FC St. Pauli

Der "Derbysieger" gibt Entwarnung beim Beinahe-Helden

Der Zwei-Minuten-Stadtmeister: Nach dem Treffer von Simon Makienok (r.) durfte sich St. Pauli kurz vor Schluss schon fast wie der Derbysieger fühlen.

Der Zwei-Minuten-Stadtmeister: Nach dem Treffer von Simon Makienok (r.) durfte sich St. Pauli kurz vor Schluss schon fast wie der Derbysieger fühlen.

Foto: Witters

Nach dem 2:2 beim HSV fühlen sich die Kiezkicker weiter als Stadtmeister. Vieles dreht sich nach dem Spiel um Torschütze Makienok.

Hamburg. Entspannte Stimmung, aber keine Euphorie herrschte am Sonnabendvormittag beim FC St. Pauli. Nach dem 2:2 (1:1) am Freitagabend im Stadtderby im Volksparkstadion gegen den großen Rivalen HSV. Angeregt unterhielten sich Daniel Buballa, Maximilian Dittgen, Finn Ole Becker, Luca Zander und Rodrigo Zalazar, als sie um 10.45 Uhr gemeinsam mit Cheftrainer Timo Schultz zum rund halbstündigen Regenerationslauf im Niendorfer Gehege aufbrachen. Derweil radelten die anderen Startelfspieler auf den Ergometern im Kraftraum aus und ließen sich behandeln.

Zu letzteren gehörte auch der Ende August verpflichtete Stürmer Simon Makienok, der mit seinem Treffer zur kurzzeitigen 2:1-Führung gegen den HSV sein erstes Pflichtspieltor für den FC St. Pauli erzielt hatte. „Wir hoffen mal, dass der Knoten bei ihm jetzt geplatzt ist“, sagte Trainer Schultz nach dem Spiel. Vor seiner Torpremiere hatte der 2,01 Meter große Däne schon den 1:1-Ausgleich durch Rodrigo Zalazar perfekt aufgelegt.

Enttäuschter Makienok gibt Entwarnung

„Ich bin ein bisschen enttäuscht, den Sieg nicht geholt zu haben“, schrieb der 29-Jährige am Sonnabend auf Instagram. Tatsächlich hätte Makienok mit seinem Tor und seiner Torvorlage zum ganz großen Helden des Derbys werden können, doch sein Vornamensvetter Simon Terodde stahl ihm mit seinem zweiten Treffer zum 2:2-Ausgleich für den HSV bekanntlich die große Show.

Kurz danach war Makienok bei seiner Auswechslung leicht humpelnd vom Platz gegangen. Am Sonnabend aber gab es Entwarnung. Es sei nur ein leichter Schlag auf den Oberschenkel, also ein „Pferdekuss“, gewesen, der leicht schmerzte, ließ Trainer Timo Schultz wissen. Auch Makienok selbst signalisierte, dass es keinen Grund zu großer Sorge gebe. Sein Einsatz im Heimspiel gegen den Karlsruher SC am kommenden Sonntag (13.30 Uhr/im Liveticker auf abendblatt.de) ist nach derzeitigem Stand nicht in Gefahr.

Schultz über Makienok: "Extrem unangenehm"

Spätestens mit dem couragierten Auftritt im Stadtderby ist Makienok so richtig beim FC St. Pauli angekommen und verkörpert einen immer wichtiger werdender Faktor im Spiel seines Teams, zumal Königstransfer Guido Burgstaller nach seiner Gefäßverletzung im Bauchraum und der notwendigen Operation voraussichtlich noch einige Wochen nicht zur Verfügung stehen wird.

„Es ist extrem unangenehm, gegen ihn zu spielen. Eigentlich müsstest du einen vor und einen hinter ihm positionieren“, sagt Schultz über den Sturmriesen, der die Nachfolge des ebenso großen Niederländers Henk Veerman angetreten hat. „Er macht unser Spiel variantenreicher und weniger ausrechenbar.“

"Makienok ist auch ein ganz guter Kicker"

Tatsächlich bietet sich dank Makienok immer die Option an, den Ball unter Bedrängnis weit und hoch von hinten herauszuspielen, ohne ihn dabei direkt wieder zu verlieren, wenn einmal der eigentlich von Schultz propagierte Spielaufbau durch Kombinationsfußball nicht möglich ist. Doch der St.-Pauli-Trainer sieht in Makienok mehr als nur einen Sturmtank.

