Viel Arbeit für Schultz

In welchen Bereichen sich der FC St. Pauli verbessern muss

St. Paulis neuer Offensivspieler Daniel-Kofi Kyereh (r.), hier vor dem Kieler Philipp Sander am Ball, erzielte das erste Saisontor.

St. Paulis neuer Offensivspieler Daniel-Kofi Kyereh (r.), hier vor dem Kieler Philipp Sander am Ball, erzielte das erste Saisontor.

Foto: Witters

St. Paulis Trainer Timo Schultz sieht beim 1:2 im ersten Test gegen Kiel gute Ansätze, aber auch deutliche Defizite.

Kiel. Eines stellte Timo Schultz am Sonnabend gleich einmal klar: „Das Ergebnis ist mir grundsätzlich nie egal, auch wenn es das erste Testspiel war. Ich hätte auch gern gewonnen.“ Mit 1:2 (1:0) hatte seine Mannschaft des FC St. Pauli knapp zwei Wochen nach dem Trainingsauftakt verdientermaßen den Test beim Zweitliga-Konkurrenten Holstein Kiel verloren.

Gewonnen hatten der neue Cheftrainer und die Spieler allerdings einige wichtige Erkenntnisse für die weitere Arbeit in der Vorbereitung und für die Personalplanung. Dass ein körperlich präsenter „Sechser“ im Mittelfeld fehlt, machte sich vor allem in der zweiten Halbzeit deutlich bemerkbar. Die Suche nach einem solchen Spielertyp hat ohnehin oberste Priorität.

Es ehrt Timo Schultz, bei der Bewertung dieser ersten Standortbestimmung nicht in den Vordergrund zu stellen, dass ihm ein halbes Dutzend Profis nicht zur Verfügung stand, namentlich Daniel Buballa, Finn Ole Becker, Christopher Buchtmann, Ryo Miyaichi, Henk Veerman und Boris Tashchy.

Aufgrund der Ausfälle musste er zwei Spieler seines Teams volle 90 Minuten spielen lassen, während sein Kieler Kollege Ole Werner zum zweiten Abschnitt elf neue Akteure auf das Feld schickte. Den betroffenen Kevin Lankford und Ersin Zehir war die Zusatzbelastung am Ende deutlich anzumerken. Realistisch betrachtet waren im zweiten Abschnitt für St. Pauli nur fünf potenzielle Startelfspieler auf dem Feld.

Gegentreffer waren logische Folge der Defizite

Zu diesen gehörte auch Innenverteidiger Christopher Avevor, der ebenso Klartext sprach: „In der zweiten Halbzeit haben wir es einfach nicht mehr geschafft, Zugriff zu bekommen. Da sind wir extrem geschwommen, haben viel zu viele Chancen zugelassen. Wir hatten zu wenig Kontrolle und haben dadurch auch zu wenig nach vorn gemacht.“

Selbst wenn praktisch sicher ist, dass das Team in der Formation der zweiten Hälfte kein Punktspiel bestreiten wird, wurde gegen den mindestens ebenso ambitionierten Gegner klar, woran es in den kommenden Wochen zu arbeiten gilt. „In der zweiten Halbzeit haben wir den Gegner praktisch gar nicht mehr unter Druck setzen können“, kritisierte Schultz deutlich. Die Gegentreffer durch die Kieler Benjamin Girth (59. Minute) und Fabian Reese (68.) waren die logische Folge dieser Defizite.

Neuzugänge harmonieren gut

So gesehen ist es sicher vorteilhaft, dass wegen der Corona-Schutzmaßnahmen in der diesjährigen Sommervorbereitung die sonst üblichen Auftakt-Testspiele gegen unterklassige Gegnerteams nicht möglich sind. Jetzt treten die unvermeidlich noch vorhandenen Defizite wesentlich deutlicher zutage als etwa gegen Landes- und Bezirksligakicker.

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Im gleichen Maße aber sind auch positive Erkenntnisse entsprechend mehr wert. Davon gab das Spiel auf der – übrigens erstklassigen – Trainingsanlage der KSV Holstein am Steenbeker Weg auch aus St.-Pauli-Sicht einige.

Am auffälligsten war, dass die allesamt in der ersten Halbzeit eingesetzten Zugänge Daniel-Kofi Kyereh, Maximilian Dittgen, Lukas Daschner und Rodrigo Zalazar trotz der erst wenigen gemeinsamen Trainingseinheiten schon gut miteinander harmonieren. Nicht zufällig entstand die 1:0-Führung (17. Minute) für St. Pauli aus einer Ballstafette über zwölf (!) Stationen, an der zuletzt Daschner, Dittgen und Torschütze Kyereh beteiligt waren.

Alle wissen, da geht noch mehr

„Es ist ein schönes Gefühl, das erste Tor der Saison geschossen zu haben. Vor allem aber war es ein sehr schön herausgespielter Treffer, am Ende musste ich nur den Fuß hinhalten“, sagte Kyereh, der einige weitere gute Aktionen zeigte. „Wir haben uns auf dem Platz im Training schon seit Tag eins sehr gut verstanden. Das hat man auch jetzt gesehen. Es macht einfach Spaß. Wir wissen aber auch alle, dass da noch mehr geht.“

Als einziger Neuzugang unter den Feldspielern hatte Linksverteidiger Leart Paqarada gewissermaßen das Pech, erst nach der Pause zum Einsatz zu kommen. Der 25-Jährige war in dem deutlich schwächer agierenden Ensemble allerdings einer der auffälligsten Spieler und deutete auch mit seinen dynamischen Offensivaktionen auf der Außenbahn an, dass er sehr wertvoll werden kann.

Als „sehr, sehr gut“ bewertete Kapitän Christopher Avevor nach den ersten beiden Vorbereitungswochen die Atmosphäre im Team unter Trainer Schultz – und strahlte dabei. Offenkundig ist die allseitige Erleichterung, dass das Kapitel Jos Luhukay beendet ist. „Bei uns herrscht eine hohe Arbeitsmoral. Das merkt man im Training, wo es gut zur Sache geht. Man spürt, dass jeder Bock darauf hat, eine geile Saison zu spielen“, sagte der Verteidiger weiter.

Unterdessen hat sich die Zahl der möglichen Gegner des FC St. Pauli in der ersten DFB-Pokal-Runde (11. bis 14. September) von acht auf vier reduziert. Im Halbfinale des Saarland-Pokals kommt es jetzt zu den Begegnungen FC 08 Homburg – 1. FC Saarbrücken und SV Auersmacher – SV Elversberg.

FC St. Pauli, 1. Halbzeit: Brodersen – Ohlsson, Ziereis, Senger – Wieckhoff, Zalazar, Zehir, Dittgen – Daschner – Lankford, Kyereh. 2. Halbzeit: Smarsch – Zander, Avevor, Knoll, Paqarada – Benatelli, Zehir – Viet, Franzke, Coordes – Lankford.