FC St. Pauli

Gemeinsam gegen den schwierigsten Gegner

| Lesedauer: 3 Minuten
Andreas Hardt
„Kein Platz für Rassismus“: Daniel-Kofi Kyereh im Sondertrikot.

„Kein Platz für Rassismus“: Daniel-Kofi Kyereh im Sondertrikot.

Foto: Witters

Der FC St. Pauli begeht mit speziellen Aktionen die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“. Positive erste Reaktionen.

Hamburg.  Die Trikots sind begehrt. „Matchworn“, also im Spiel getragen, voller Männerschweiß und Dreck. Will man haben als Fan. Insbesondere dann, wenn statt der üblichen Werbung auf der Brust noch eine starke Botschaft steht. „Kein Platz für Rassismus“ – „Rassismus“ fett, rot durchgestrichen. Mit diesen Hemden traten die Spieler des FC St. Pauli am 15. März im Heimspiel gegen den SC Paderborn (0:2) an. Demnächst werden sie zugunsten von Organisationen versteigert, die gegen Rassismus arbeiten.

„Das Thema Anti-Rassismus und gegen Faschismus ist die durch die Fanszene geprägte Kern-DNA des FC St. Pauli“, sagt Michael Thomsen, der sich als Geschäftsleiter „Corporate Social Responsibility“ um die gesellschaftliche Verantwortung des Clubs kümmert.

Auch der HSV setzte klare Zeichen

Die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ laufen in diesem Jahr vom 15. bis 28. März. Am vergangenen Wochenende stiegen zahlreiche weitere Vereine groß ein. Auch der HSV setzte zum „Tag des Rassismus“ am 21. März unter dem Hashtag „RauteistVielfalt“ mit zahlreichen Aktionen klare Zeichen.

Die Deutsche Fußball Liga und der Deutsche Fußball-Bund veranstalteten in der vergangenen Woche zudem den Fachtag „Antidiskriminierung und Vielfalt“. Über 200 Teilnehmende aus den drei Profiligen, der Frauen-Bundesliga sowie Vertreter von Fan-Organisationen und -projekten gaben Einblicke in ihre Arbeit.

FC St. Pauli belässt es nicht bei der einmaligen Aktion

Der FC St. Pauli belässt es aber nicht bei der einmaligen Aktion am Spieltag. Er stellt zudem seine sozialen Medienkanäle zur Verfügung. Stiftungen, Aktivisten und Journalistinnen können dort über ihre Erfahrungen und Einschätzungen berichten.

Den Anfang machte die Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich seit 1998 gegen Rassismus engagiert. Sie definierte in ihrem Beitrag den Begriff: „Wenn Menschen nicht nach ihren individuellen Fähigkeiten und Eigenschaften, sondern als Teil einer vermeintlich homogenen Gruppe beurteilt werden, dann ist das Rassismus. Die ‘Anderen’ werden als weniger wertvoll eingestuft und aktiv abgewertet.“

Auch der Hauptsponsor beteiligt sich

Die erste Resonanz sei total positiv gewesen, berichtet Thomsen. Schon deshalb werde man jetzt nicht einfach aufhören. Bis in den Mai hinein werden also über die Homepage des Clubs noch vier weitere Organisationen und Stiftungen sich und ihre Tätigkeiten vorstellen.

„Wir weisen so einerseits plakativ auf das Thema hin, andererseits wollen wir auch konkrete Inhalte abbilden“, erklärt Thomsen. Dass sich auch der Hauptsponsor (Congstar) beteiligt, wertet das Thema auf: „Fußball allein kann es nicht schaffen, die Menschen zu überzeugen“, sagt Thomsen, „das geht nur mit Partnern aus der Wirtschaft, Nicht-Regierungsorganisationen und der Zivilgesellschaft.“

Lesen Sie auch:

Gewonnen wird der Kampf gegen den Rassismus leider wahrscheinlich nie, aber solche gemeinsamen Aktionen aus einem Verein heraus wirken. Und wenn es nur ein wenig ist. Noch ein anderer Aspekt ist Thomsen und dem FC St. Pauli dabei auch sehr wichtig: „Wenn betroffene Menschen sehen, dass sich Fußballvereine und andere mit ihnen solidarisieren, ist das eine Stärkung, die diese Gruppe braucht.“

Der FC St. Pauli tritt an diesem Donnerstag ab 14 Uhr zu einem nicht öffentlichen Testspiel bei Bundesligist Arminia Bielefeld an. Trainer Timo Schultz plant, dabei vor allem Spieler einzusetzen, die zuletzt wenig Spielpraxis hatten, so wie Daniel Buballa, Marvin Knoll oder Simon Makienok sowie Rekonvaleszenten wie Christopher Buchtmann.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: St. Pauli