FC St. Pauli

Marcel Hartel setzt auf Glauben und Aberglauben

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Marcel Hartel an seinem neuen Arbeitsplatz Millerntor

Marcel Hartel an seinem neuen Arbeitsplatz Millerntor

Foto: LeonieHorky / WITTERS

St. Paulis Neuzugang will mit seiner Laufstärke zum Teamerfolg beitragen. Womit er schon in Berlin und Bielefeld Erfolg hatte.

Hamburg. Der September begann für Marcel Hartel so, wie der August aufgehört hatte: mit einem Erfolgserlebnis. Gemeinsam mit Freundin Maike und zwei Chihuahuas kann der Mittelfeldspieler des FC St. Pauli noch in diesem Monat das Hotelleben aufgeben und in die eigenen vier Wände ziehen. „Ich fühle mich aber schon jetzt total wohl und bin in Hamburg angekommen. Es waren bisher mit Abstrichen der Niederlage in Paderborn drei richtig schöne Wochen“, sagt der 25-Jährige.

Vor allem ereignisreich waren sie für den Mann, der am 10. August für rund 350.000 Euro Ablöse von Bundesligaclub Arminia Bielefeld verpflichtet wurde. Nach lediglich zwei Trainingseinheiten berief ihn Trainer Timo Schultz (44) in die Startelf für das Stadtderby gegen den HSV, und so wurde Hartel quasi zum Einstand Stadtmeister. „Es ist schon ein sehr besonderer Moment für mich gewesen. Nach St. Pauli zu kommen, gleich das Derby zu spielen und zu gewinnen. Das ist eine Geschichte, die man nicht allzu häufig schreibt“, blickt der ehemalige U-21-Nationalspieler zurück.

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Hartel: "Ich hatte bei St. Pauli direkt ein gutes Gefühl"

Apropos HSV: Es ist kein Geheimnis, dass auch der Stadtrivale Interesse an einer Verpflichtung Hartels hatte. So richtig gewollt hatte sich der gebürtige Kölner aber auf dem Kiez gefühlt. „Ich hatte bei St. Pauli direkt ein gutes Gefühl nach den Gesprächen mit dem Trainer und dem Sportdirektor. Ich habe den Verein schon in der vergangenen Saison verfolgt. Es hat Spaß gebracht, den Jungs beim Fußballspielen zuzuschauen“, erklärt Hartel seine Entscheidung.

Der Straßenfußballer, wie er sich selbst beschreibt, passt perfekt zur Spielphilosophie des Kiezclubs. Beim 2:0-Heimsieg gegen Regensburg war Hartel am vergangenen Sonntag mit 11,93 Kilometern am meisten von allen Profis unterwegs. „Es war nicht so, dass ich als Jugendlicher jeden Tag eine Stunde laufen war, um meine Kondition zu trainieren. Ich habe einfach Bock, Fußball zu spielen und will immer den Ball haben. Dafür muss man viel laufen. Der liebe Gott hat mir offenbar eine gute Lunge gegeben“, so Hartel, der ein sehr gläubiger Mensch ist. Vor jedem Spiel betet der Neu-Hamburger, wenn sich die Mannschaft zum Kreis auf dem Rasen zusammenstellt. Aber nicht für Siege, sondern dafür, „dass alle Spieler gesund bleiben“.

Große Töne will St. Paulis neuer „Aufstiegsexperte“ nicht spucken

Statt für Siege zu beten, setzt er auf den Aberglauben. Feste Rituale begleiten ihn schon seit Jahren über den Spieltag hinweg. Das beginnt beim Ankleiden. „Rechter Socken, rechter Stutzen, rechter Schuh zuerst. Beim Tapen der Handgelenke erst links, dann rechts. Wenn ich den Platz betrete, dann mit dem rechten Fuß zuerst. Da gibt es noch ein paar Dinge mehr“, sagt der Techniker.

Mit Arminia Bielefeld und Union Berlin ist Hartel bereits in die Bundesliga aufgestiegen. Aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei, doch große Töne will St. Paulis neuer „Aufstiegsexperte“ nicht spucken. „Da steckte sehr viel harte Arbeit dahinter. Wir haben definitiv Qualität in der Mannschaft, aber auch noch Entwicklungspotenzial. Es ist zu hoch gegriffen zu sagen, dass ich mit St. Pauli aufsteigen will. Aber ich sage niemals nie“, so Hartel, der mit dieser entspannten Herangehensweise in Bielefeld und Berlin Erfolg hatte.

Die Deutsche Fußball-Liga hat die Spiel­tage 9 bis 15 angesetzt. Der FC St. Pauli muss jeweils sonnabends in Heidenheim (16.10.), Bremen (30.10.) und Darmstadt (20.11., alle 13.30 Uhr) antreten. Die Heimspiele gegen Dresden (3.10.), Rostock (24.10.) und Sandhausen (7.11.) sowie die Partie in Nürnberg (28.11., alle 13.30 Uhr) steigen an einem Sonntag.

( ber )

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