Zweite Bundesliga

FC St. Pauli droht Abstiegsendspiel in Wiesbaden

| Lesedauer: 7 Minuten
Carsten Harms
St. Paulis Kapitän Christopher Avevor (l.) diskutiert nach seinem Comeback mit seinem Abwehrkollegen Leo Östigard nach dem 0:2.

St. Paulis Kapitän Christopher Avevor (l.) diskutiert nach seinem Comeback mit seinem Abwehrkollegen Leo Östigard nach dem 0:2.

Foto: Witters

Gegen die kommenden drei Gegner gab es in der Hinrunde Niederlagen. Die aktuelle Verfassung lässt Schlimmstes befürchten.

Hamburg.  Nach der verdienten 0:2-Niederlage beim VfL Bochum am Freitagabend und der Rückkehr in der Nacht zum Sonnabend werden sich die Fußballprofis des FC St. Pauli an diesem Montag wieder auf der Trainingsanlage in Niendorf sehen. Trotz des miserablen Auftritts im Ruhrstadion hatte ihnen Trainer Jos Luhukay gewährt, am Sonnabend eine individuelle Regenerationseinheit zu absolvieren und den Sonntag frei zu machen. Das sei schon vorher so zugesagt gewesen, unabhängig vom Spielausgang in Bochum, hieß es.

„Wir müssen jetzt die Köpfe frei bekommen in der etwas längeren Woche“, hatte Torwart Robin Himmelmann schon direkt nach der Niederlage in Bochum gesagt. Die aktuelle Lage ist für den 31-Jährigen ein Déjà-vu-Erlebnis. Wie in diversen Jahren zuvor befindet er sich mit seinem Team in der Endphase einer Saison in akuter Abstiegsgefahr. Doch in einer so beängstigenden Verfassung wie jetzt in Bochum waren die Teams in all den Jahren, in denen es dank eines Kraftaktes immer noch gut gegangen ist, offenkundig nicht.

Fahrlässige Fehler in der Defensive

In der Defensive mit fahrlässigen Fehlern, im Mittelfeld ohne Inspiration und im Angriff fast vollkommen harmlos – so ließ sich die Vorstellung in Bochum zusammenfassen. Das ist eine fatale Kombination. Seit der Corona-Pause erzielte das Team gerade einmal zwei Treffer, der eine fiel gegen Nürnberg in Überzahl, der andere dank eines schweren Abwehrfehlers des Karlsruher Verteidigers Daniel Gordon.

„Es ist wichtig, dass wir jetzt bei der Einordnung der Situation die richtige Mischung finden. Wir dürfen nicht in Panik verfallen, aber auch nichts unterschätzen. Wir müssen die Situation ernst nehmen“, sagte am Sonntag St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann im Gespräch mit dem Abendblatt.

Kaum Automatismen im Spiel des Teams

An ihrem freien Sonntag mussten die St. Paulianer mitzittern, als der auf dem Relegationsplatz 16 stehende Karlsruher SC beim FC Erzgebirge Aue antrat. Die 0:1-Niederlage der Badener sorgte immerhin dafür, dass das Team vom Millerntor seinen Fünf-Punkte-Vorsprung vor dem KSC behielt. Dennoch fiel St. Pauli auf den 14. Platz zurück, weil sich der VfL Osnabrück mit dem 0:0 einen Punkt in Stuttgart erkämpfte.

Trainer Jos Luhukay, der vor 14 Monaten verpflichtet wurde, um ein potenzielles Aufstiegsteam zu formen, muss schon am Tag vor der Pleite in Bochum aus den Eindrücken beim Training Schlimmstes geahnt haben. Seine Aussage, dass keiner seiner Spieler „die Berechtigung für die Startelf“ habe, ließ darauf schließen. Er sollte mit dieser Aussage tatsächlich recht behalten, abgesehen von Torwart Robin Himmelmann und den Profidebütanten Marvin Senger (20) und Christian Viet (21). Dennoch widersprach sich der Trainer nach dem Spiel de facto selbst, als er sagte: „Ich habe vollstes Vertrauen in meine Mannschaft.“

Ebenso wechselhaft und unberechenbar Luhukays Aussagen über die Qualität seiner Mannschaft sind, verfährt er schon in der gesamten Saison mit seinen Aufstellungen – längst nicht immer war und ist dies Verletzungen geschuldet. Senger und Viet waren jetzt die Spieler 35 und 36, die Luhukay in dieser Zweitligasaison eingesetzt hat – ein zweifelhafter Bestwert in der gesamten Liga. Die Folge ist, dass selbst am Ende der Saison kaum Automatismen im Spiel des Teams zu erkennen sind. Ganz im Gegensatz etwa zu Tabellenführer Arminia Bielefeld, der auf dem Papier nicht wirklich besser besetzt ist als St. Paulis Team, aber eben insbesondere von seiner Eingespieltheit profitiert.

Düstere Prognose

Der Blick auf die kommenden drei Gegner kann bei St. Pauli nur wenig Hoffnung schüren, wenn man die Ergebnisse gegen diese Teams in der Hinrunde zugrunde legt. Gegen Erzgebirge Aue (1:3), Hannover 96 (0:1) und den SSV Jahn Regensburg (0:1) gab es durchweg Niederlagen. Wiederholt sich dies jetzt in der Rückrunde, droht das letzte Saisonspiel am 28. Juni beim aktuellen Tabellen-17. SV Wehen Wiesbaden zu einem echten Abstiegsendspiel für den FC St. Pauli zu werden. Zum Abschluss der Hinrunde beendete das Team von Jos Luhukay zwar mit dem 3:1 gegen die Hessen ihre Negativserie, aber angesichts der in der gesamten Amtszeit von Luhukay anhaltenden Sieglosigkeit außerhalb Hamburgs ist auch in Wiesbaden kaum mit einem Erfolg zu rechnen.

St. Paulis verliert bei Debütantenball in Bochum:

„Die Spiele in der Hinserie gegen die kommenden Gegner haben jetzt aktuell relativ wenig Aussagekraft. Wir sollten die vier Spiele auch grundsätzlich losgelöst vom Gegner und vom Tabellenstand betrachten. In der jetzt längeren Woche bis zum kommenden Sonntag haben wir auch ausreichend Zeit, vieles aufzuarbeiten, was in den vergangenen Spielen geschehen ist“, sagte Sportchef Andreas Bornemann. „Ich muss die Mannschaft nicht aufwecken. Sie weiß, was in der Liga los ist und wie wichtig der Klassenverbleib für den Verein ist.“

Weiterer Unsicherheitsfaktor

Für die wegen der Corona-Auswirkungen ohnehin schwierigen Etat- und Kaderplanungen für die kommende Saison stellt die unsichere sportliche Lage einen weiteren Unsicherheitsfaktor dar. „Jede Woche, in der man in dieser Hinsicht Gewissheit hat, hilft natürlich. Ich hätte mir gewünscht, dass wir in diesem Punkt schon ein Stück weiter sind.“, sagte Borneman am Sonntag. Er wird sich mindestens bis zum kommenden Sonntag gedulden müssen. Zwingend nötig dafür ist ein Sieg ausgerechnet gegen das Team aus Aue, dem man jetzt dankbar für dessen Erfolg über Karlsruhe sein muss.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

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