Exklusiv

FC St. Pauli verlängert mit seinem Hauptsponsor Congstar

Congstar-Geschäftsführer Peter Opdemom (l.) und St. Paulis Präsident Oke Göttlich beim E-Gaming-Festival 2019.

Congstar-Geschäftsführer Peter Opdemom (l.) und St. Paulis Präsident Oke Göttlich beim E-Gaming-Festival 2019.

Foto: Witters

Was St. Paulis Präsident Oke Göttlich und Congstar-Geschäftsführer Peter Opdemom zu dem bedeutenden Deal sagen.

Hamburg.  Mitten in der Coronakrise hat Mobilfunkanbieter Congstar seinen Vertrag als Hauptsponsor des FC St. Pauli um zwei weitere Jahre bis 2022 verlängert, zahlt rund 1,8 Millionen Euro pro Jahr. Exklusiv im Abendblatt sprechen „congstar“-Geschäftsführer Peter Opdemom und St. Paulis Präsident Oke Göttlich über den Deal und ihre Einschätzung zur Zukunft des Profisports und des Sportsponsorings.

Hamburger Abendblatt: Herr Opdemom, Ihr Unternehmen ist ja schon seit 2014 Hauptsponsor des FC St. Pauli. Haben Sie angesichts der Coronakrise nicht auch mal daran gedacht, die Zusammenarbeit mit dem FC St. Pauli jetzt zu beenden?

Peter Opdemom: Wir waren ja auch schon zwischen 2006 und 2009 Hauptsponsor, ehe wir fünf Jahre Pause hatten. Es ist richtig, dass wir uns regelmäßig überlegen, ob eine Partnerschaft sinnvoll ist. Aber beim FC St. Pauli sind wir uns eigentlich immer recht sicher. Ernsthafte Bedenken und Gedanken, es aufzugeben, hatten wir in der ganzen Zeit nicht – und jetzt schon mal gar nicht.

Dennoch überrascht es, dass ein Unternehmen in einer Zeit, in der sehr viel – sowohl in der Wirtschaft als auch im Sport – so unsicher ist, einen Sponsorvertrag verlängert

Opdemom: Zum einen möchten wir ein Zeichen setzen, dass uns die Partnerschaft wichtig ist und wir sehr gern und mit Stolz Hauptsponsor sind. Das gibt man nicht so einfach auf. Gleichzeitig müssen wir natürlich auch in der wirtschaftlichen Lage sein, das zu tun. Wären wir in einer anderen Branche tätig, etwa eine Fluggesellschaft, hätten wir ganz andere Sachzwänge. Wir sind zwar durch die Krise, wie jedes Unternehmen in Deutschland, betroffen, aber wir können immer noch an dem festhalten, was uns wichtig ist.

Zu wie viel Prozent liegt Ihrem Sponsoring eine nüchterne Kalkulation zugrunde und zu wie viel Prozent Sympathie?

Opdemom: Ich würde sagen, das ist 50:50. Eine Partnerschaft muss passen, das ist wie im richtigen Leben. Gerade langfristige Partnerschaften lassen sich in ihrem Wert gar nicht abschätzen. Das hat viel mit Chemie und Vertrauen zu tun. Andererseits sind wir unserem Aufsichtsrat verpflichtet, unsere Marketinggelder sinnvoll einzusetzen. Daher achten wir schon auf die Werbewirkung des Sponsorings und messen es regelmäßig.

Herr Göttlich, wie erleichtert sind Sie, dass die Baustelle Hauptsponsor schon jetzt geschlossen werden konnte?

Göttlich: Wie gut eine Partnerschaft ist, zeigt sich insbesondere dann, wenn es in solchen Zeiten zu so einem Abschluss kommt. Das kann man nicht hoch genug einschätzen. Es ist ein ganz großes Symbol für den Verein, dass wir als seriöser und vernünftiger Partner gelten, der auch neuen Themen wie E-Sport gegenüber aufgeschlossen ist und hier etwas entwickeln möchte. Der Abschluss ist auch ein Signal gegenüber unseren Mitarbeitern, die durch eine schwere Zeit gehen, und gegenüber unseren Mitgliedern, die sich auch Sorgen machen. Wir werden sehr viel dafür tun, diesem Vertrauensvorschuss gerecht zu werden.

