2:2 im Stadtderby

Sturmbulle Makienok hievt St. Paulis Spiel auf neue Ebene

Der Däne Simon Makienok ließ nach dem Tor zum zwischenzeitlichen 2:1 gegen den HSV seiner Freude freien Lauf.

Der Däne Simon Makienok ließ nach dem Tor zum zwischenzeitlichen 2:1 gegen den HSV seiner Freude freien Lauf.

Foto: Witters

Schon sieben St.-Pauli-Profis haben in den ersten sechs Spielen getroffen. Was Makienok von Vorgänger Veerman unterscheidet.

Hamburg.  Am Sonnabendmittag konnte auch Simon Makienok nach einer regenerativen Einheit auf dem Fahrradergometer und der Behandlung beim Physiotherapeuten mit guter Laune das Wochenende einläuten. Rund 16 Stunden zuvor hatte der Stürmer des FC St. Pauli mit einer Torvorlage für seinen Kollegen Rodrigo Zalazar und seinem ersten Treffer für den Kiezclub entscheidenden Anteil daran gehabt, dass sein Team im Stadtderby beim HSV ein 2:2 erreicht hatte.

Einen besseren Zeitpunkt, um seinen Torinstinkt wiederzuentdecken, hätte sich der 2,01 Meter große Däne kaum aussuchen können, nachdem er bei seinen drei Startelf-Einsätzen zuvor schon seine physischen Qualitäten gezeigt, aber echte Torgefahr noch hatte vermissen lassen. „Hoffen wir mal, dass der Knoten bei ihm jetzt geplatzt ist“, sagte St. Paulis Cheftrainer Timo Schultz.

Gerade angesichts dessen, dass der als potenzieller Torjäger verpflichtete Guido Burgstaller nach seiner Gefäßverletzung im Bauchraum und der danach notwendigen Operation noch einige Wochen lang als Startelfkandidat nicht einzuplanen ist, werden auch von Makienok weitere Tore benötigt.

Was Makienok von Veerman unterscheidet

Auch deshalb war am Sonnabend die Erleichterung groß, dass die Blessur, die sich der 29-Jährige im Derby zugezogen hatte, offenbar eher harmloser Natur ist. Er war in der 87. Minute ausgewechselt worden und ging leicht humpelnd vom Rasen des Volksparkstadions. Es sei nur ein Schlag auf den Oberschenkel, ein sogenannter „Pferdekuss“ gewesen, ließ Trainer Schultz wissen.

„Simon ist für uns auf jeden Fall eine absolute Bereicherung auf dem Platz und auch als Typ“, urteilt Schultz über Makienok, der während des Trainingslagers Ende August zum Team stieß, nachdem tags zuvor Torjäger Henk Veerman den Club Richtung Heerenveen verlassen hatte.

Schon damals widersprachen Schultz und Sportchef Andreas Bornemann der Annahme, Makienok sei quasi als Kopie des ebenso langen Veerman verpflichtet worden. Vielmehr ließen beide durchblicken, dass es auch bei einer Vertragsverlängerung Veermans denkbar gewesen wäre, Makienok zu holen, weil sich dieser in seiner Spielweise erheblich von der Veermans unterscheide.

Tatsächlich bringt der Däne seine physischen Qualitäten weit mehr ein und sucht geradezu jeden Zweikampf in luftigen Höhen, während Veerman Kopfballduelle scheute und dafür weit mehr seine bemerkenswert filigranen, balltechnischen Fähigkeiten mit den Füßen einbrachte.

St. Pauli hat bereits sieben Torschützen

„Es ist extrem unangenehm, gegen Simon zu spielen. Eigentlich müsstest du einen davor und einen dahinter positionieren. Dann fehlt dir aber vielleicht woanders im Raum jemand. Von daher macht er unser Spiel variantenreicher und weniger ausrechenbar“, sagte Schultz jetzt, der aber auch dessen Qualitäten mit dem Fuß schätzt. „Er wird manchmal nur darauf reduziert, dass er groß ist und Bälle festmachen kann. Eigentlich ist er auch ein ganz guter Kicker.“

Auf jeden Fall ist Simon Makienok nun schon der siebte Profi des FC St. Pauli, der in dieser Saison ein Zweitligator erzielt hat – und das nach erst sechs Spiel­tagen. Zuvor hatten Daniel-Kofi Kyereh, Rodrigo Zalazar (je drei), Jannes Wieckhoff, Maximilian Dittgen, Daniel Buballa und Rico Benatelli ins gegnerische Tor getroffen. Dazu kam noch ein Eigentor des Heidenheimers Patrick Schmidt.

Mehr unterschiedliche Torschützen hat in der Liga aktuell kein anderes Team, nur Darmstadt 98, Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg kommen ebenfalls auf sieben. Zum Vergleich: In der gesamten vergangenen Saison hatten nur elf verschiedene St.-Pauli-Profis Treffer in der Liga erzielt. Zwölf Tore nach sechs Spielen sind ebenfalls eine erstaunlich gute Ausbeute und werden aktuell lediglich vom souveränen Tabellenführer und Stadtrivalen HSV (15) übertroffen.

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St. Pauli spielt zu oft unentschieden

Es ist zweifellos bemerkenswert, dass das personell reichlich umgekrempelte Team des FC St. Pauli unter seinem neuen Trainer Timo Schultz die ersten sechs Ligaspiele, von denen auch nur zwei am Millerntor stattfanden, gegen die überwiegend stark einzuschätzenden Gegner Bochum, Heidenheim, Sandhausen, Nürnberg, Darmstadt und eben den HSV mit einer Ausbeute von sieben Punkten bei nur einer Niederlage abschließen konnte.

Auf der anderen Seite aber steht – bei gleich vier 2:2-Unentschieden – bisher auch nur ein Sieg zu Buche. Das führte nach den Spielen am Sonntag nun dazu, dass sich das Millerntor-Team in der Tabelle auf Rang elf wiederfindet und gerade einmal zwei Punkte mehr als der Drittletzte Heidenheim aufweist. „Eigentlich liegen wir nach Punkten da, wo wir auch hingehören. Mit der Drei-Punkte-Regel bringen dir die Unentschieden aber nicht so viel“, weiß auch Timo Schultz.

Entsprechend weiß er um die Notwendigkeit, am kommenden Sonntag gegen den Vorletzten Karlsruher SC den zweiten Saisonsieg einzufahren. „Grundsätzlich gibt es in der Zweiten Liga keine leichten oder schweren Spiele, auswärts oder zu Hause interessiert mich auch nicht. Du brauchst immer volle Konzentration“, sagt Schultz aber.

St. Pauli verschiebt Mitgliederversammlung

Unterdessen hat der FC St. Pauli seine für den 15. November im Millerntor-Stadion geplante Mitgliederversammlung aufgrund der Pandemie-Lage und -Verfügungen verschoben. Sie soll nun am 17. Dezember digital stattfinden. Zudem ist für Mai 2021 eine außerordentliche Versammlung mit Präsenz vorgesehen. Erst dort soll dann über die wichtigen Anträge zur Bestellung von zusätzlichen hauptamtlichen Präsidiumsmitgliedern und zur Frauenquote entschieden werden.