Zweite Bundesliga

Torlos gegen Heidenheim: Und was heißt das jetzt?

| Lesedauer: 6 Minuten
Alexander Berthold
Waldemar Sobota weiß auch nicht so genau, warum der FC St. Pauli gegen Heidenheim torlos blieb

Waldemar Sobota weiß auch nicht so genau, warum der FC St. Pauli gegen Heidenheim torlos blieb

Foto: dpa/Pool

Nach dem Unentschieden am Millerntor war man unsicher, wie das 0:0 genau einzuordnen ist – eine Verbesserung war es allemal.

Hamburg. So richtig wussten die Spieler und Verantwortlichen des FC St. Pauli nicht, wie sie das 0:0 (0:0) gegen den 1. FC Heidenheim einordnen sollten. Aus der Loge, in der Präsident Oke Göttlich und die restliche Delegation des Kiezclubs die Partie verfolgt haben, kamen laute „St.-Pauli-Rufe“, während sich auf dem Rasen Abwehrspieler James Lawrence sichtbar enttäuscht die Hände vor das Gesicht hielt. Und Stürmer Dimitrios Diamantakos stürmte nach dem Abpfiff in die Kabine, ohne zuvor mit seinen Mitspielern abzuklatschen.

Nach den 90 Minuten musste man konstatieren, dass der Kiezclub eine deutliche Reaktion auf das desolate 0:4 bei Darmstadt 98 vom vergangenen Wochenende gezeigt hat. Was das am Ende verdiente Remis wirklich wert ist, wird man wohl erst am kommenden Sonnabend nach dem Spiel beim direkten Abstiegskonkurrenten Karlsruher SC wissen. „In den ersten 25 Minuten haben wir nach Lösungen suchen müssen. Danach haben wir mehr Kontrolle bekommen. Wir haben um jeden Ball gekämpft. Alles in allem können wir zufrieden sein, weil wir nach einem schwachen Spiel zurückgekommen sind“, sagte Lawrence.

Luhukay rotierte gegen Heidenheim durch

Für die ersten Überraschungen sorgte Trainer Jos Luhukay (56) bereits vor dem Anpfiff. In der Pressekonferenz vor der Partie hatte der Niederländer noch angekündigt, auf eine große Rotation zu verzichten. Doch weit gefehlt: Nachwuchs-Talent Luis Coordes (21) kam auf der linken offensiven Seite zu seinem Zweitliga-Startelfdebüt.

Das könnte Sie auch interessieren:

Auch Routinier Johannes Flum (32), der für den in Darmstadt unglücklich agierenden Rico Benatelli (28) vor der Abwehr eine Chance bekam, und Luca Zander (24), der für den gesperrten Leo Östigard (20) aufgeboten wurde, durften beginnen. Im Sturmzentrum erhielt Henk Veerman (29) wie erwartet den Vorzug vor dem zuletzt enttäuschenden Boris Tashchy (26). Linksverteidiger Matt Penney (22) stand dagegen nicht einmal im Kader. Taktisch setzte Luhukay wie schon im ersten Heimspiel nach der Corona-Pause gegen Nürnberg auf ein 3-4-1-2-System. Die Doppelspitze bestand aus Veerman und Ryo Miyaichi.

Heidenheims Leipertz vergibt einen Elfmeter

Die vielen Änderungen haben sich zunächst nicht auf die Partie ausgewirkt. Der Aufstiegkandidat aus Heidenheim war von Beginn an die bessere Mannschaft und kam durch Topstürmer Tim Kleindienst (1.,7. Minute) zu zwei frühen Halbchancen. St. Pauli tat sich zunächst schwer gegen körperbetonte Gäste. Die erste gute Chance erspielte sich aber der Kiezclub, als Miyaichi Waldemar Sobota in Szene setzte, der jedoch über das Tor zielte.

In der Folge entwickelte sich eine umkämpfte und phasenweise hart geführte Partie. in der 26. Minute konnte Johannes Flum eine traumhafte Kombination der Heidenheimer nur per Foul an Niklas Dorsch im Strafraum unterbinden. Den fälligen Strafstoß schoss Robert Leipertz aber kläglich rechts am Tor vorbei. Es blieb aber auch im Anschluss dabei, dass Heidenheim gefährlicher war. Florian Mohrs Schlenzer (29.) aus 15 Metern strich knapp über den Kasten. Es sollte die letzte zwingende Aktion in einem intensiven aber selten hochklassigen Spiel bleiben. Beide Mannschaften gingen ohne Tore in die Kabine.

Oke Göttlich, St. Paulis Ein-Mann-Fanblock

Mit unverändertem Personal kamen die Teams aus der Kabine. „Weiter! Auf geht's St. Pauli“, rief immer wieder Präsident Oke Göttlich, der wie ein Ein-Mann-Fanblock versuchte, so etwas wie Stimmung von der Tribüne zu generieren. Und in der Tat versuchte der Kiezclub die Partie mehr in die Hälfte des Gegners zu verlagern. Das gelang zunehmend besser, auch wenn die klaren Chancen ausblieben.

Heidenheim ließ nach starkem Beginn nach, kam nur noch sporadisch zu Kontern. Die beste Chance vergab Tim Kleindienst, der in der 57. Minute aus spitzem Winkel an Himmelmann scheiterte. Und St. Pauli? Trotz aller Überlegenheit fehlte es im Spiel nach vorne an Ideen und Zielstrebigkeit. Lediglich Henk Veerman (71.), der aus zwölf Metern ebenso weit über das Tor zielte, kam mal zu einem Abschluss.

Himmelmann mit Sensations-Reflex kurz vor Schluss

Beide Teams wurden zunehmend müde und warteten auf den Lucky Punch, der in der 88. Minute beinahe Heidenheims Joker Jonas Föhrenbach gelungen wäre. Sein Kopfball aus vier Metern rettete St. Paulis Schlussmann Himmelmann mit einem Sensations-Reflex. Es war der Beginn einer verrückten Endphase.

Praktisch im Gegenzug kam St. Paulis bis dahin überragender Abwehrchef James Lawrence frei zum Kopfball, doch der Ball flog gut einen halben Meter neben den Kasten. „In neun von zehn Fällen geht der rein. Als der Ball meine Stirn verließ, war ich sicher, er geht rein. Aber es fehlten Zentimeter“, sagte Lawrence. Und so mussten sich St. Pauli mit einem Remis begnügen, das vielleicht am Ende noch wichtig werden könnte.

„Wir können und müssen nach dem Spielverlauf mit dem Punkt leben. Wir hatten Glück, dass der Elfmeter nicht reinging. Erneut haben wir gegen ein Top-vier-Team nicht verloren. Insgesamt haben wir sehr geschlossen gespielt“, fasste Luhukay zusammen.

Saison-Aus: St. Pauli-Verteidiger Ziereis wird operiert

Für Philipp Ziereis vom FC St. Pauli ist die Saison in der 2. Fußball-Bundesliga beendet. Der 27 Jahre alte Verteidiger muss sich am Donnerstag wegen eines Meniskusschadens am rechten Knie operieren lassen. Das teilte der Club nach dem Spiel mit. Ziereis klagt seit Wochen über Knieprobleme. Insgesamt kam er in dieser Saison erst zu sechs Zweitliga-Einsätzen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: St. Pauli