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Wie St. Pauli mit Sturmtalent Matanovic plant

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Julius Allzeit
Igor Matanovic (r.) wurde mit 17 Jahren St. Paulis jüngster Torschütze.

Igor Matanovic (r.) wurde mit 17 Jahren St. Paulis jüngster Torschütze.

Foto: TimGroothuis / WITTERS

Trotz des Verkaufs an Frankfurt soll der 18-Jährige helfen, eine erfolgreiche Saison zu spielen. Ahlers kommt als dritter Torhüter.

Hamburg.  13 Minuten vor Transferschluss schlug Andreas Bornemann am Dienstag noch einmal zu. Einen Überraschungstransfer hatte der Sportchef des FC St. Pauli aber nicht mehr zu verkünden. Mit Sören Ahlers (23) verpflichtete Bornemann wie erwartet noch einen dritten Torhüter. Der gebürtige Oldenburger, der zuletzt bei Schalke 04 II unter Vertrag stand, hatte bereits als Probespieler bei St. Pauli trainiert und die Verantwortlichen überzeugt.

Der weitaus spannendere Transfer hatte bereits am Tag zuvor für Gesprächsstoff gesorgt. „Igor Matanovic, wer ist das noch mal?“, fragten sich so einige Frankfurter Journalisten, als in der Mainstadt am Montag die Information durchsickerte, dass sich St. Paulis Sturmjuwel in einem Hotel befinden soll, um bei der Eintracht einen Tag vor Ablauf der Transferperiode den üblichen Medizincheck durchzuführen.

Transfer: Matanovic trotz Verkauf beim FC St. Pauli

Mit der Verpflichtung eines gestandenen Stürmers hatten sie gerechnet, der die Offensive des Tabellen-14. direkt beleben kann. Die jedoch wurde erst einen Tag später, am späten Dienstagnachmittag, in der Person von Sam Lammers (24/ausgeliehen von Atalanta Bergamo) bekannt gegeben.

Am Montag hatte Eintrachts Sportvorstand Markus Krösche eine andere Idee gehabt – eine, die in Frankfurt mittlerweile Usus geworden ist: Anstatt eines gestandenen Stürmers holten die Hessen zunächst den 18 Jahre alten Matanovic vom FC St. Pauli, nur, um ihn direkt wieder für zwei Jahre nach Hamburg zu verleihen. Matanovic, der seit seinem Siegtreffer gegen Hannover 96 in der vergangenen Saison mit 17 Jahren jüngster Profi-Torschütze der Vereinsgeschichte ist, unterschrieb in Frankfurt einen Vertrag bis 2026. Die Ablösesumme soll verschiedenen Medien zufolge 500.000 Euro betragen.

„Igor ist ein sehr talentierter Spieler"

„Igor ist ein sehr talentierter Spieler, der technisch versiert und physisch stark ist. Er hat großes Talent und viel Potenzial“, sagt Krösche über den Hamburger Neuzugang, der nun also erst 2023 Teil der Frankfurter Mannschaft sein wird. Dies wohl aber aus gutem Grund: „Für seine Weiterentwicklung ist es wichtig, dass er so viel Spielpraxis wie möglich bekommt. Eine Ausleihe zu seinem Stammverein ist daher sinnvoll.“

Für St. Pauli ist der Verlust der Transferrechte an Matanovic schmerzhaft, aber kaum zu vermeiden gewesen. In Frankfurt sind solche Transfers, bei denen ein junger, entwicklungsfähiger Spieler mit viel Potenzial gekauft und dann direkt wieder verliehen wird, mittlerweile zum Geschäftsmodell geworden.

Matanovic im Konkurrenzkampf mit Burgstaller

So hat es die Eintracht mit dem japanischem Mittelfeldmann Daichi Kamada (25) gemacht und mit dem Brasilianer Tuta (22). Und so wollte es St. Pauli wohl auch bei Finn Ole Becker machen, der sich laut eigenen Aussagen aber nicht mit dem Modell anfreunden konnte und wohl auch deshalb bei den Kiezkickern blieb.

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Becker (Vertrag bis 2022) könnte nun im kommenden Sommer ablösefrei wechseln. Bis dahin soll er St. Pauli helfen, eine erfolgreiche Saison zu spielen. Matanovic wird seine Entwicklung sogar noch zwei Jahre am Millerntor fortsetzen. Das Eigengewächs, das seit seinem achten Lebensjahr bei St. Pauli spielt, hat schon in 17 Spielen der vergangenen Saison angedeutet, was in ihm steckt. Den Konkurrenzkampf um den Platz im Sturm neben dem gesetzten Guido Burgstaller soll Matanovic beleben, sobald er seine langwierige Adduktoren- und Schambeinverletzung auskuriert hat.

Transfer: Leihe könnte für Matanovic hilfreich sein

Kann sich Matanovic gegen die Offensivkräfte Simon Makienok, Maximilian Dittgen und den ebenfalls noch verletzten Neuzugang Etienne Amenyido durchsetzen, würde sich die direkte Leihe auch für den Stürmer selbst als gute Lösung herausstellen. Denn auf mehr Einsatzminuten in Frankfurt wäre er vorerst sicher auch nicht gekommen.

Christian Viet (22) wechselt für eine Saison auf Leihbasis zur U 23 von Borussia Dortmund.

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