Zweite Liga

4:0 gegen Würzburg: FC St. Pauli wie ein Aufsteiger

| Lesedauer: 6 Minuten
Alexander Berthold
Omar Marmoush brachte St. Pauli früh auf die Siegerstraße. Die Wolfsburg-Leihgabe ist weiter in sensationeller Form.

Omar Marmoush brachte St. Pauli früh auf die Siegerstraße. Die Wolfsburg-Leihgabe ist weiter in sensationeller Form.

Foto: dpa

Beim vierten Sieg in Folge trafen Marmoush, Benatelli, Paqarada und Kyereh. HSV nur noch sechs Punkte vor dem starken Kiezclub.

Hamburg. Die Laune war bei den Profis des FC St. Pauli bestens, als sie sich am Sonnabendnachmittag im Mittelkreis des sonnigen Millerntor-Stadions versammelten, und sich für das schon fast traditionelle Siegerfoto in Pose setzten. Die Mannschaft von Trainer Timo Schultz (43) ist durch den nie gefährdeten 4:0 (3:0)-Sieg gegen die Würzburger Kickers drauf und dran, sich in den Aufstiegskampf der Zweiten Liga einzumischen.

Mit nun 44 Punkten rangiert St. Pauli lediglich sechs Punkte hinter Tabellenplatz drei, der momentan vom Lokalrivalen HSV belegt wird. "Das Selbstvertrauen spielt bei uns momentan eine riesige Rolle. Die Brust ist riesig breit, die Spielfreude ist riesig. Die Dominanz, die wir auf den Platz bringen, ist schon super und macht tierisch Spaß", sagte Linksverteidiger und Torschütze zum 3:0, Leart Paqarada und fügte an: "Wir fahren ganz gut damit, die Tabelle mal wegzulassen und von Spiel zu Spiel zu denken, auch wenn das eine Floskel ist."

Auch Trainer Schultz wollte vom Thema Aufstieg nichts wissen. "Wenn wir die Saison auf 38 Spiele verlängert wird, können wir darüber reden. Da sollten wir die DFL mal fragen, aber es macht einfach Spaß mit den Jungs im Moment. Wir sind eine Mannschaft, die kicken will", lobte der 43-Jährige.

Dabei gab es unmittelbar vor der Partie eine schlechte Nachricht für St. Pauli. Topstürmer Guido Burgstaller stand überraschend nicht im Kader. Der Verein klärte auf, dass der Österreicher aus privaten Gründen nicht mit dabei sein konnte. Für den Torjäger rückte Maximilian Dittgen in die Startformation und bildete im 4-4-2-System mit Omar Marmoush eine Doppelspitze. Keinen Platz im 20 Spieler umfassenden Aufgebot bekamen Innenverteidiger Marvin Knoll und Rechtsverteidiger Sebastian Ohlsson, der nach seinen Adduktorenproblemen noch nicht wieder einsatzbereit war.

Erneuter Blitzstart für den FC St. Pauli

Von Beginn an entwickelte sich ein unterhaltsames Spiel, bei dem der in den vergangenen Wochen überragende Marmoush das erste Ausrufezeichen setzte. Die Leihgabe des VfL Wolfsburg marschierte in der vierten Minuten durch das Mittelfeld und schloss aus rund 17 Metern ab. Sein Schuss wurde von Würzburgs Abwehrspieler Tobias Kraulich derart glücklich per Hacke abgefälscht, sodass sich der Ball mit einer Bogenlampe zur Führung ins Netz senkte.

Benatelli staubt im Stile eines Mittelstürmers ab

Mit dem frühen Treffer rücken dominierten die Kiezkicker die Partie nach Belieben. Die akut abstiegsgefährdeten Kickers hatten große Mühe, die Spielfreude der Gastgeber zu unterbinden. Da war das nächste Tor nur eine Frage der Zeit. Nach einer zunächst abgewehrten Ecke scheiterte in der 18. Minute zunächst noch Kapitän Philipp Ziereis an Torhüter Fabian Giefer, doch Rico Benatelli stand goldrichtig, und staubte im Stile eines Mittelstürmers eiskalt ab. Der Mittelfeldspieler hatte bereits beim 1:1 im Hinspiel getroffen. "Ich hatte ein ganz gutes Näschen. Es freut mich ungemein, dass ich getroffen habe", sagte Benatelli.

