Hardtwaldstadion

FC St. Pauli besteht Härtetest gegen den SV Sandhausen

Im Spiel Sandhausen gegen St. Pauli holt Dennis Diekmeier gegen Matt Penney den Elfmeter heraus.

Im Spiel Sandhausen gegen St. Pauli holt Dennis Diekmeier gegen Matt Penney den Elfmeter heraus.

Foto: Jan Huebner / imago images

Beim 2:2 im Hardtwaldstadion holen sich die Hamburger Blessuren und Kritik vom Trainer, können aber damit aber gut leben.

Sandhausen. Eine gute Dreiviertelstunde nach Spielschluss stand Marvin Knoll schon wieder neben dem Mannschaftsbus und unterhielt sich mit einem Fan. Die Spuren der „Schlacht“ vom Hardtwaldstadion waren deutlich zu sehen. Dick gepflastert war seine linke Augenbraue, das Gesicht sah aus, als hätte er mit Wladimir Klitschko Bekanntschaft gemacht – zu dessen aktiver Zeit. „Es ist nicht so schlimm, glaube ich“, gab Trainer Jos Luhukay Entwarnung, „Marvin kann einstecken.“

Das mussten sie alle vom FC St. Pauli, dieses 2:2 beim SV Sandhausen war ein Härtetest. In jeder Hinsicht. „Uns war bewusst, dass der Gegner über die Körperlichkeit kommt“, sagte Kapitän Daniel Buballa, „er hat uns damit vor große Probleme gestellt.“

FC St. Pauli besteht Härtetest gegen SV Sandhausen im Hardtwaldstadion

Und teilweise für große Verwirrung gesorgt. Sogar Luhukay war nach der hitzigen Partie für einen Moment von der Rolle, als er erklärte: „Wir sind durch ein klasse Tor von Dimitrios Diamantakos in Führung gekommen.“ Nun, nicht ganz. Tatsächlich hatte der Grieche mit einer super Einzelaktion nach Zuspiel von Boris Tashchy in der 78. Minute den Rückstand durch einen eigentlich verunglückten Eckennachschuss von Robin Scheu (63.) ausgeglichen. So reichte es zu einem Punkt, über den die Meinungen am Ende auseinandergingen, der aber immerhin das vierte Spiel in Folge ohne Niederlage bedeutete.

„Ich bin nur mit dem Ergebnis zufrieden, weil wir fußballerisch nicht die Akzente setzen konnten, wie wir es wollten“, sagte Luhukay nachdem er sich wieder sortiert hatte. Nicht glücklich waren sie alle mit der spielerischen Leistung. „Ich hatte den Eindruck, der Ball war mehr in der Luft als auf dem Boden“, sagte Viktor Gyökeres, „das müssen wir besser machen, wir müssen den Ball mehr am Boden halten.“

Gegner dominiert FC St. Pauli – obwohl Luhukay Vierkette umstellt

Dabei profitierte der Schwede selbst von einem hohen Ball. Ryo Miyaichi bediente ihn mit einem langen Pass in den Lauf, Annahme und Torschuss schienen eins. Plötzlich führte St. Pauli mit 1:0 (28.), wie aus dem Nichts. Die ersten 20 Minuten waren auf den Kopf gestellt, die 3000 Hamburger Fans jubelten ausgelassen. „Das war ein schönes Tor, Ryo hat mich gut gefunden“, sagte Gyökeres, der an der Seite von Diamantakos den verletzten Henk Veerman vertrat.

In der Abwehr stellte Luhukay nach der Gelbsperre von Sebastian Ohlsson auf eine Viererkette um. Luca Zander verteidigte rechts, Matt Penney links, innen sollten Buballa und Leo Östigard aufräumen. Genau das gelang aber eher schlecht. Dass es bei dem aggressiven Start der Gastgeber nicht früh einen Rückstand gab, lag an Torwart Robin Himmelmann, der schon nach zwei Minuten zwei gefährliche Schüsse des Ex-St. Paulianers Aziz Bouhaddouz vereitelt hatte. Es war fast wie im Derby: Der Gegner dominiert und St. Pauli hat Glück, dass es keinen Rückstand gibt.

Luhukay kritisiert: "Ryo zögert zu lange, ist nicht entscheidungsfreudig"

Stattdessen stand es 1:1, weil sich Penny einen schläfrigen Moment gegen Dennis Diekmeier leistete und den ehemaligen HSV-Profi unmittelbar vor der Pause zu Fall brachte. Kevin Behrens (45.+1) ließ sich die Gelegenheit vom Punkt nicht entgehen. Penney kam danach nicht zurück, James Lawrence kam zu seinem ersten Einsatz seit Anfang Dezember, die Lufthoheit musste gestärkt werden. „Wir haben da stabiler gestanden“, sagte Buballa.

Am Ende war sogar mehr drin, als Miyaichi nach einem Konter in der 90. Minute allein halbrechts im Strafraum auftauchte. Aber jeder konnte ahnen im Stadion, wie es in dem Japaner arbeitete: Schieße ich oder nicht oder doch oder nicht? Dann entschied er sich für einen Querpass zu Diamantakos, den ein Verteidiger abfangen konnte. „Ryo zögert zu lange, ist nicht entscheidungsfreudig“, kritisierte Luhukay. Er gab aber auch zu: „Wir hatten Glück, dass der Kopfball von Denis Linsmayer in der Nachspielzeit nur die Latte berührte.“

FC St. Pauli: Hamburger holen sich Blessuren im Hardtwaldstadion

Dann war Schluss. Die Spieler holten sich den Applaus der Fans ab. Anerkennung für einen echten Fight, Begeisterung für großen Fußball aber nicht. So bleibt die Lage in der Tabelle weiter kritisch, ein Befreiungsschlag wurde verpasst. „Der Lucky Punch wäre auch des Guten zu viel gewesen“, gab Sportchef Andreas Bornemann zu. Der Willen, sich in alles reinzuhauen, hatte ihm dennoch gefallen, die physische Spielführung des Gegners mit zahlreichen körperlich starken und groß gewachsenen Spielern aber weniger: „Sie wandeln immer an der Grenze, was die Zweikampfführung angeht. Wie viele Kopftreffer wir heute hatten, war schon etwas zu viel des Guten“, sagte Bornemann.

Das könnte Sie auch interessieren:

„Wir haben uns dafür belohnt, dass wir es ausgehalten haben“, sagte Buballa schließlich. Bornemann meinte: „Ich hoffe, dass wir nicht zu viele Kopfschmerztabletten brauchen.“ Pflegen können sich die Spieler aber auf jeden Fall: Für Montag und Dienstag gab Lu­hukay der Mannschaft frei.