtner praktisch Mr. Aufstieg höchstpersönlich. Denn nicht nur in Ingolstadt ging es eine Liga nach oben, bereits als Spieler war ihm das mit Hannover 96 und Fortuna Düsseldorf gelungen. Und jetzt folgte eben in Österreich Austria Klagenfurt. „Das Geheimnis kann ich ja nicht allen verraten. Nur dem Club, für den ich arbeite“, scherzt Gärtner.

Hamburger Unternehmer arbeiten mit Gärtner in Klagenfurt

Mit der Hilfe der Hamburger Projektentwickler Tomislav und Zeljko Karajica soll Klagenfurt in den kommenden Jahren zu einem Europa-League-Anwärter werden. „Mich haben immer Clubs gereizt, die Visionen haben. Das war auch bei St. Pauli und Ingolstadt der Fall.“ Doch wem drückt er denn nun am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) die Daumen, wenn sich seine beiden Ex-Clubs im Millerntor-Stadion duellieren? „Ich drücke Austria Klagenfurt die Daumen gegen den Europa-League-Teilnehmer Linz. Und wenn sich St. Pauli und Ingolstadt die Punkte teilen, wäre es auch ganz gut“, sagt Gärtner.

Die 20. Folge des „Millerntalk“-Podcasts ist auf abendblatt.de/millerntalk zu hören – und auf allen gängigen Streaming-Plattformen.

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