„Er wird manchmal nur darauf reduziert, dass er groß ist und Bälle festmachen kann. Eigentlich ist er aber auch ein ganz guter Kicker“, sagt Schultz. Bei seinem Tor stellte der Däne dies unter Beweis. „Er ist für uns auf jeden Fall eine absolute Bereicherung auf dem Platz und auch als Typ“, sagt Schultz weiter.

St. Pauli verteilt Torgefahr auf viele Schultern

Nach nur sechs Ligaspielen, von denen St. Pauli erst eines verloren, aber auch nur eines gewonnen hat, ist Simon Makienok nun schon der siebte Torschütze seines Teams. Zuvor hatten Daniel-Kofi Kyereh, Rodrigo Zalazar (je drei), Jannes Wieckhoff, Maximilian Dittgen, Daniel Buballa und Rico Benatelli ins gegnerische Tor getroffen. Dazu kam noch ein Eigentor des Heidenheimers Patrick Schmidt.

St. Paulis Profis in der Einzelkritik:

Diese zwischenzeitliche Statistik ist die Antwort auf die vor der Saison gestellte Frage, wie St. Pauli denn den Verlust seiner drei erfolgreichsten Torschützen der vergangenen Saison, Henk Veerman, Dimitrios Diamantakos (je elf) und Viktor Gyökeres (sieben) kompensieren wolle. Zwölf Treffer nach sechs Spielen sind jedenfalls eine erstaunlich gute Ausbeute.

St. Pauli arbeitet an "Zu-Null-Spielen"

Dem stehen allerdings auch schon elf Gegentreffer gegenüber. Timo Schultz ist sehr bewusst, dass bei allem Unterhaltungswert, die die Spielweise seines Teams bietet, dieser Faktor verbessert werden muss. „Ich denke, dass wir an Stabilität gewonnen haben. Man sieht vom Saisonstart an bis heute, dass wir mit dem Ball deutlich präsenter sind und stabiler gegen den Ball. Ich glaube aber, wir müssen noch weitere Schritte machen, um konsequent zu null spielen zu können. An dem Thema arbeiten wir tagtäglich“, sagte er jetzt dazu.

Auf jeden Fall ist St. Paulis Ausbeute von sieben Punkten aus den ersten sechs Spielen gegen überwiegend höher eingeschätzte Gegner besser, als viele nach dem personellen Umbruch im Sommer erwartet hatten. Dies gilt umso mehr, da das Team erst zweimal am Millerntor antreten durfte und schon viermal auswärts gefordert war.

St. Pauli jetzt gegen schwächere Gegner?

Timo Schultz indes sieht sein Team insgesamt auf Kurs, mehr aber auch nicht. „Eigentlich liegen wir nach Punkten da, wo wir auch hingehören. Mit der Drei-Punkte-Regel bringen dir die Unentschieden eigentlich nicht so viel. Es zeigt aber, dass wir mit jeder anderen Mannschaft absolut auf Augenhöhe sind“, sagte er jetzt.

Gleichzeitig aber warnt der Coach davor, angesichts der kommenden Gegner, die weit weniger hoch einzuschätzen sind, in der Intensität nachzulassen. Karlsruhe zu Hause, Paderborn auswärts und Osnabrück am Millerntor sind die nächsten Aufgaben. „Wir können nicht in ein Spiel hineingehen und sagen: die dominieren wir und spielen das locker runter. Dafür sind wir auch gar nicht prädestiniert. Wir sind eine Mannschaft, die immer rausfeuern muss, die immer 100 Prozent geben muss“, sagt er.

Die Bilder zum Stadtderby:

Himmelmann fühlt sich weiter als Derbysieger

Und weiter: „Grundsätzlich gibt es in der Zweiten Liga keine leichten oder schweren Spiele, auswärts oder zu Hause interessiert mich auch nicht. Es spielt keine Rolle, ob du gegen Karlsruhe, Heidenheim, Düsseldorf oder den HSV spielst. Du brauchst volle Konzentration. Alles in allem ist aber der Weg, den wir gehen, der richtige. Es macht mir Spaß, mit der Mannschaft zu arbeiten. Ich glaube, den Fans macht es auch Spaß zuzugucken.“

Letzteres traf für das 2:2 im Stadtderby auf jeden Fall zu. „Es war ein geiles Derby“, hatte St. Paulis Abwehrspieler Marvin Knoll schon nach dem Abpfiff treffend gesagt. „Leider haben wir wieder zwei Gegentore bekommen. Aber den Titel des Derbysiegers behalten wir durch das Unentschieden ja noch ein bisschen länger“, befand Torwart Robin Himmelmann. Für den 28. Februar ist das Rückspiel im Millerntor-Stadion vorgesehen.