Mussten Sie, gerade weil kaum einen anderen adäquater Hauptsponsor zu finden gewesen wäre, finanzielle Abstriche machen?

Göttlich: Nein, es gibt keine finanziellen Einbußen. Es ist ganz klar ein Hauptsponsorship.

Ist „congstar“ noch anderweitig als Sportsponsor aktiv?

Opdemom: Wir sind ja ein mittelständisches Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern und fünf Millionen Kunden. Unser Engagement beim FC St. Pauli ist bei uns schon eine erhebliche Ausgabe, die wir aber gern tätigen. Es bleibt darüber hinaus nicht viel Platz für weiteres Sponsoring. 99 Prozent unseres Sponsoringbudgets gehen an St. Pauli. Ansonsten unterstützen wir unseren Markenbotschafter, den Säbelfechter und Athletensprecher Maximilian Hartung, der ja zuletzt in den Medien präsent war.

Wie wird sich nach Ihrer Einschätzung das Sportsponsoring durch Corona verändern?

Opdemom: Da kann auch ich nur spekulieren. Es gibt sicher einige Opportunisten, die jetzt den Ausstieg suchen, weil es ihnen zu riskant ist, weiter auf den Sport zu setzen. Ich bin da eher optimistisch und glaube, dass es sich wieder einpendeln wird – vielleicht auf einem anderen Niveau. Das muss ja nicht schlecht sein, sage ich als Fan. Vielleicht rücken danach Fairness, Miteinander und Weltoffenheit mehr in den Vordergrund.

Göttlich: Wir haben schon sehr ähnliche Meinungen und Werte. Vielleicht wird die Ebbe, die jetzt kommen wird, auch einige bisherige Geschäftsmodelle entlarven und diese schwieriger zu realisieren lassen. Der bisher gekannte Gigantismus wie etwa bei Olympischen Spielen wird vielleicht so nicht mehr möglich sein. Aber ganz grundsätzlich werden auch künftig Unternehmen Großveranstaltungen, die es auch bald wieder geben muss, als Plattform nutzen. Ich sehe nicht schwarz für das Sportsponsoring. Es ist aber notwendig, dass wir wirtschaftlich wieder einiges in Gang bringen.

Welche Signale haben Sie von Ihren anderen großen Sponsoren unterhalb des Hauptsponsors erhalten?

Göttlich: Durchweg positive. Das betrifft auch die Kündigungsquoten von Logen und Businessseats. Die Solidarität ist absolut bemerkbar. Was auch für uns schwierig ist, ist der Umstand, dass wir nicht wissen, wann und wie die Reise im Profifußball weitergeht. Der Spielbetrieb ist ein ganz wichtiger, standortsichernder Faktor – und zwar für alle, vom FC Bayern München bis zum SV Sandhausen, weil es nur dann die benötigten TV-Einnahmen gibt. Wir können lange darüber diskutieren, ob sich eine Sportart so sehr von TV-Einnahmen abhängig machen darf. Aber der Fußball ist eben auch deshalb für Sportsponsoring interessant, weil es ein medienrelevanter Sport ist, der viele interessiert.

Herr Opdemom, wie wichtig ist für Sie als Sponsor, dass Spiele überhaupt stattfinden und es TV-Übertragungen davon gibt, auch wenn keine Zuschauer zugelassen sind?

Opdemom: Wir wissen, dass wir in einer Ausnahmesituation sind. Aber wenn die Sichtbarkeit eines Trikotsponsors reduziert ist, werden wir dafür eine für beide Partner faire Lösung finden. Es gibt ja auch andere Möglichkeiten, Menschen zu erreichen.

Göttlich: An der nötigen Kreativität dafür hat es uns noch nie gemangelt.

Herr Göttlich, wie geht die Deutsche Fußball Liga, deren Präsidium Sie angehören, mit der weiter unklaren Situation um, ob und wann Geisterspiele möglich sind?

Göttlich: Ich werde jetzt keine Details der DFL-Präsidiumskonferenz preisgeben – zumal Fußball nicht das Wichtigste ist. Aber ich bin ehrlich: Ein bisschen Zerstreuung wird uns allen demnächst auch wieder guttun.