Publikumsliebling

Jan-Philipp Kalla droht ein leiser Abschied vom FC St. Pauli

Jan-Philipp Kalla (l.) vom FC St. Pauli im Zweikampf mit HSV-Angreifer Bakery Jatta: In der laufenden Zweitligasaison kam der Verteidiger nur siebenmal zum Einsatz.

Jan-Philipp Kalla (l.) vom FC St. Pauli im Zweikampf mit HSV-Angreifer Bakery Jatta: In der laufenden Zweitligasaison kam der Verteidiger nur siebenmal zum Einsatz.

Foto: Tim Groothuis / WITTERS

Der Routinier wird den Club im Sommer wohl nach 17 Jahren verlassen müssen. Oder bleibt er in anderer Funktion?

Hamburg.  Für Jan-Philipp Kalla steht an diesem Donnerstag wieder der Coronaalltag auf dem Programm. Kleingruppentraining mit sieben Mitspielern, keine Zweikämpfe. Triste Zeiten für den „Fußballgott“, der diese Duelle Mann gegen Mann so sehr liebt und vermisst.

Wann und ob der 33-Jährige, der seit 17 Jahren beim FC St. Pauli unter Vertrag steht, noch einmal im Millerntor-Stadion aufläuft, steht in den Sternen. Am 30. Juni läuft der Vertrag des Defensivallrounders aus. Wie es darüber hinaus weitergeht, ist noch nicht final entschieden. Aber es gibt im Verein eine klare Tendenz.

Wie das Abendblatt erfuhr, wird St. Pauli den Spielervertrag des Routiniers nicht verlängern. Sportdirektor Andreas Bornemann wollte auf Anfrage – unabhängig von Kalla – keine Wasserstandsmeldung zu etwaigen Vertragsgesprächen abgeben. Zuletzt gab es wegen der Coronakrise ohnehin keinen neuen Austausch.

Bleibt Kalla in anderer Funktion bei St. Pauli?

In den kommenden zwei Wochen wollen Kalla und St. Pauli noch einmal in den Dialog treten, um die Zukunft zu erörtern. Darüber sprechen kann Kalla im Moment nicht. Derzeit sind bei St. Pauli wegen der Kontaktbeschränkungen und der Kurzarbeit in der Medienabteilung Interviews nicht möglich.

Vor Ausbruch der Coronapandemie debattierten Kalla, Berater Thomas Gottfried und Bornemann immer mal wieder über Modelle, wie der Profi nach der aktiven Karriere in den Verein eingebunden werden könnte. Eine Zusammenarbeit abseits des Profikaders könnte sich St. Pauli nach wie vor vorstellen. Die Frage ist nur, in welcher Position?

In seiner Freizeit sammelt „Schnecke“, wie ihn alle nennen, als Coach der dritten Frauenmannschaft des FC St. Pauli erste Erfahrungen als Trainer. Zeitnah will der Profi seinen B-Eliteschein beim Deutschen Fußball-Bund machen.

„Schnecke“ Kalla droht ein stiller Abschied

Kalla kamen zuletzt immer mehr Zweifel, ob er überhaupt seine aktive Karriere in diesem Jahr beenden möchte. Körperlich fühlt er sich fit für mindestens ein weiteres Jahr als Profifußballer. Dabei hatte Kalla im Abendblatt-Interview nach der Vertragsverlängerung im April 2018 noch davon gesprochen, dass es sein letzter Kontrakt als Profi gewesen sei. „Es ist mir sehr lange im Kopf herumgeschwirrt, dass dies nun der Vertrag sein wird, nach dem es keinen weiteren als Fußballprofi geben wird“, sagte er damals. Doch die Lust auf Fußball ist noch immer riesig, auch wenn es für einen bald 34-Jährigen schwer werden wird, in Coronazeiten einen geeigneten Club zu finden.

Ein Szenario, in dem Kalla in der neuen Saison als Mentor in der Regionalligamannschaft agiert und zudem bei Bedarf als Stand-by-Profi für die Zweitligamannschaft zur Verfügung steht, ist nach Abendblatt-Informationen kein Thema für St. Pauli. In der U23 sollen künftig in erster Linie junge Spieler zum Einsatz kommen, um sich zu entwickeln. Die zweite Mannschaft, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, soll kein Auffangbecken für aussortierte Profis werden.

Und so droht dem von den Fans sonst so lautstark gefeierten Publikumsliebling, der vor der Saison von Trainer Jos Luhukay zum stellvertretenden Kapitän ernannt worden war, sportlich aber kaum eine Rolle spielte, ein emotionaler und vor allem stiller Abschied. Durch die Coronakrise wird es auf absehbare Zeit keine Spiele mit Zuschauern geben. So könnte eine Vereinsikone heimlich, still und leise durch die Hintertür seinen Herzensclub verlassen müssen, statt sich von 29.546 Fans noch einmal gebührend in seinem zweiten Wohnzimmer feiern zu lassen.

Offensivspieler Christian Conteh (21) hat das Training am Mittwoch vorzeitig und leicht humpelnd beendet. Eine Verletzung soll beim Talent nach Vereinsangaben aber nicht vorliegen.