Zweite Bundesliga

Der FC St. Pauli sucht einen Trainer für Offensivfußball

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Carsten Harms
St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann sucht derzeit einen neuen Cheftrainer und muss einen konkurrenzfähigen Kader zusammenstellen.

St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann sucht derzeit einen neuen Cheftrainer und muss einen konkurrenzfähigen Kader zusammenstellen.

Foto: Witters

Sportchef Andreas Bornemann nennt die Kriterien für Luhukays Nachfolger und muss Conteh an Rotterdam verkaufen.

Hamburg.  Auf die drängendste Personalfrage, die den FC St. Pauli in diesen Tagen nach der Trennung von Jos Luhukay am vergangenen Montag umtreibt, hatte Andreas Bornemann noch keine konkrete Antwort – nämlich, wer Luhukays Nachfolger als Cheftrainer wird. Und doch wartete der Sportchef des Millerntorclubs am Donnerstag bei einer gut zweistündigen, kleinen Gesprächsrunde mit den Vertretern ausgewählter Medien mit einer wichtigen Nachricht auf: Außenstürmer Christian Conteh wechselt zum niederländischen Spitzenclub Feyenoord Rotterdam.

St. Pauli hat damit den Kampf um ein Talent aus dem eigenen Nachwuchs mit dem Potenzial, die Fans zu begeistern, verloren. In Erinnerung sind dessen atemberaubende Sprints und seine Tore in Bielefeld und gegen Kiel zu Beginn der abgelaufenen Saison. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich der 20 Jahre alte Conteh in der Folge immer wieder schwere Muskelverletzungen zuzog, deshalb nur auf sieben Zweitligaeinsätze kam und seit dem 27. Oktober 2019, als er beim 0:1 in Heidenheim eingewechselt wurde, kein Spiel mehr bestritten hat.

Der FC St. Pauli hatte sich monatelang darum bemüht, Contehs bis zum 30. Juni 2021 laufenden Vertrag mit einer entsprechenden Gehaltsanpassung vorzeitig zu verlängern. „Es war aber keine Perspektive erkennbar, dass er dies auch möchte. Deshalb haben wir nach allen Abwägungen und konstruktiven Gesprächen mit Rotterdam am Ende eine gute Lösung für alle Parteien finden können“, sagte Bornemann am Donnerstag. Diese „gute Lösung“ sieht dem Vernehmen nach eine Ablösesumme, die allerdings unter dem geschätzten Marktwert von 450.000 Euro (laut transfermarkt.de) liegen dürfte, einen Zuschlag bei einer bestimmten Anzahl von Einsätzen in der niederländischen Eredivisie und eine finanzielle Beteiligung bei einem möglichen Weiterverkauf vor. „Christian ist mit dem ausdrücklichen Wunsch an uns herangetreten, die Chance, die er in Rotterdam sieht, gerne nutzen zu wollen“, sagte Bornemann weiter.

Entscheidung in der Trainerfrage soll „so schnell wie möglich“ erfolgen

Angesichts seiner erheblichen muskulären Verletzungsanfälligkeit hatte St. Pauli Christian Conteh eher als langfristiges Projekt denn als feste Größe für die kommende Saison betrachtet. Mit dem Gehaltsniveau eines international renommierten Clubs wie Feyenoord kann der Kiezclub allerdings auch nicht mithalten – schon gar nicht bei einem Spieler, von dem man nicht weiß, wie oft er überhaupt zur Verfügung steht.

Die Entscheidung in der Trainerfrage soll nun laut Bornemann „so schnell wie möglich“ erfolgen. Der Kreis der in Betracht kommenden Kandidaten umfasse nur noch vier, fünf Namen. Dabei stellte der Sportchef in Bezug auf St. Paulis bisherigen U-19-Trainer und Ex-Profi Timo Schultz klar: „Es stimmt nicht, dass Schulle nicht infrage kommt. In meiner Vita ist es auch immer mal wieder vorgekommen, dass ich einen jungen Trainer hochgezogen habe.“ Er verwies dabei auf seine Tätigkeit in Nürnberg und Freiburg.

Angesprochen auf das Gerücht um Ex-HSV-Trainer Bernd Hollerbach, einst selbst Spieler bei St. Pauli und zuletzt bei Royal Excel Mouscron in Belgien tätig, lachte Bornemann nur. „Der Trainer muss zum Verein, zur Mannschaft und zur Situation passen. Auch zu mir muss er passen, das steht in der Priorität aber eher hinten, auch wenn es natürlich eine enge Zusammenarbeit geben wird“, sagte Bornemann über die Kriterien, die der neue Mann erfüllen muss. „Er muss auch kompatibel zu der Spielweise sein, die zu St. Pauli passt. Die ist hier am Millerntor schon eher nach vorn mit aktivem Fußball ausgerichtet“, sagte er weiter.

Von Trainerentscheidung hängt eine Reihe weiterer zu klärender Fragen ab

Auf der Trainerentscheidung lastet auch deshalb Zeitdruck, weil eine Reihe weiterer zu klärender Fragen davon abhängt. „Wir haben einige andere Personalien jetzt schon so weit vorangebracht, dass sie nur darauf warten, finalisiert zu werden. Auch für die Spieler ist es wichtig zu wissen, wer Trainer wird“, sagte Bornemann. So wird zu entscheiden sein, ob der neue Mann etwa einen Routinier wie Mittelfeldspieler Johannes Flum (32), dessen Vertrag ausgelaufen ist, weiter im Kader haben möchte.

Auch die bisherigen Co-Trainer Markus Gellhaus und André Trulsen sowie Torwarttrainer Mathias Hain warten auf eine Entscheidung, inwieweit der neue Mann mit ihnen plant. „Die Gruppe des Trainerteams sollte möglichst homogen sein in der Denke und Ansprache. Das heißt nicht, dass hier einer mit fünf, sechs eigenen Co-Trainern anrücken kann. Aber der erste Schritt muss sein, dass der Cheftrainer klar ist. Der wird sicher eine klare Vorstellung über seinen Co-Trainer haben, vielleicht auch noch einen zweiten. Zudem wollen wir ihn mit einbinden in die Entscheidung über den Torwarttrainer und alle weiteren“, sagte Bornemann.

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Grundsätzlich plant Bornemann den Trainingsauftakt des Teams für den 1. August. Allerdings sollen Spieler wie Ryo Miyaichi und Daniel Buballa, die in den letzten Saisonspielen ausgefallen waren, bereits um dem 20. Juli herum mit ihrem Programm starten. Der vor Wochen an der Achillessehne operierte Christopher Buchtmann wird ohnehin sein Rehaprogramm weiter durchziehen.

Der Trainingsstart am 1. August wird allerdings nur zu halten sein, wenn die Punktspiele erst Mitte September wieder starten. In der Umfrage der Deutschen Fußball Liga (DFL) votierte der FC St. Pauli am Donnerstag für einen Ligabeginn am 18. September und für den Rückrundenstart am 2. Januar. Als Alternative wurde von der DFL aber auch der 28. August zur Wahl gestellt, was der Zweiten Liga gut zehn Millionen Euro mehr TV-Geld einbringen würde.

Anders als bei Conteh war St. Pauli derweil am Donnerstag bei zwei anderen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs mit einer mittelfristigen Bindung erfolgreicher. Innenverteidiger Marvin Senger (20) und Offensivakteur Christian Viet (21), die nach der Corona-Pause zu ihren ersten Einsätzen im Profiteam gekommen waren, konnte Bornemann jeweils mit ihren ersten Profiverträgen bis zum 30. Juni 2023 an den FC St. Pauli binden.

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