1:3 in Paderborn

Rot, Eigentor, Chancenwucher – St. Pauli schlägt sich selbst

| Lesedauer: 4 Minuten
Andreas Hardt

In Paderborn geraten die Hamburger früh in Unterzahl, wehren einen Elfmeter ab, gehen in Führung – und verlieren trotzdem erstmals.

Paderborn. Während die Fans des SC Paderborn lautstark und euphorisch ihre Mannschaft feierten, „O, wie ist das schön“ aus den Stadionlautsprechern dröhnte, hatte St. Paulis Trainer Timo Schultz seine Spieler nach dem 1:3 (1:1) auf dem Spielfeld der Benteler-Arena versammelt und versuchte Aufbauarbeit zu leisten. Die erste Saisonniederlage nach 84 Minuten Unterzahl nach einem frühen Platzverweis für Kapitän Philipp Ziereis war so unglücklich wie unnötig – und dennoch nicht unverdient.

„Am Ende können wir uns nicht beschweren“, sagt Schultz nach der Partie, „wir haben ein wahnsinnig intensives Spiel erlebt. 85 Minuten Unterzahl ist schwer. Trotzdem hatten wir unsere Chancen. Paderborn hat aber drei Tore gemacht und wir nur eins.“

Tabellenspitze 2. Bundesliga

1. Darmstadt 98 14 / 35:16 / 26
2. FC St. Pauli 12 Sp. / 28:15 Tore / 26 Pkt.
3. SC Paderborn 14 / 28:16 / 25
4. Jahn Regensburg 14 / 30:19/ 25
5. 1. FC Nürnberg 14 / 19:12 / 24
6. HSV 14 / 24:16 / 23
7. FC Schalke 04 14 / 23:17 / 23
8. 1. FC Heidenheim 14 / 15:20 / 21
9. Werder Bremen 14 / 20:20 / 20

Guido Burgstaller (28.) hatte die Hamburger nach einem Konter in Führung gebracht. Der Ausgleich fiel mit dem Halbzeitpfiff durch ein Eigentor von Adam Dzwigala. Das 1:2 durch Kai Pröger (66.) schlug in den Winkel ein, und das 1:3 durch Sven Michel fiel durch einen Konter praktisch mit dem Schlusspfiff, als St. Pauli die Abwehr völlig entblößt hatte.

Nur auf einer Position musste Timo Schultz die Aufstellung gegenüber dem Derbysieg gegen den HSV ändern: Rechtsverteidiger Luca Zander wurde nach seiner Kapselverletzung im Fuß nicht rechtzeitig fit und wurde von Adam Dzwigala ersetzt.

FC St. Pauli in Paderborn früh dezimiert

Dennoch waren die Kiezkicker in der Anfangsphase überhaupt nicht im Spiel. Der SCP baute einen ständigen Druck auf. Trainer Lukas Kwasniok hatte sich offenbar angeschaut, wie der 1. FC Magdeburg im DFB-Pokal die Hamburger mit Kampf und Laufbereitschaft von einer Verlegenheit in die andere gestürzt hatte, und eine ähnliche Taktik gewählt. „Wir waren davon nicht überrascht“, sagte Schultz, „aber wir haben die Bälle zu schnell wieder verloren.“

Schon nach 36 Sekunden herrschte im St.-Pauli-Strafraum reines Chaos, Torjäger Sven Michel konnte zweimal gerade noch abgeblockt werden. Die ganz in Weiß spielenden Braun-Weißen kamen oft zu spät, standen falsch zum Ball und stürzten von einer Verlegenheit in die nächste. In der sechsten Minute drang erneut Michel in den Strafraum ein, Ziereis verfolgte ihn und zupfte dabei am Trikotärmel. Michel schloss mit Vorteil dennoch ab, Nikola Vasilj hielt den Schuss aber reaktionsschnell.

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Dann ertönte die Pfeife von Schiedsrichter Benjamin Brand. Elfmeter – okay. Und Rote Karte für Ziereis – eine extrem harte Auslegung einer „Notbremse“. Die langen Diskussionsversuche der St. Paulianer brachten aber nichts, der Videoschiedsrichter fand die Entscheidung auch in Ordnung, der Kapitän musste schon nach sechs Minuten raus und wurde von James Lawrence ersetzt. Simon Makienok wurde dafür ausgewechselt.

Burgstaller bringt St. Pauli in Führung

Beim Strafstoß von Dennis Srbeny ahnte Nikola Vasilij die Ecke und konnte parieren. In der Folge behielten die Gastgeber mit einem Spieler mehr natürlich ihre Feldüberlegenheit, St. Paulis Abwehr fand aber immer besser in die Partie und ließ keine großen Chancen mehr zu, auch weil alle Spieler unermüdlich mit nach hinten arbeiteten.

Ab Mitte der ersten Halbzeit kamen die Hamburger sogar dazu, eigene Konterversuche zu starten. Dreimal zwischen der 24. Und 27. Minute wurde Daniel-Kofi Kyereh erst im letzten Augenblick gestoppt. In der 28. Minute aber spielte er Burgstaller frei, der den Ball vom Strafraumrand unhaltbar neben den Pfosten schlenzte.

St. Pauli betreibt Chancenwucher

Das 1:1 durch das Eigentor war „sehr ärgerlich“, so Schultz, „wir konnten sie in dieser Phase gut vom Tor weghalten. Auch Paderborns Trainer Lukas Kwasniok hielt das „1:1 vielleicht für entscheidender als die Rote Karte“.

Im zweiten Durchgang hielt St. Pauli spielerisch mehr als gut mit und hätte in der 47. Minute in Führung gehen müssen. Kyereh vergab jedoch völlig freistehend vor Torwart Jannik Huth, der auch eine erstklassige Chance von Finn Ole Becker (62.) zunichte machte.

„Wir hatten vier fünf klare Chancen, da müssen wir eine machen“, meinte Schultz. Stattdessen traf der Gastgeber und überstand auch St. Paulis Schlussoffensive. „Heute war alles dabei: Elfmeter, Rote Karte, Eigentor – das war vielleicht etwas viel auf einmal. Das kommt vor. Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen.“

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