2. Bundesliga

Schultz denkt um: St. Paulis Abkehr vom Hurra-Fußball

St. Paulis Trainer Timo Schultz muss die Abwehrprobleme in den Griff kriegen – hilft der Wechsel zur Viererkette?

St. Paulis Trainer Timo Schultz muss die Abwehrprobleme in den Griff kriegen – hilft der Wechsel zur Viererkette?

Foto: Witters

Der Club zieht Konsequenzen aus der jüngsten 0:3-Heimpleite. Warum die Schwächen zuvor nicht so stark ins Gewicht fielen.

Hamburg. Die 0:3-Niederlage gegen den Karlsruher SC vor neun Tagen könnte sich für den FC St. Pauli als heilsamer Schock erwiesen haben. Davor hatten die in den sechs Ligaspielen erzielten zwölf eigenen Treffer die Schwächen in der Defensive noch einigermaßen übertüncht. Der mit der Niederlage gegen den KSC verbundene Absturz auf den 17. Tabellenplatz hat jetzt aber offenbar zu einem Umdenken geführt. Der oft praktizierte Hurra-Fußball dürfte erst einmal der Vergangenheit angehören.

„Es kann nicht funktionieren, dass man jedes Mal zwei Tore schießen muss, um etwas Zählbares zu haben“, sagte St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann jetzt.

Wie St. Pauli die Abwehrprobleme anpackt

Das jüngste, erfolgreiche Testspiel am vergangenen Freitag beim Bundesliga-Neunten Werder Bremen (4:2) zeigte bereits, wie St. Paulis Fußball in naher Zukunft aussehen soll. Die wichtigste Änderung ist dabei die Rückkehr zur Viererkette in der Abwehr, nachdem Trainer Timo Schultz zuletzt meist mit einer Dreierkette und zwei eher offensiv ausgerichteten Spielern auf den Außenbahnen hatte agieren lassen.

„Der Schwerpunkt lag darauf, die Viererkette zu praktizieren, um ein bisschen mehr Kompaktheit zu bekommen und über ein Umschaltspiel zu kommen“, erläuterte Bornemann nach dem Spiel in Bremen den neuen Kurs.

„Die Viererkette ist auf jeden Fall eine Option. Es ist für mich gut zu sehen, dass wir sofort wieder darauf umstellen können, ohne dass wir es in der Woche groß einstudiert haben“, sagt Schultz dazu. Der Trainer relativiert den Sinneswandel noch ein wenig: „Ob wir mit Dreier- oder Viererkette spielen, hängt vom Gegner ab, aber auch vom Personal und der Form der eigenen Spieler und welche Idee ich für das Spiel habe.“

Der 4:2-Erfolg über Werder und die Art des Zustandekommens aber war auch in den Augen des Trainers „auf jeden Fall ein Argument für die Viererkette“.

Warum St. Pauli jetzt auf eine Viererkette setzt

Diese Variante hat den Vorteil, dass es auf beiden Seiten zwei Außenverteidiger gibt, die die offensiven Außenbahnspieler absichern. Damit fühlt sich auch der schnelle Maximilian Dittgen wohl, der in Bremen einer der auffälligsten Spieler war. „Dass es in der Offensive ein bisschen leichter geht, wenn man den Flügel doppelt besetzt, ist auch kein Geheimnis“, sagt er.

„Wenn du sehr kompakt stehst, hast du in der Regel auch mehr Raum im Rücken des Gegners. Sonst haben wir ja häufig in den Ligaspielen den Gegner bespielt“, sagt Schultz und lässt durchblicken, dass er das Erfolgsrezept aus dem Test in Bremen auch am Sonnabend (13 Uhr) im nächsten Ligaspiel beim SC Paderborn praktizieren lassen will.

Verteidiger James Lawrence wird nun doch noch am Nations-League-Spiel von Wales gegen Finnland am Mittwochabend mitwirken.