Ex-St.-Pauli-Profi

Staatsanwaltschaft ermittelt: Ist Deniz Naki ein Rockerboss?

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Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt gegen Deniz Naki (M.), den früheren Profi des FC St. Pauli, wegen diverser Straftaten im Rockermilieu.

Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt gegen Deniz Naki (M.), den früheren Profi des FC St. Pauli, wegen diverser Straftaten im Rockermilieu.

Foto: picture alliance / dpa / Str

Die Vorwürfe gegen den früheren Profi des FC St. Pauli haben es in sich. Nun startet der Prozess. Wie konnte es so weit kommen?

Hamburg. Wurde Deniz Naki vom Fußballprofi zum Rockerboss? Diese Frage wirft der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe auf. Demnach hätten sich für die Polizei und die Staatsanwalt die Anzeichen verdichtet, der frühere Angreifer des FC St. Pauli sei zu einem führenden Mitglied einer Rockerbande aufgestiegen, die Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hat. Aus diesem Grund sitzt der 31-Jährige seit Juli 2020 in Untersuchungshaft.

Ab diesem Freitag beginnt der Prozess gegen Naki vor dem Landgericht Aachen. Laut Aktenlage haben es die Vorwürfe gegen ihn in sich: Bildung einer kriminellen Vereinigung, bandenmäßiger Drogenhandel, Körperverletzung, gewerbsmäßige Erpressung.

Schüsse auf Deniz Naki

Doch wie konnte es soweit kommen? Alles begann mit den Schüssen auf Naki in der Nacht zum 8. Januar 2018 nahe seiner Heimatstadt Düren. Bei dem Vorfall wurde der kurdischstämmige Fußballer auf der A4 bei Düren in Fahrtrichtung Köln beschossen. Das Auto wurde an zwei Stellen getroffen. Der frühere deutsche U-21-Nationalspieler Naki hatte sich als Opfer einer politisch motivierten Tat gesehen und von Todesangst berichtet. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst wegen versuchter Tötung gegen Unbekannt ermittelt.

15 Monate später waren die Ermittlungen eingestellt worden. „Es gab keine Hinweise für eine politisch motivierte Tat. Das Motiv der Tat ist nach Abschluss der Ermittlungen weiterhin unbekannt. Es ist nicht aufzuklären derzeit“, sagte Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts damals.

Nakis Vorwurf, das Attentat sei von der türkischen Regierung in Auftrag gegeben worden, weil er sich öffentlich für die Rechte der Kurden einsetze, wurde durch die Ermittlungen nicht bestätigt. Stattdessen deckten die Fahnder der Sonderkommission „Drive“ eine vermeintliche Verbindung zur rockerähnlichen Gruppe „Bahoz“ auf, die deutsche Sicherheitsbehörden der PKK zurechnen.

Deniz Naki tief in Rocker-Milieu verstrickt?

Strippenzieher der Aachener Rockergruppe soll nach Erkenntnissen der Ermittler der verurteilte Mörder Hüseyin Ö. sein, der in den Neunzigerjahren in der Türkei in einer PKK-Einheit gedient hatte. Inzwischen soll er sich als Geldeintreiber für die PKK bewährt gemacht haben. Dabei gingen Ö. und seine Leute teilweise brutal vor. Betreiber von Restaurants und Shishabars, die kein Schutzgeld bezahlen wollten, seien den Ermittlungen zufolge zum Teil lebensgefährlich attackiert und bedroht worden.

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Doch was hat Deniz Naki mit all dem zu tun? Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Naki als rechte Hand von Hüseyin Ö. agiert. Auf eine Anfrage des „Spiegel“ wollte sich Nakis Anwalt nicht dazu äußern. Er soll aber darauf hingewiesen haben, dass eine erste Anklage von der Staatsanwaltschaft zurückgenommen und die aktuelle nur eingeschränkt zugelassen wurde. Der Verteidiger von Hüseyin Ö. wollte sich dem Bericht zufolge nicht äußern.

Naki war im Frühjahr 2017 von einem türkischen Gericht wegen „Terrorpropaganda“ für die PKK zu einer Bewährungsstrafe von rund 18 Monaten verurteilt worden.

( HA )

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