2. Bundesliga

Buballas Geniestreich rettet FC St. Pauli gegen Nürnberg

St. Paulis Abwehrspieler Daniel Buballa (l.) überraschte sich selbst mit einem Geniestreich zum 2:2 gegen Nürnberg.

St. Paulis Abwehrspieler Daniel Buballa (l.) überraschte sich selbst mit einem Geniestreich zum 2:2 gegen Nürnberg.

Foto: Witters

St. Pauli läuft gegen den 1. FC Nürnberg zweimal einem Rückstand hinterher – und hätte trotzdem gewinnen können.

Hamburg.  Die Vorfreude auf das Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg verspürte der FC St. Pauli bereits am Montagmorgen. „19.10. Ein guter Tag für einen Matchday. Forza St. Pauli“ twitterte die Medienabteilung in Anlehnung an das Gründungsjahr des Kiezclubs um 9.10 Uhr. Knapp zwölf Stunden später wussten alle Beteiligten nicht so recht, ob es ein guter Tag für die Hamburger war. Durch das am Ende verdiente 2:2 (1:1) gegen die Franken hielt immerhin die Heimserie.

Die letzte Niederlage vor eigenem Publikum gab es am 30. November 2019. Damals konnte Hannover 96 drei Punkte aus dem Millerntor-Stadion entführen. Diesmal rettete Buballas Geniestreich den FC St. Pauli.

„Normalerweise übe ich nicht so oft Torschüsse. In dieser Woche schon und ich werde direkt belohnt“, sagte der werdende Vater Buballa strahlend. „Das hat mir nicht mal der Trainer zugetraut, aber auch ich kann das Tor treffen." Nürnbergs Torschütze zum 1:0, Schäffler, war nach seinem Einstand selbstkritisch: „Ich habe ein Tor gemacht, aber Scheiße gespielt. Ich hätte die Bälle besser halten müssen, und wir haben leider zweimal die Führung verspielt."

Brugstallers Startelf-Debüt bei St. Pauli

Die für viele Fans spannendste Frage beantwortete Trainer Timo Schultz um 19.31 Uhr. Als die Startaufstellung über alle Kanäle des Kiezclubs verbreitet wurde, fand sich auch der Name Guido Burgstaller (31) auf der Liste wieder. Der Topzugang vom FC Schalke 04 feierte an der Seite von Simon Makienok (29) im Sturmzentrum sein Millerntor-Debüt.

Mittelfeldmotor Marvin Knoll, der unter der Woche noch über leichte Rückenprobleme klagte, saß nur auf der Bank. Für ihn spielte Rodrigo Zalazar im zen­tralen Mittelfeld.

St. Pauli im Abwehrverhalten vogelwild

Und eben jener Uruguayer hatte bereits in der zweiten Minute die Führung auf dem Fuß. Der 21-Jährige scheiterte mit seinem 20-Meter-Freistoß an Nürnbergs Torhüter Christian Mathenia. Es war der Auftakt einer spektakulären Auftaktphase. Im direkten Gegenzug traf Club-Stürmer Robin Hack mit einem traumhaften Heber zur vermeintlichen Führung. Doch das Schiedsrichter-Gespann entschied zu Recht auf Abseits.

In der achten Minute konnten aber auch die Unparteiischen St. Pauli nicht vor dem Rückstand bewahren. Nachdem Kapitän Christopher Avevor einen desolaten Fehlpass in der Vorwärtsbewegung gespielt hatte, schalteten die Franken blitzschnell um. Felix Lohkemper legte mustergültig für Manuel Schäffler auf, der ohne Mühe einschieben konnte.

Das Schultz-Team zeigte sich aber ob des frühen Rückstands kaum geschockt. Im Gegenteil. Nach einer schönen Kombination traf Mittelfeldtalent Finn Ole Becker (20) aus 16 Metern nur den Außenpfosten. Die Gastgeber brachten sich allerdings immer wieder durch fahriges Aufbauspiel selbst in Bedrängnis.

Zalazar: Belebendes Element für St. Pauli

So fahrig St. Pauli in der Defensive war, so variabel waren sie im Herausspielen von Chancen. Vor allem der phasenweise überragende Zalazar initiierte immer wieder gefährliche Momente. So wie in der 28. Minute, als er im Strafraum zu Fall gebracht wurde. Nach Einwirken des Videoschiedsrichters entschied Schiedsrichter Florian Heft auf Elfmeter. Den fälligen Strafstoß verwandelte Zalazar selbst souverän.

„So, wie er Fußball spielt, so ist er auch abseits des Rasens, seine Spielfreude spürt man nicht nur bei ihm, aber seine Energie überträgt sich auch auf die Mitspieler, das macht Spaß“, lobte Sportchef Andreas Bornemann den Mittelfeldmotor. In der Folge blieb St. Pauli dominant, hatte aber Glück, dass Alexander Hack das leere Tor nicht traf (30.). Trotz der Großchance war St. Pauli das überlegene Team in Durchgang eins.

Buballas Geniestreich rettet St. Pauli

Nach dem Seitenwechsel ging es spektakulär weiter. Nach einem Handspiel von Avevor gab es in der 48. Minute Elfmeter für Nürnberg, den Johannes Geis mit etwas Glück verwandelte. Zuvor hatte erneut der Videoassistent eingegriffen. Dieses Mal zeigte der Gegentreffer mehr Wirkung. St. Pauli tat sich in der Folge schwer, den Druck der ersten Hälfte wieder aufzubauen.

Es schien so, als musste das Schultz-Team dem körperlich aufwendigen Spiel der ersten Hälfte körperlichen Tribut zollen. Und so brauchte es einen Geniestreich eines Mannes, der nicht gerade für seine Torgefahr bekannt ist. Abwehrspieler Daniel Buballa schlenzte den Ball aus 17 Metern wunderschön in die lange Ecke (78.). In der Folge drängte St. Pauli auf den Heimsieg, letztendlich aber vergebens.

Am Ende gab es für die sichtlich abgekämpften Spieler von den 1000 zugelassenen Fans, die sich allesamt auf der Haupttribüne versammelt hatten, aufmunternden Applaus für eine Leistung, bei der unterm Strich Aufwand und Ertrag eigentlich in einem Missverhältnis standen. Aber wer zweimal einen Rückstand egalisieren konnte, durfte sich am Ende auch ein wenig als Sieger fühlen.

Die Statistik:

  • FC St. Pauli: Himmelmann – Avevor (62. Knoll), Ziereis (62. Zander), Buballa – Ohlsson, Becker, Zalazar (83. Benatelli), Dittgen (76. Daschner) – Kyereh – Makienok, Burgstaller (76. Tashchy).

  • 1. FC Nürnberg: Mathenia – Valentini, Margreitter, Sörensen, Handwerker – Geis, Krauß, Nürnberger (88. Rhein) – Lohkemper (70. Köpke), Hack – Schäffler (70. Schleusener).

  • Tore: 0:1 Schäffler (8.), 1:1 Zalazar (28., Foulelfmeter nach Videobeweis), 1:2 Geis (49., Handelfmeter nach Videobeweis), 2:2 Buballa (77.). –

  • Schiedsrichter: Heft (Neuenkirchen).

  • Zuschauer: 1000.

  • Gelb: Ohlsson, Becker – Sörensen, Lohkemper, Schäffler, Krauß, Köpke, Nürnberger.