Fußball

Bei St. Pauli will auch Trainer Schultz noch lernen

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Hat aus der Krise gelernt: FCSP-Trainer Timo Schultz.

Hat aus der Krise gelernt: FCSP-Trainer Timo Schultz.

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Coach Timo Schultz gibt zu, dass auch er Lehrgeld zahlen musste: „Die größten Schritte in der schlechtesten Phase.“

Hamburg.  „Entwicklung“ ist eines der Lieblingswörter von Trainer Timo Schultz (43) beim FC St. Pauli. Wenn die Rede von Zielen und Möglichkeiten der Mannschaft ist, dann weist er auf den immerwährenden Prozess in der täglichen Zusammenarbeit hin. „Wir sehen eine sehr positive Entwicklung der Mannschaft und einzelner Spieler“, sagt Schultz also vor dem Spiel am Mittwoch (18.30 Uhr/Sky und Liveticker auf abendblatt.de) beim Tabellennachbarn Fortuna Düsseldorf, der als Sechster nur zwei Zähler mehr auf dem Konto hat.

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Bei St. Pauli erstmals als Cheftrainer im Profifußball

Die Saison ist jedoch auch ein Lernprozess für den Coach und seine Mitarbeiter: „Es ist ja nicht so, dass sich nur die Mannschaft entwickeln soll, sondern wir auch als Trainerteam. Da nehme ich den ganzen Staff mit rein.“ „Schulle“ arbeitet an der Kollaustraße schließlich erstmals als Cheftrainer im Profifußball, auch seine jungen Assistenten Fabian Hürzeler (28) und Loic Favé (28) sind Novizen auf diesem Niveau.

„Auch ein neu zusammengesetztes Trainerteam muss sich erst mal einspielen“, sagt er. Inhaltlich waren sich die drei einig, gingen theoretisch gut vorbereitet in die Saison. Aber die Ansprache ans Team, die Abläufe bei der Trainingsarbeit – „das sind so Dinge, wo auch ich als Cheftrainer immer dazulerne und wo ich mich optimieren möchte“, sagt Schultz.

Wöchentliches Feedback in Form einer Videoanalyse

Dabei erwies sich das sportliche Tief im Herbst mit 13 sieglosen Partien in Folge sogar als positiv, glaubt der Trainer: „Wir haben die größten Schritte in der schlechtesten Phase gemacht. Da haben wir als Trainer erkannt, was die Jungs können, was sie wollen, was ihnen guttut. Wir sind aus dieser Krise gestärkt hervorgegangen.“ Im Januar und Februar haben sie dann gemeinsam „etwas entwickelt, was sehr gut zum Trainerteam und der Mannschaft passt“. Der Erfolg zeige sich jetzt auf dem Platz. „Wir spielen seitdem permanent fast immer das gleiche System. Und auch die täglichen Abläufe passen sehr gut.“

Dazu gehört auch die individuelle Betreuung der einzelnen Spieler vor allem durch die Co-Trainer. Stärken, Schwächen, Fehler im Training und im Spiel, alles erhalten die Profis individuell aufbereitet und vorgeführt. „Jeder Spieler bekommt einmal in der Woche ein Feedback in Form einer Videoanalyse und eines Gesprächs“, verrät Schultz eines der Erfolgsgeheimnisse: „Das war für viele ungewohnt, dass sie auf Themen festgenagelt werden, an denen sie arbeiten sollen.“

Aufstieg für St. Pauli noch denkbar

Manche Spieler haben am Anfang erstaunt geguckt, als sie ihr individuelles Video erhalten haben, mittlerweile ist das allgemein akzeptiert. Von den Jungprofis genauso wie von den alten Hasen. „Das zeigt, dass die Mentalität in der Truppe offen ist für neue Sachen und auch die eigene Weiterentwicklung, das war schon sehr gut“, freut sich der Cheftrainer.

Und nun steht diese beste Mannschaft der Rückrunde am Mittwoch vor einem „Überholspiel“ gegen Bundesligaabsteiger Düsseldorf. Dort ein weiterer Erfolg, dann ist sogar der Aufstieg tatsächlich noch denkbar. „Das war ein Prozess der letzten Monate“, sagt Schultz, „Lernen hat keine Ziellinie – das gilt für alle, die hier an der Kollau sind.“

Der FC St. Pauli und der HSV haben die Lizenz für die kommende Zweitligasaison ohne Auflagen und Bedingungen erhalten – wie alle 36 Clubs der beiden Bundesligen.

( ah )

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