FC St. Pauli

Andreas Bornemann sucht jetzt weitere Verstärkungen

St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann ist jetzt gefordert.

St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann ist jetzt gefordert.

Foto: Witters

St. Paulis Sportchef verlangt nach dem Pokalaus mehr Anspannung und Härte und verteidigt die Anreise per Bus.

Hamburg. Nach Niederlagen sind lange Busrückfahrten eine wenig erfreuliche Angelegenheit für Fußballmannschaften. So war die rund 670 Kilometer lange Tour durch die Nacht aus dem Saarland zurück nach Hamburg für die Spieler des FC St. Pauli nach der noch schmeichelhaften 2:4-Pokalniederlage bei der SV Elversberg eine zusätzliche Strafe. Statt des sonst am Tag nach Spielen üblichen Auslaufens hatte Trainer Timo Schultz seinen Spielern Ausschlafen verordnet und für diesen Dienstag das nächste reguläre Training angesetzt.

„Wenn wir so lange wie auf der Hinfahrt brauchen, sind wir erst zum Frühstück zu Hause“, ahnte er und begründete damit den Ablauf an den ersten Tagen dieser Woche. Ganz so schlimm wurde es nicht. Gegen zwei Uhr trafen die beiden Busse in der Hansestadt ein.

Hätte es eine weniger strapaziöse Anfahrt gegeben

Dennoch wirft die gut zwölf Stunden lange Anreise am Tag vor dem Pokalspiel die Frage auf, ob es für das erste Pflichtspiel der Saison eine weniger strapaziöse und damit professionellere Möglichkeit gegeben hätte, etwa per Charterjet bis Saarbrücken, nach Elversberg zu gelangen. Es spricht für Trainer Timo Schultz, dass er nicht nur vor, sondern auch nach der Niederlage beim Viertligisten die Art der Anreise verteidigte. „Es soll mir keiner erzählen, dass er heute zwei Zweikämpfe mehr verloren hat, weil wir mit dem Bus gefahren sind. Solche Ausreden brauchen wir nicht“, sagte er.

Ebenso sieht es Sportchef Andreas Bornemann. „Es ist der völlig falsche Ansatz, die Anreise als Grund für die Niederlage anzusehen. Wir haben auch geprüft, ob eine Fahrt noch einen Tag früher sinnvoll ist. Allerdings sind die Autobahnen am Freitag eher noch voller. Und ein Charterflieger ist sehr teuer. Es ist eine Kopfsache, die Reise so anzunehmen“, sagte er. „Hinzu kommt, dass die Mannschaft am Ende der vergangenen Saison den Beweis schuldig geblieben ist, dass sie nach einer komfortableren Anreise besser spielt. Ich denke nur an das 0:4 in Darmstadt.“

Mannschaft gelang es nicht, vom Testspiel- in den Wettkampfmodus umzuschalten

Diese Aussagen machen klar, dass es andere Ursachen geben muss, warum sich die Mannschaft nach einer als gut empfundenen Vorbereitung im ersten Pflichtspiel derart desolat präsentieren konnte. „Wir sehen bei Flanken nicht gut aus, verteidigen die Standards schlecht. Das sind alles Themen, an denen wir gearbeitet haben. Es war aber heute nicht zu erkennen, dass wir da einen Schritt nach vorn gemacht haben“, sagte Schultz – eine fatale Erkenntnis, zumal genau diese Schwächen in den Testspielen gegen nominell stärkere Mannschaften behoben schienen.

Ganz offensichtlich aber gelang es der Mannschaft nicht, vom Testspiel- in einen echten Wettkampfmodus umzuschalten. „Unstrittig ist, dass man in jedes Spiel mit der nötigen Anspannung gehen muss, um Zweikämpfe zu gewinnen. Laufbereitschaft, Grundaggressivität und eine gewisse Härte sind nun einmal notwendig“, sagte Bornemann und ließ durchblicken, sich nun intensiver mit Verstärkungen zu befassen: „Wir sind mit unseren Kaderplanungen noch nicht am Ende und haben, trotz des Ausscheidens, einen finanziellen Spielraum. So ein Auftritt sorgt dafür, dass mehr hinterfragt wird. Wir müssen sehen, wie schnell uns jetzt Ryo Miyaichi und Finn Ole Becker helfen können oder ob Verstärkung nur von außen möglich ist.“

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Die vor allem durch Trainer Schultz verursachte Aufbruchstimmung hat zu einem ungünstigen Zeitpunkt einen herben Dämpfer erlitten. Die Frage ist, ob vieles von dem, was zuletzt unisono positiv bewertet wurde, nicht doch nur ein schöner Schein war. Seine Zuversicht hat Bornemann aber nicht ganz verloren. „Wie das Spiel in Elversberg endgültig zu bewerten ist, werden die nächsten drei bis fünf Spiele zeigen. Vielleicht werden wir danach sagen, dass es der richtige Wachrüttler war“, sagt er.