FC St. Pauli

Die wehmütige Rückkehr eines einstigen Senkrechtstarters

Damals war's: Debütant Kyoung-Rok Choi bejubelt am 6. April 2015 den ersten seiner beiden Treffer gegen Düsseldorf.

Damals war's: Debütant Kyoung-Rok Choi bejubelt am 6. April 2015 den ersten seiner beiden Treffer gegen Düsseldorf.

Foto: Witters

2015 glänzte Kyoung-Rok Choi bei St. Paulis 4:0 gegen Düsseldorf. Am Sonntag kehrt der Südkoreaner mit Karlsruhe ans Millerntor zurück.

Hamburg.  Es wird bei einem kurzen Hallo in der Lobby bleiben. Die Spieler des Karlsruher SC dürfen vor der Zweitligapartie an diesem Sonntag (13.30 Uhr/Sky) beim FC St. Pauli das Teamhotel schließlich nicht verlassen. Also kann Kyoung-Rok Choi (25) seinen Bruder Kang-Min „nur kurz sehen“. Und vielleicht auch noch zwei, drei alte Kumpel aus seiner Zeit in Hamburg.

Kang-Min (27) ist in der Regionalliga für Eintracht Norderstedt aktiv, er wohnt in Hamburg. Die Verbindungen sind noch eng, auch zu den Freunden, wie Maurice Litka, der jetzt in Rostock spielt. Normalerweise können Spieler Bekannten und Angehörigen eine bestimmte Anzahl Karten für den Stadionbesuch organisieren. Aber was ist schon normal in dieser Zeit? „Das ist sehr schade, dass das nicht geht und dass wir leider ohne Zuschauer und die Stimmung hier spielen müssen“, sagt Choi vor der Rückkehr ans Millerntor. „Trotzdem freue ich mich sehr darauf. Ich bin heiß.“

Lienen schmiss Choi ins kalte Wasser

Am Millerntor erlebte er einen der bislang schönsten Momente seiner Karriere. Es war der 6. April 2015, St. Pauli war Tabellenletzter. Trainer Ewald Lienen musste sich etwas einfallen lassen – und stellte den 20 Jahre jungen Koreaner Choi aus dem eigenen Nachwuchs im Angriff auf. Zwei Tore und eine Vorlage steuerte er dann zum 4:0-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf bei.

Bei seiner Auswechslung in der 78. Minute wurde er mit stehenden Ovationen bejubelt. „Es war mein Debüt im Profifußball, das war das Beste“, sagt Choi heute. Schon mit 17 Jahren hatte er sich aus seiner Geburtsstadt Seoul aufgemacht, um in Europa Fußball zu spielen, zu leben, zu lernen. Im Nachwuchsleistungszentrum des FC St. Pauli begann er in der U19, dann folgte die zweite Mannschaft, schließlich der Schritt zu den Profis. Der Sensationsstart in der Zweiten Liga war aber nicht zu wiederholen. Den Durchbruch zum Stammspieler schaffte er nicht. Nach 42 Spielen und vier Toren wechselte er im Sommer 2018 zum KSC – damals in der Dritten Liga.

Choi: "Hamburg ist für mich die schönste Stadt"

„Ich habe das nicht als Schritt zurück empfunden“, sagt Choi, „für mich war das ein Schritt voran. Es war die Möglichkeit, regelmäßig zu spielen.“ Mit Choi gelang dem Badener Traditionsclub sofort die Rückkehr in die Zweite Liga. „Er verfügt fußballerisch über eine Menge Qualität und ist auch charakterlich ein einwandfreier Junge“, lobte KSC-Manager Oliver Kreuzer.

Die Badener Beschaulichkeit gegen den Kiez einzutauschen, das war doch sicher auch eine Umstellung? „Ach“, sagt Choi, „wir haben beim KSC auch super Fans und gute Möglichkeiten. Ich fühle mich hier sehr wohl.“ Das gilt auch für die Stadt. „Hamburg ist für mich die schönste Stadt in Deutschland, aber Karlsruhe ist auch toll, wenn auch viel ruhiger. Aber ich bin sowieso nicht der Typ, der um die Häuser zieht.“

KSC half Choi wieder auf die Beine

Den Rückschlag des Kreuzbandrisses im Dezember 2019 hat Choi überwunden. „Ich bin wieder fit, es läuft gut“, sagt er. „Ich war sehr traurig zwischendurch. Trainer und Mannschaft haben mir aber immer geschrieben.“

In dieser Spielzeit gehört er beim KSC wieder zum Stammpersonal und will am Sonntag etwas mitnehmen. „Wir müssen uns fokussieren, auf uns schauen, dann können wir gewinnen“, sagt er, „auch wenn St. Pauli eine sehr zweikampf- und laufstarke Mannschaft ist.“

Info: Leart Paqarada verzichtet auf die kommenden Länderspiele des Kosovo, James Lawrence reist dagegen zum Team von Wales.