FC St. Pauli

Wie James Lawrence einst Johan Cruyff beeindruckte

Abwehrspieler James Lawrence ist bis Saisonende vom RSC Anderlecht ausgeliehen.

Abwehrspieler James Lawrence ist bis Saisonende vom RSC Anderlecht ausgeliehen.

Foto: Witters

Der Profi des FC St. Pauli sprach beim Verein Jemah e. V. über seine Herz-OP und seine Arbeit als Ehrenamtler.

Hamburg. James Lawrence musste nicht lange überlegen, als er die Einladung des Bundesvereins Jugendliche und Erwachsene mit angeborenem Herzfehler e. V. (Jemah) erhielt. „Es ist wichtig, Aufklärung zu betreiben. Wenn ich da helfen kann, mache ich das gerne“, sagte der Profi des FC St. Pauli, der im Cardiologicum Hamburg an einer Podiumsdiskussion teilnahm, ausführlich über seine Herzoperation redete, die ihm im Alter von 18 Jahren die Karriere rettete. „Ich ziehe eine Knie-Operation jederzeit einer Herz-OP vor. Da können Sie sicher sein“, sagte der 27-Jährige, der nach einem vor acht Wochen erlittenen Knorpelschaden bereits im Heimspiel gegen den VfL Osnabrück (So, 13.30 Uhr) wieder im Kader stehen könnte.

Mittlerweile machen Knie und Herz des St.-Pauli-Verteidigers keine Probleme mehr. Lediglich bei Vereinswechseln wird der Waliser immer mal wieder an seine Krankheit erinnert. „Bei mir fällt immer etwas mehr Papierkram an, weil sich die Vereine alle Dokumente bezüglich meiner früheren Herzerkrankung zukommen lassen“, so Lawrence: „Es gab unmittelbar nach der Operation durchaus zwei, drei Vereine, die aufgrund meiner Krankengeschichte Abstand von einer Verpflichtung genommen haben, weil sie das Risiko nicht eingehen wollten“, erinnerte er sich.

Über 200.000 Kinder haben einen angeborenen Herzfehler

Einen nachhaltigen Schaden hat die Karriere und auch das Leben außerhalb des Platzes nach der Herz-OP nicht genommen. Und diese Botschaft wollte Lawrence auch an alle richten, die einen angeborenen Herzfehler haben. In Deutschland sind das rund 300.000 Erwachsene und über 200.000 Kinder. Genügend Ärzte, die darauf spezialisiert sind, fehlen. Deshalb freut sich der Fußballer, dass es Vereine wie den Jemah e. V. gibt. „Das Engagement ist toll. Ich selber habe auch mal mit viel Freude ein Ehrenamt ausgeübt“, verriet Lawrence, der während seiner Zeit bei Ajax in der Johan-Cruyff-Stiftung in Amsterdam mitgeholfen und dabei sogar einmal die niederländische Legende getroffen hatte. „Ich hatte nach einer Veranstaltung im Olympiastadion sauber gemacht“, erinnerte sich Lawrence, als er einen Ball und einen Rollstuhl erblickt hatte.

Der Innenverteidiger setzte sich rein, jonglierte im Sitzen mit dem runden Leder und zog so die Aufmerksamkeit von Cruyff auf sich. „Er kam zu mir rüber und lobte mich für das Jonglieren im Sitzen. Ich habe dann gesagt, dass ich das noch toppen kann. Also kippte ich den Rollstuhl nach hinten, und machte weiter. Er war beeindruckt. Ein surrealer Moment mit einem der größten Spieler aller Zeiten“, sagte Lawrence und lachte.

Anekdoten über die Nationalmannschaft

Auch über die Nationalmannschaft von Wales konnte der St.-Pauli-Profi lustige Anekdoten erzählen. So nannte er seinen Nationaltrainer Ryan Giggs bei seiner ersten Nominierung im Überschwang bei dessen Spitznamen. „Als Spieler nannten ihn alle Giggsy, und was mache ich? Nach einem Meeting sagte ich: Danke, Giggsy. Mann, war mir das peinlich“, sagte Lawrence, der trotz des Fauxpas weiter fürs Nationalteam no­miniert wurde. Ende März stehen die nächsten Länderspiele an. „Ich hoffe, dass ich die Spiele als Sprungbrett zur Euro 2020 nutzen kann. Aber erst einmal freue ich mich, wieder für St. Pauli spielen zu können“, sagte Lawrence.