FC St. Pauli

Henk Veerman: Pause, aber keine Operation

Henk Veerman verletzte sich während der Partie gegen Osnabrück am vergangenen Sonntag an der Schulter.

Henk Veerman verletzte sich während der Partie gegen Osnabrück am vergangenen Sonntag an der Schulter.

Foto: Witters

Der zuletzt so formstarke Torjäger des FC St. Pauli verpasst die nächste Partie in Sandhausen. Zeitpunkt der Rückkehr ist offen.

Hamburg. Keine Operation. Das ist die gute Nachricht, wenn man so will. Henk Veerman muss nach seiner ausgekugelten Schulter aus dem Zweitligaspiel gegen den VfL Osnabrück (3:1) – er war im Zweikampf gegen Joost van Aken gestürzt – also nicht unter das Messer. „Entwarnung“, teilte der FC St. Pauli am Montagnachmittag mit, nachdem sein Toptorjäger zuvor in die Röhre der Endo-Klinik zum MRT geschoben wurde und die Ärzte sich dadurch und danach ihr genaues Bild gemacht hatten. Aber auch dies: „Er fällt bis auf Weiteres aus.“

Damit ist der Niederländer am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) auf keinen Fall in der Auswärtspartie beim SV Sandhausen einsatzfähig. Wann er wieder spielen kann, hängt vom Heilungsverlauf ab. Normal ist eine Pause von drei bis sechs Wochen, manchmal geht es auch schneller. „Es hat keine weiteren Auffälligkeiten am Bandapparat gegeben“, ließ der Verein noch wissen. Also heißt es: abwarten.

Neben Veerman blühte auch Diamantakos wieder auf

„Wir hoffen, dass er nicht zu lange ausfällt“, hatte Trainer Jos Luhukay schon unmittelbar nach dem Spiel gesagt. Dem erfahrenen Coach war da natürlich schon klar, dass er umplanen muss. Im Aufwärtstrend der Hamburger mit sieben Punkten aus den vergangenen drei Spielen ist der Verlust von Veerman auf ein Rückschlag. „Henk ist gerade ein Killer“, sagte Mannschaftskollege Johannes Flum am Montag, „sein Ausfall ist total ärgerlich, weil er so gut drauf ist.“

Das kann man wirklich nicht anders sagen. Sieben Tore hat der blonde Hüne aus Volendam in den vergangenen acht Spielen geschossen, insgesamt acht Treffer hat er in seinen erst 13 Saisonspielen erzielt. Veerman hat nach einem Kreuzbandriss praktisch ein Jahr pausieren müssen und kam erst im November vergangenen Jahres wieder – offenbar besser denn je. „Henk ist in Topform, macht vorne die Bälle fest, setzt die Nebenleute super in Szene“, lobte auch Mittelfeldspieler Marvin Knoll.

Davon profitierte auch Sturmkollege Dimitrios Diamantakos – und umgekehrt. Zweimal hatte Trainer Luhukay zuletzt Veerman und den Griechen als Doppelspitze nebeneinander aufgeboten. Zum ersten Mal in dieser Saison und mit durchschlagendem Erfolg: Derbysieg gegen den HSV (2:0) und eben Osnabrück, wo beide trafen. Dieses Erfolgsduo ist nun auf unabsehbare Zeit gesprengt, die Last des Toreschießens wird also vor allem wieder bei Diamantakos liegen, der mit sieben Treffern in ebenfalls 13 Spielen St. Paulis zweitbester Torjäger ist.

Klare Aussprache zeigte Wirkung

„Dimi“ war praktisch in dem Moment ausgefallen, als sich Veerman Ende des Jahres wieder an die Mannschaft herangearbeitet hatte. Mit einem Muskelfaserriss musste der 26-Jährige bis Jahresende pausieren, wurde im Januar auf die Bank gesetzt, weil Veermanspielte.

Diamantakos schmeckte das gar nicht, er zickte rum und flog folgerichtig gegen Holstein Kiel ganz aus dem Kader. „Uns haben da zwei, drei Wochen Dinge gar nicht gefallen, aber nach der klaren Aussprache darüber hat er eine Reaktion im Training gezeigt und in den beiden letzten Spielen eine starke Leistung geboten“, sagte Sportchef Andreas Bornemann.

Ob Luhukay in den kommenden Spielen nun seine Formation wieder ändert und mit Dimantakos als einziger Spitze antritt, oder ob Boris Tashchy Veerman wie in der zweiten Halbzeit gegen Osnabrück positionsgetreu vertritt, wird sich der Coach in den kommenden Tagen überlegen müssen. Einfach so zu ersetzen ist Veerman jedenfalls nicht, das zeigt ein Blick in die Statistik.

Aus dem Mittelfeld kommt wenig

Veerman und Diamantakos haben mit 15 Toren allein fast die Hälfte aller 31 Saisontreffer des FC St. Pauli erzielt. Nächstbester Schütze ist Viktor Gyökeres (5), der auch neben Diamantakos infrage kommt. Weitere besonders torgefährliche Spieler hat St. Pauli derzeit nicht, aus dem Mittelfeld kommt wenig, nur Waldemar Sobota hat dreimal getroffen. „Wie wichtig unsere Stürmer sind, das haben wir gegen Osnabrück gesehen“, sagte Luhukay, dessen Team mit dem Heimerfolg den Abstand zu Relegationsrang 16 (Karlsruher SC) auf fünf Punkte vergrößern konnte.

Bleibt das Prinzip Hoffnung: Wenn der Heilungsprozess glatt verläuft, dann kann Veerman möglicherweise schon bald wieder eingreifen. Hoffnung für den schnellen Genesungsprozess macht ausgerechnet das Beispiel eines ehemaligen HSV-Stürmers: Pierre-Michel Lasogga kugelte sich im Dezember 2015 nach einem Tor zum 3:1-Auswärtssieg bei Werder Bremen (doch, so etwas gab es tatsächlich) ebenfalls den rechten Arm aus, wurde konservativ behandelt, verpasste eine Partie und traf schon zwei Wochen später wieder gegen Wolfsburg.