Coronavirus

St. Pauli erzeugt einen Hauch von Mannschaftstraining

Jos Luhukay (56) ist seit April 2019 Cheftrainer des FC St. Pauli.

Jos Luhukay (56) ist seit April 2019 Cheftrainer des FC St. Pauli.

Foto: Axel Heimken / dpa

Profis müssen auch in dieser Woche individuell üben, doch es gibt Hilfsmittel. Trainer Luhukay ist über den Zustand genau im Bilde.

Hamburg. Eines bleibt den treuesten Anhängern des FC St. Pauli an diesem Montag erspart: Die Reise nach Darmstadt und ein weiteres ungeliebtes Montagabendspiel. Die Freude darüber, dass das Zweitligamatch beim SV Darmstadt 98 auf einen derzeit unbekannten Termin verlegt werden musste, dürfte sich dennoch in Grenzen halten. Die trübe Aussicht, dass es in dieser Saison nur noch Geisterspiele oder gar keine Partien mehr geben wird, wiegt viel schwerer. Und noch größer sind die Sorgen um die Gesundheit und die Ungewissheit, ob und wann eine Rückkehr zur Normalität im Lebensalltag möglich sein wird.

Auch St. Paulis Trainer Jos Luhukay ist angesichts der Corona-Krise und deren Folgen nachdenklich geworden. „Wir alle erleben eine außergewöhnliche Situation und große Unsicherheit. Ich hoffe, dass unsere Fans und alle anderen Menschen die empfohlenen Maßnahmen umsetzen. Wir dürfen nicht nur an unsere eigene Gesundheit denken, sondern auch an die unserer Mitmenschen. Wir können das nur gemeinsam schaffen, darum müssen wir das sehr ernst nehmen“, sagte der 56 Jahre alte Luhukay jetzt.

Coronavirus: St. Paulis Spieler absolvieren individuelles Programm

Erstmals seit der Aussetzung des Spielbetriebs im deutschen Profifußball nahm der Niederländer über die Homepage des FC St. Pauli Stellung zu den Fragen rund um seine Mannschaft, die zuletzt am 14. März gemeinsam trainiert hatte. Seit dem vergangenen Mittwoch absolvieren die Spieler ein individuelles Programm, das vor allem aus Dauerläufen sowie in den eigenen vier Wänden aus Kraft- und Stabilisationsübungen und Einheiten auf Fahrradergometern, die ihnen nach Hause geliefert wurden, besteht.

Die messbaren Trainingsergebnisse werden an die Athletiktrainer Christoph Hainc-Scheller und Karim Rashwan übermittelt. Sie leiten ihre Auswertungen an Luhukay weiter.

Ein Gefühl von Teamtraining per Live-Video

Am Montag teilte St. Pauli dann mit, dass die Spieler auch in dieser Woche komplett Homeoffice-Modus bleiben. Nach einem trainingsfreien Tag sollen die Profis am Dienstag ihr Programm um Ausdauerläufe, Kraft-, Stabilisations- und Beweglichkeitsübungen und Training auf Spinning-Fahrrädern fortsetzen.

Die Mannschaft kann in dieser Woche auch "in Echtzeit miteinander trainieren", hieß es in der Mitteilung. "Per Live-Video wird es eine Einheit auf dem Fahrrad und eine weitere Einheit mit dem Schwerpunkt Kraft und Stabilisation geben."

Luhukay lobt seine Spieler

„Es gibt mir ein gutes Gefühl, wie die Spieler mit dieser schwierigen Phase umgehen. Sie verhalten sich professionell und arbeiten sehr intensiv. Davor habe ich sehr großen Respekt, gerade weil sie eigentlich viel lieber auf dem Platz stehen würden. Das verlangt viel Disziplin, aber alle ziehen hervorragend mit“, lobt der Luhukay seine Spieler.

Luhukay will Kopf frei kriegen

Auch der Cheftrainer selbst halte sich, so gut es gerade geht, in Schuss, berichtet er. „Einen Tag mache ich eine Runde mit dem Mountainbike, den nächsten Tag gehe ich für eine Stunde joggen. So bekomme ich den Kopf am besten frei“, sagt er, betont aber auch: „Ich vermeide soziale Kontakte, halte mich so genau wie möglich an die Empfehlungen.“

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Das bedeutet, dass auch der Kontakt zu seinem siebenköpfigen Trainerteam derzeit nicht direkt, sondern nur telefonisch erfolgt. Dabei sind die beiden Athletiktrainer, die ihrerseits täglich mit den Spielern telefonieren, besonders gefragt. „Sie sind sehr engagiert, machen eine fantastische Arbeit“, sagt Luhukay über Hainc Scheller und Rashwan.

Luhukay fehlt die Arbeit auf dem Platz

Andererseits verschweigt Luhukay aber auch nicht, dass ihm die tägliche Arbeit auf dem Platz fehlt. „Es ist schwierig, weil ich im Prinzip gerade meinen Beruf nicht ausüben kann“, sagt er deutlich. In dieser Lage nimmt er sich noch mehr Zeit, die vergangenen Monate aufzuarbeiten. „Ich mache mir viele Gedanken darüber, was wir bisher in dieser Saison mit der Mannschaft erarbeitet haben. Das reflektiere und analysiere ich zurzeit sehr gründlich“, sagt er über seine derzeitige Hauptbeschäftigung.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Dazu blickt er bei aller Ungewissheit aber auch nach vorn. „Die größte Herausforderung ist momentan, dass alle Spieler gesund bleiben und für den Zeitpunkt, an dem wir wieder im Team trainieren können, fit sind. An diesem Tag X, an dem es weitergehen wird, wollen wir natürlich an unsere vorherigen Leistungen anknüpfen.“

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Dabei denkt der Coach auch an die Chance, dass die noch verletzten Spieler wie Henk Veerman (Schulterverletzung), Christian Conteh (Reha nach Sehnenriss) und Christopher Avevor (Reha nach Wadenbeinbruch und Syndesmosebandriss) einige Spiele bestreiten könnten, sofern die Saison fortgesetzt werden sollte. Für dieses Trio hat die Zwangspause also sogar etwas Gutes.

Mit Material von dpa