FC St. Pauli

Rune Bratseth adelt Landsmann Tore Reginiussen

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Tore Reginiussen wurde mit Trondheim viermal Meister.

Tore Reginiussen wurde mit Trondheim viermal Meister.

Foto: Witters

Norwegens Fußball-Ikone spricht über St. Paulis neuen Innenverteidiger, der der Abwehr mit seiner Erfahrung Stabilität geben soll.

Hamburg. Den Ritterschlag gab es gleich am Anfang des Gesprächs: „Er ist ein super Typ. Auf dem Platz und in der Kabine. Er hat Führungsqualität, und man kann ihm absolut vertrauen.“ Das hört sich so an, als hätte der FC St. Pauli mit der Verpflichtung von Innenverteidiger Tore Reginiussen einen Volltreffer gelandet.

Denn wer da so begeistert von dem Norweger berichtet, muss es wissen: Rune Bratseth (59) war in seiner aktiven Zeit bei Werder Bremen (1986 bis 1995) einer der besten zentralen Abwehrspieler der Welt. Heute gehört er dem Aufsichtsrat von Norwegens Rekordmeister Rosenborg Trondheim an, bei dem Reginiussen zuletzt achteinhalb Jahre aktiv war.

James Lawrence ist sehr verletzungsanfällig

St. Paulis Trainer Timo Schultz suchte nach einem weiteren Innenverteidiger, der die immer wieder anfällige Abwehr stabilisieren und führen kann. James Lawrence kann das, ist aber sehr verletzungsanfällig und damit leider immer ein Wackelkandidat. „Wir brauchen eine stabile Achse von Torwart und Innenverteidigern, die schon bei eigenem Ballbesitz für eine Ordnung sorgen, um möglichen Ballverlusten vorzubeugen“, sagt Schultz. „Tore ist ein Spieler, der eine unfassbare Erfahrung hat, die uns als Mannschaft sehr guttun wird.“

Ob der 34 Jahre alte Reginiussen schon im Kellerduell gegen den SV Sandhausen (Fr., 18.30 Uhr) in der Startelf aufläuft oder zunächst auf der Bank sitzt, will das Trainerteam nach der Abschlusseinheit am Donnerstag beraten. Eine schwierige Entscheidung. Wenn er spielt, müssten Kapitän Philipp Ziereis oder Lawrence weichen. „Er ist absolut eine Alternative und könnte sofort spielen. Körperlich ist er bei 80 bis 90 Prozent, und auch vom Kopf her ist er bereit“, sagt Schultz.

Besondere Atmosphäre am Millerntor

In Trondheim, wo die Saison mit dem Kalenderjahr endete, wurde der Vertrag des 31-maligen Nationalspielers nur deshalb nicht verlängert, „weil wir einen Neuaufbau wollten“, sagt Bratseth. „Er ist sehr kopfballstark, obwohl er nicht so groß ist, und sehr torgefährlich bei Standards. Er ist nicht superschnell, aber es ist okay“, urteilt Norwegens Fußball-Ikone, „und er ist ein Routinier, der junge Spieler leiten kann.“

Vor seinem Entschluss, nach Hamburg zu kommen, hatte sich Reginiussen unter anderem mit den Ex-St. Paulianern Mats Møller Dæhli und Leo Östigard unterhalten, die ihm von der besonderen Atmosphäre am Millerntor vorschwärmten. Vor allem aber sprach er natürlich mit seinem Berater Bjarne Goldbaek, der einige Jahre in Hamburg gelebt hat: „St. Pauli ist ein fantastischer Verein. Alle Leute, die ich bislang kennengelernt habe, waren sehr freundlich“, sagt er.

Laut Rune Bratseth passt der Nordnorweger („Das Wetter ist wie in Norwegen, und so fühle ich mich direkt sehr wohl“) auch unabhängig vom Sportlichen ideal zu den Braun-Weißen: „Er engagiert sich auch stark bei gesellschaftlichen Themen wie der Unterstützung von Flüchtlingen. Er ist kein Lautsprecher, aber sehr klug und reflektiert.“

Bratseth hat Hüftoperation gut überstanden

Bratseth war von 1996 bis 2007 als Sportchef für seinen Heimatverein Rosenborg tätig. Jetzt verfolgt er die Bundesliga und die Champions League als Experte für den skandinavischen TV-Sender ViaSat. „St. Pauli habe ich weniger oft gesehen, seit Mats Møller Dæhli nicht mehr da ist. In der Bundesliga zeigen wir fast immer Dortmund mit Erling Haaland“, erzählt er und gibt zu: „Mein Herz schlägt noch für Werder. Vielleicht ist in diesem Jahr ja etwas im Pokal möglich, ohne die Bayern und Leverkusen.“

Bratseth geht es in seiner Heimatstadt prächtig. Eine Hüftoperation hat er im vergangen Jahr gut überstanden: „Ich kann wieder richtig gut und schmerzfrei laufen.“ Corona ist in Trondheim auch kaum noch ein Thema, Kneipen und Restaurants sind offen, das Leben normalisiert sich. „Ich glaube, wir haben das hier im Griff.“ Das ist in Hamburg nicht so toll, erfährt er auf Nachfrage. Anders als beim Fußball. Denn natürlich schaut er auch zum Bremer Erzrivalen HSV: „Es läuft in dieser Saison wohl ganz gut. Das ist wichtig. Hamburg muss wieder in die Bundesliga.“

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Und der FC St. Pauli muss in der Zweiten Liga bleiben. Wenn Reginiussen dabei mitwirken kann, umso besser. 440 Partien im Clubfußball stehen in seiner Statistik, dabei hat der ehemalige Stürmer 38 Tore erzielt. Viermal wurde er mit Trondheim norwegischer Meister. „Ich will mithelfen, dass wir gut spielen und die Klasse halten“, sagt Reginiussen, „ich habe eine Menge Höhen und Tiefen erlebt. Ich bin Druck gewöhnt.“

( ah )

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