Zweite Liga

FC St. Pauli muss Kräfte sammeln: Kaum Renegerationszeit

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Carsten Harms
Rodrigo Zalazar als Bittsteller. Der Uruguayer ist einer der laufstärksten Spieler des FC St. Pauli.

Rodrigo Zalazar als Bittsteller. Der Uruguayer ist einer der laufstärksten Spieler des FC St. Pauli.

Foto: Tim Groothuis WITTERS

Der Zweitligaclub hat vor dem Spiel beim 1. FC Heidenheim eine kurze Regenerationszeit. Wie das in nun in die Spielplanung einfließt.

Hamburg. Fußball ist ein Laufspiel, lautet eine der oft zitierten Weisheiten der Branche. Doch muss das Zweitligateam des FC St. Pauli im Auswärtsspiel beim 1. FC Heidenheim an diesem Sonntag (13.30 Uhr, Sky und Liveticker abendblatt.de) dafür büßen, dass es am Donnerstagabend einen weit überdurchschnittlichen und doch nicht belohnten Laufaufwand betrieben hatte?

119,04 Kilometer hatten die 16 eingesetzten Spieler zusammen abgespult und damit ihren Gegner, den VfL Bochum (114,92), deutlich übertroffen. Am Ende aber stand trotz zweimaliger Führung eine 2:3-Niederlage gegen den Tabellenzweiten, der die Fehler in St. Paulis Abwehr konsequent ausgenutzt hatte.

Kurze Regenerationszeit nach zurückgelegten 119,04 Kilometern

Zum Frust der Niederlage kommen bei den St. Paulianern jetzt auch noch die müden Beine und mit nur rund 63 Stunden die praktisch kürzeste Regenerationszeit, die vom Spielplan her möglich ist. Dagegen hatte der 1. FC Heidenheim bereits am Dienstagabend bei Eintracht Braunschweig eine überraschende 0:1-Niederlage erlitten – und damit danach 48 Stunden mehr Zeit als St. Pauli, um zu regenerieren. Das ist immerhin ein Plus von 76,2 Prozent zugunsten der Heidenheimer.

„Ich sehe das nicht als den entscheidenden Faktor. Wir haben einen großen Kader und als Alternative genug Spieler auf der Bank, die den Anspruch haben, in der Zweiten Liga zu spielen, und dies auch schon bewiesen haben“, hielt St. Paulis Trainer Timo Schultz am Freitagmorgen fast trotzig dagegen. Der 43-Jährige weiß natürlich, dass es nicht zielführend ist, den objektiv deutlichen Nachteil der kürzeren Erholungszeit groß zu thematisieren. „Regeneration findet auch im Kopf statt“, sagt er dazu.

Unverbrauchte Kräfte sollen Anfangsformation in Heidenheim bilden

Gleichzeitig aber berichtet Schultz, sich vor Beginn der englischen Woche einen Plan zurechtgelegt zu haben, wie er personell auf die erhöhte Belastung reagieren will. Die Idee war offenbar, die Heimspiele gegen Regensburg am vergangenen Sonntag und gegen Bochum vier Tage später mit nahezu derselben Startelf zu bestreiten und jetzt in Heidenheim unverbrauchtere Kräfte in die Anfangsformation zu bringen.

„Ich gehe davon aus, dass wir schon etwas ändern werden, sowohl personell als auch in der Formation und im System. Unsere Grundausrichtung aber, dass wir nach vorn spielen, dass wir für den Gegner eklig sein und Stress machen wollen, wird immer bleiben“, sagte der Coach jetzt. „Ich mache mir keine Sorgen, dass wir zu ausgelaugt sind.“

Rodrigo Zalazar ist Dauerläufer in St. Paulis Team

Einer der Dauerläufer in St. Paulis Team ist regelmäßig Mittelfeldspieler Rodrigo Zalazar. Sowohl gegen Regensburg (12,12 km) als auch jetzt gegen Bochum (12,36) blieb der Uruguayer jeweils über die komplette Spielzeit auf dem Platz und legte die jeweils längste Strecke zurück. Ist der viermalige Torschütze jetzt einer der ersten Kandidaten, um aus der Startelf rotiert zu werden?

„Junge Spieler erholen sich deutlich schneller als ältere, die vielleicht einen Tag mehr brauchen“, sagt Schultz allgemein. Und speziell über den 21-Jährigen fügt er hinzu: „Ich bin mir sicher, dass Rodrigo wie jeden Tag mit einem Lächeln zur Kollau kommt, und wenn ich ihn frage, wie es ihm geht, wird er sagen: ,Alles gut, Trainer, ich fühle mich gut, Trainer.‘ Das glaube ich ihm dann auch.“

Eric Smith künftig an der Seite von Zalazar

Allerdings könnte Zalazar gut einen neuen Kollegen im Mittelfeld zur Seite gestellt bekommen. Der Anfang des Monats verpflichtete Schwede Eric Smith (24) steht vor seinem Debüt für St. Pauli. „Bei ihm haben wir eine Art Vorbereitung im laufenden Spielbetrieb eingebaut. Er hat in diesen fast drei Wochen einen Riesenschritt in Sachen Grundlagen und Kondition gemacht“, schwärmt Schultz geradezu vom 1,92 Meter großen „Sechser“.

Zusätzlich zum Vorteil der längeren Erholung spricht die Heimstärke für den 1. FC Heidenheim, die der FC St. Pauli in den verschiedensten personellen Besetzungen in den vergangenen Jahren besonders heftig zu spüren bekommen hat.

Längere Erholung und Heimvorteil für den 1. FC Heidenheim

Seit Heidenheims Zweitligaaufstieg 2014 hat das Millerntorteam sämtliche sechs Spiele in der Voith-Arena verloren, 2:11 lautet die Torbilanz. Lediglich Christopher Nöthe (2014/15) und Aziz Bouhaddouz (2017/18) trafen dort das Tor.

„Ich war weder als Spieler noch als Trainer jemals in Heidenheim“, sagt Timo Schultz und gründet allein schon darauf seine Einstellung, dass er mit dieser extremen Negativserie seines Clubs nichts zu tun hat. Zudem habe er zu derartigen Zahlen und Serien ohnehin eine ganz eigene Herangehensweise: „Ich bin nur ein Freund von den Statistiken, die mir gut passen.“ Die Auswärtsbilanz beim 1. FC Heidenheim, der derzeit die Heimtabelle der Liga anführt, zählt also definitiv nicht dazu.

Heidenheim: Müller – Busch, Mainka, Hüsing, Theuerkauf – Geipl – Schnatterer, Burnic, Thomalla, Mohr – Kühlwetter.

FC St. Pauli: Stojanovic – Zander, Ziereis, Buballa, Paqarada – Smith – Benatelli, Zalazar – Kyereh – Marmoush, Burgstaller.

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