Zweitliga-Topspiel

Trainer-Spekulation vor dem Duell St. Pauli gegen Paderborn

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Andreas Hardt
Die Spekulationen verdichten sich, dass Steffen Baumgart (l.) den SC Padeborn am Saisonende verlassen könnte.

Die Spekulationen verdichten sich, dass Steffen Baumgart (l.) den SC Padeborn am Saisonende verlassen könnte.

Foto: Witters

In der 2. Fußball-Bundesliga treffen mit dem FC St. Pauli und Paderborn zweikampfstarke Teams aufeinander.

Hamburg. Steffen Baumgart geriet kurzzeitig ins Schwärmen: „Der FC St. Pauli hat eine sehr, sehr gute Mannschaft, die einen intensiven, aggressiven und nach vorne ausgerichteten Fußball spielt“, sagte der Trainer des SC Paderborn, „das wird eine sehr schöne und spannende Aufgabe für uns.“

Wieder also Lobeshymnen von gegnerischer Seite, auch vor dem Spiel an diesem Montagabend im Millerntor-Stadion (20.30 Uhr/Sky). Das ist angesichts von St. Paulis Erfolgsserie in diesem Jahr nicht mehr nur das pflichtgemäße Gegnerstarkreden, das zum Repertoire jedes Trainers gehört. Das ist der nach sieben Siegen aus neun Spielen und sechs ungeschlagenen Partien in Folge ehrlich verdiente Respekt.

„Mir ist es natürlich lieber, dass wir vielleicht etwas höher gehandelt werden als in der Hinrunde, wo wir nicht mit einer ganz so breiten Brust ins Spiel gegangen sind“, sagt St.-Pauli-Trainer Timo Schultz.

Wie St. Pauli den SC Padeborn überholt hat

Das hat sich nun gründlich geändert. „Jetzt geht es mehr darum, die Jungs etwas einzubremsen, die Energien in die richtigen Bahnen zu lenken“, meint der St.-Pauli-Coach. „Wir haben viele Spiele auch verdient gewonnen, Selbstvertrauen ist genug da.“ Die Mannschaft ist zudem eingespielt, kann praktisch Woche für Woche mit der gleichen Besetzung auflaufen. Das führt sogar zu Luxusproblemen. Mannschaftskapitän Philipp Ziereis ist wieder fit, Tore Reginiussen hatte ihn zuletzt jedoch optimal in der Innenverteidigung vertreten – „das ist etwas, wo der Bauch entscheidet“, meint Schultz.

Als beide Teams am 21. November in der Hinrunde in Paderborn aufeinandertrafen, lagen die Hamburger auf Platz 17 und galten als Abstiegskandidat, Bundesligaabsteiger Paderborn verbesserte sich mit dem 2:0-Erfolg auf Rang drei. Der Wiederaufstieg schien realistisch. Mittlerweile hat sich das Bild geändert, die Ostwestfalen sind nur noch Elfter, einen Punkt hinter St. Pauli. Den „Abstiegskampf“ hat Baumgart deshalb ausgerufen. „Ich bin niemand, der vor der Realität die Augen verschließt“, sagt Baumgart, „wir sollten schleunigst wieder punkten.“

Zweikämpfe garantiert: „Es wird krachen“

Es dürfte also eine äußerst intensive Partie werden. Nach 24 Spieltagen waren St. Pauli und Paderborn die Mannschaften, die die meisten Zweikämpfe geführt hatten. „Es wird krachen“, erwartet Schultz, „Paderborn ist keine Mannschaft die abwartend spielt, die gehen vorne drauf, die wollen Stress erzeugen.“ Baumgarts Handschrift eben.

Seit dem 16. April 2017 ist der 49-Jährige Chefcoach beim SCP. Ein Jahr später stieg er mit der Mannschaft in die Zweite Liga auf und schaffte 2019 sogar den Bundesligaaufstieg. „Das ist ein Volldampfkollege, der die Jungs an der Linie nach vorne peitscht und immer authentisch ist“, sagt Schultz, „ich fand seine Arbeit aus der Ferne immer bewundernswert.“

Die Zeichen in Paderborn mehren sich nun allerdings, dass die Ära Baumgart zu Ende gehen könnte. Sein Vertrag läuft aus. Nach dem Spiel gegen St. Pauli wollen sich die Verantwortlichen zusammensetzen und die Möglichkeit einer weiteren Zusammenarbeit ausloten.

Verlässt Baumgart den SC Paderborn?

Das Verhältnis zum Geschäftsführer Sport, Fabian Wohlgemuth, ist angeblich jedoch kein übermäßig herzliches. Es gibt Vorwürfe an Baumgart, er sei taktisch nicht flexibel, könne nur einen Stil: offensiv, aggressiv, hohes Pressing. Die Spieler folgen ihm zwar bedingungslos, die Ergebnisse aber sind zuletzt ausgeblieben, nur eines der jüngsten sieben Spiele konnte Paderborn gewinnen – gegen Abstiegskandidat Sandhausen.

Baumgart war auch bei Schalke 04 im Gespräch, um die Mannschaft nach dem Abstieg in die Zweite Liga wieder nach oben zu führen. Ihm werden durchaus Ambitionen nachgesagt, sich als Trainer weiterzuentwickeln, einen Schritt machen zu wollen zu einem größeren Verein.

Zumal der Etat von Paderborn im kommenden Jahr um zwei bis drei Millionen Euro eingekürzt werden muss. Vielleicht ist diese Geschichte wirklich auserzählt. „Ich könnte ihn mir sehr gut bei einem Traditionsverein vorstellen“, sagt Schultz, „nun bin ich Trainer von St. Pauli – aber hier würde er wohl auch gut hinpassen.“

Was Baumgart über St. Pauli denkt

Was den aktuellen Stil angeht, stimmt das auf jeden Fall. Baumgart hat durchaus wahrgenommen, dass sich St. Pauli mit Schultz auch im Misserfolg der Hinrunde treu geblieben ist, und sieht darin einen Grund für die Wende zum Guten. „Sie haben an ihren Prinzipien des Fußballs festgehalten“, analysiert er, „sie haben auch vorher schon Spiele sehr gut gespielt, nur haben die Ergebnisse nicht gestimmt.“

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So wie beim Hinspiel im November zum Beispiel. Die Hamburger boten eine Partie auf Augenhöhe, hatten gute Chancen, in Führung zu gehen. Dann verschoss Rodrigo Zalazar Mitte der ersten Halbzeit einen Elfmeter und verschuldete selbst einen kurz vor der Pause. Individuelles Missgeschick war entscheidend. „Inzwischen haben sie auch das nötige Spielglück“, sagt Baumgart, „aber das haben sie sich hart erarbeitet.“

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

  • FC St. Pauli: Stojanovic – Ohlsson, Reginiussen, Lawrence, Paqarada – Aremu – Benatelli, Kyereh, Zalazar – Marmoush, Burgstaller.
  • Paderborn: Zingerle – Ananou, Hünemeier, Schonlau, Collins – Schallenberg, Vasiliadis – Führich, Justvan, Michel – Srbeny.

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