Paqarada erhöht per Sonntagsschuss am Sonnabend

Und die verrückte Tor-Show am Millerntor ging weiter. Nur fünf Minuten später fasste sich Linksverteidiger Leart Paqarada aus knapp 23 Metern ein ein Herz und traf wunderschön per Weitschuss zum 3:0 gegen völlig überforderte Würzburger. Die Gastgeber hatten nach 30 Minuten starke 81 Prozent Passquote und 60 Prozent Ballbesitz. Zahlen eines Aufstiegskandidaten.

Würzburger Kickers völlig überfordert mit St. Pauli

In der Folge beruhigte sich die Partie ein wenig, St. Paulis Torhüter Dejan Stojanovic hatte aber weiterhin einen extrem ruhigen Arbeitstag. Der einzige Schuss, der halbwegs gefährlich auf das Tor flog, ging in der 36. Minute deutlich über den Kasten. So ging das Schultz-Team mit einer hochverdienten 3:0-Führung in die Halbzeitpause.

Nach dem Seitenwechsel ging das muntere Scheibenschießen gegen nicht zweitligataugliche Würzburger weiter. In der 50. Minute traf Daniel Kofi Kyereh nach mustergültiger Flanke von Paqarada per sehenswertem Volleyschuss zum 4:0. Für den offensiven Mittelfeldspieler war es bereits der neunte Saisontreffer. "Ja, wenn es läuft dann schlägt der ein. Wenn nicht kann man ihn hinten aus der Großen Freiheit holen. War schön gespielt. Die Jungs können das. Das Selbstvertrauen haben sich die Jungs erarbeitet", lobte Trainer Schultz.

St. Pauli mit einer der besten Saisonleistungen

Nach der souveränen Führung entschied sich Trainer Schultz mit Hinblick auf das Auswärtsspiel am Mittwoch bei Fortuna Düsseldorf, einige Stammkräfte zu schonen. In der 56. Minute wechselte der 43-Jährige gleich dreifach. Für James Lawrence, Rodrigo Zalazar und Marmoush kamen Lukas Daschner, Tore Reginiussen und Christian Viet.

Kickers-Trainer entschuldigt sich bei St. Pauli für Minus-Leistung

An den Spielverhältnissen änderte der Dreifachwechsel nichts. Der kurz zuvor eingewechselte Offensivspieler Daschner verpasste gleich zweimal (60.,66.) aus aussichtsreicher Position das fünfte Tor. Und so blieb es am Ende beim 4:0. St. Pauli zeigte eine der besten Saisonleistungen und profitierte darüber hinaus von einer desolaten Würzburger Mannschaft. Am Ende hatte das Schultz-Team 62 Prozent Ballbesitz bei einer Torschussstatistik von 16:1. "Ich neige schon fast dazu mich bei Timo Schultz entschuldigen zu müssen, dass er heute keine Belastung für seine Jungs verbuchen kann für die Trainingssteuerung“, sagte ein sichtlich angefressener Kickers-Trainer Ralf Santelli und fasste so die Partie perfekt zusammen.

  • St. Pauli: Stojanovic - Zander, Ziereis, Lawrence (56. Reginiussen), Paqarada - Benatelli - Becker (72. Wieckhoff), Zalazar (56. Viet) - Kyereh (77. Makienok) - Marmoush (56. Daschner), Dittgen. - Trainer: Schultz
  • Würzburg: Giefer - Ronstadt (82. Feick), Strohdiek, Kraulich, Feltscher - Hägele, Dietz - Kopacz (46. van La Parra), Hasek (46. Lotric) - Pieringer (46. Baumann), Munsy (63. Nikolov). - Trainer: Santelli
  • Schiedsrichter: Christian Dingert (Gries)
  • Tore: 1:0 Marmoush (4.), 2:0 Benatelli (18.), 3:0 Paqarada (22.), 4:0 Kyereh (50.)
  • Zuschauer: keine
  • Gelbe Karten: Dittgen (3) -
  • Torschüsse: 16:1
  • Ecken: 7:0
  • Ballbesitz: 62:38 %
  • Zweikämpfe: 124:104

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