Zweite Bundesliga

Der FC St. Pauli ist der Meister der späten Tore

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Daniel-Kofi Kyereh – einer von vielen,
die nach der 80. Minute trafen.

Daniel-Kofi Kyereh – einer von vielen, die nach der 80. Minute trafen.

Foto: Christian Charisius / dpa

Ganze zehn Treffer hat der FC St. Pauli schon nach der 80. Minute erzielt. Eine Frage des Glücks? Mitnichten.

Hamburg.  Mittendrin statt nur dabei – auf dem Siegerfoto der Stadtmeister vom FC St. Pauli unmittelbar nach dem 1:0-Triumph am Montag gegen den HSV jubelte Christoph Hainc Scheller (29) euphorisch mit, den Mund zum Freudenschrei aufgerissen, die rechte Hand zur Faust geballt.

Zwischen Torwart Dejan Stojanovic und Daniel Buballa steht er, ein Teil des Teams, ganz klar. Sie alle wissen, wie entscheidend die Arbeit des Athletiktrainers und seines Kollegen Karim Rashwan (36) für den Erfolg der besten Rückrundenmannschaft in der Zweiten Liga ist.

Fitness ist beim FC St. Pauli ein absolutes Plus

„Die Fitness ist bei uns mittlerweile ein absolutes Plus“, sagt Trainer Timo Schultz, „dass wir hintenraus immer noch zulegen können, das wissen wir.“ Am Montagabend war es Daniel-Kofi Kyereh, der mit seinem Schuss ins Glück in der 88. Minute den HSV „auf die Bretter schickte“, wie es HSV-Trainer Daniel Thioune ausdrückte.

„Wir hatten den Lucky Punch, den haben wir uns erarbeitet“, sagte Schultz. Es wirkt natürlich immer glücklich, wenn ein entscheidendes Tor spät fällt, mittlerweile aber ist das eben kein reines Glück mehr. „Mit dem Wissen und Selbstvertrauen, das sich in den vergangenen Wochen aufgebaut hat, spekuliert man darauf, dass man diesen Entscheidungsschlag setzen kann“, gab Schultz zu. Er kennt seine Jungs.

Effektive Spieler auf der Bank

Tatsächlich ist der FC St. Pauli der „Last-Minute-Champion“ in der Liga. Das beweist die Statistik. Kyerehs Knaller gegen den HSV war bereits das zehnte Tor der Kiezkicker bei ungeschlagenen Spielen nach der 80. Minute, bei insgesamt 37 Treffern eine Top-Quote.

Die Pressekonferenz des FC St. Pauli:

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Noch beeindruckender aber ist, was diese Tore gebracht haben: satte elf Punkte. Damit sticht St. Pauli ähnlich erfolgreiche Spät-Torschützen wie den VfL Bochum (11 Tore/6 Punkte), Fortuna Düsseldorf (10/6) und FC Heidenheim (9/6) klar aus. Dort wird oft in der Schlussphase „nur“ ein Ergebnis erhöht, bei St. Pauli aber gepunktet. „Wir wissen, dass wir zum Spielende immer noch diese ein, zwei Chancen kriegen, wir haben auch immer mehr Spieler auf der Bank, die neue Impulse bringen.“

St. Paulis Erfolg hat viele Väter

Beim 3:2-Sieg in der Nachspielzeit bei Hannover 96 war der eingewechselte Igor Matanovic der Schütze, gegen den HSV legte „Joker“ Luca Zander für Kyereh auf. Beim 2:2 gegen Erzgebirge Aue bereitete der eingewechselte Simon Makeniok den Anschlusstreffer in der 81. Minute vor und glich selbst in der 89. Minute aus.

„Es hat uns immer ausgezeichnet, dass wir nach Rückschlägen zurückkommen können“, sagt Schultz, „wir hatten auch in der Hinserie Spiele, die wir noch auf 2:2 drehen konnten.“ Die Partien gegen Bochum, Darmstadt und Aue sind gemeint, erstaunlicher waren aber die Siege gegen Hannover (3:2), Heidenheim (4:3) und Darmstadt (3:2), die wie das HSV-Spiel erst kurz vor Schluss entschieden wurden.

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„Je fitter du bist, desto konzentrierter bist du in den letzten Minuten“, weiß Schultz, „dann kannst du diesen kleinen Schritt schneller oder eher am Ball sein.“ Es klingt einfach, auch wenn die Grundlagen dafür auf unspektakuläre Weise gelegt werden. Und es ist deshalb völlig klar, dass die Fitnesstrainer als Teil des Teams mitfeiern – St. Paulis Erfolg hat viele Väter.

Der FC St. Pauli bittet alle Fans mit einer Dauerkarte, sich kurzfristig für eine von drei Erstattungsvarianten für die Spiele ohne Zuschauer zu entscheiden. Nähere Infos gibt es auf der Homepage www.fcstpauli.com.

( ah )

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