FC St. Pauli

Luhukay bleibt cool: "Ihr macht es schlimmer, als es ist"

Jos Luhukay will noch nicht allzu viel von Abstiegskampf mit St. Pauli wissen.

Jos Luhukay will noch nicht allzu viel von Abstiegskampf mit St. Pauli wissen.

Foto: Imago/Sven Simon

Im Gegensatz zu seinem Kapitän will St. Paulis Coach nichts von einem Endspiel gegen Dresden wissen. Hält Luhukay das Team für fragil?

Hamburg. Die Fakten sind einfach nicht wegzudiskutieren. Der FC St. Pauli hat in seinen drei Spielen seit dem Ende der Winterpause nur einen von möglichen neun Punkten geholt und dabei gerade einmal – jeweils durch Henk Veerman – zwei Treffer erzielt, ist vom elften auf den 15. Platz zurückgefallen, dazu ist der Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz 17 von vier auf zwei Punkte geschrumpft. Selbst der Tabellenletzte Dynamo Dresden hat seit dem Wiederbeginn der Liga Ende Januar seinen Rückstand auf St. Pauli von acht auf fünf Punkte verkürzt.

Der Spielplan der Zweiten Liga will es, dass St. Pauli an diesem Freitagabend (18.30 Uhr auf Sky und Liveticker abendblatt.de) im Millerntor-Stadion auf Dresden trifft – ein Spiel, das für beide Teams eine große Chance, aber auch ein hohes Risiko in der jeweiligen Situation darstellt.

Trainer Luhukay: "Ihr macht es schlimmer, als es ist"

Wie geht St. Paulis Trainer Luhukay mit der Lage um, die seit der jüngsten 1:2-Niederlage am Montagabend bei Holstein Kiel noch ein Stück bedrohlicher geworden ist? Der Niederländer stürzt sich auf die Medien. „Ich muss schmunzeln, wie die Berichterstattung in den vergangenen Tagen ist. Ihr macht es schlimmer, als es ist“, sagte er am Donnerstag bei der turnusmäßigen Pressekonferenz zum Spiel.

Und weiter: „Ihr schaut auf die Tabellenposition. Darauf schauen wir auch, aber das interessiert mich nur ab dem 34. Spieltag“, sagte er weiter. Dann allerdings könnte es zu spät sein. Jüngstes Beispiel in dieser Hinsicht war 2018 Eintracht Braunschweig, die einen Spieltag vor Saisonende erstmals auf Relegationsplatz 16 fiel und nach dem letzten Spieltag direkt abgestiegen war. „Ich glaube nicht, dass es ein Endspiel ist“, sagte Luhukay in Bezug auf das Match gegen Schlusslicht Dresden. „Aber wir verschließen auch unsere Augen nicht.“

St. Pauli erhält vom Trainer Streicheleinheiten

Die Zeiten, in denen Jos Luhukay verbal über sein Team herfällt, wie etwa Ende Oktober schon während der Halbzeitpause des Auswärtsspiels in Heidenheim, als es noch 0:0 stand, scheinen – jedenfalls für den Moment – vorbei zu sein. In der aktuellen Situation hält der Trainer Streicheleinheiten und das betonte Herausstellen der positiven Momente für zielführender.

Das kann getrost als ein Hinweis darauf gewertet werden, für wie fragil er inzwischen das Gebilde seines Teams hält, das nach den beiden Heimsiegen vor der Winterpause und einer als gelungen bewerteten Wintervorbereitung reichlich Selbstvertrauen zu besitzen schien. Doch davon war weder beim 0:3 in Fürth noch zuletzt in der ersten Halbzeit in Kiel etwas zu sehen – und das trotz der dazwischen liegenden guten Leistung beim 1:1 gegen das Topteam des VfB Stuttgart.

Luhukay will vor Dynamo Dresden nichts vom Abstieg wissen

„Ich rede das nicht schön, aber realistisch hätten wir aus den drei Spielen vier Punkte mehr haben können“, sagte Luhukay am Donnerstag und ergänzte: „Wenn ich unsere zweite Halbzeit in Fürth, das ganze Spiel gegen Stuttgart und die zweite Halbzeit in Kiel sehe, habe ich keine Angst, sondern die totale Überzeugung, dass wir in den nächsten Monaten genügend Punkte sammeln werden, um über dem Strich zu bleiben.“

Bei diesem Vorhaben wäre ein Heimsieg gegen Dynamo und damit wieder ein Acht-Punkte-Polster auf den Tabellenletzten äußerst hilfreich. Möglich scheint dieser angestrebte Erfolg derzeit aber nur, wenn Henk Veerman seinen bislang sechs Saisontoren aus den acht Spielen, in denen er in der Startformation stand, weitere Treffer hinzufügt.

Die bisherige Torflaute bei den anderen Spielern in diesem Jahr unterstreicht, wie abhängig das Team von Veermans Toren ist. Daher ist spannend, ob sich der 2,01 Meter große Sturmriese von seinem vergebenen Strafstoß in der Nachspielzeit in Kiel verunsichern lässt.

Vertrauen ruht in Elfmeterschützen Henk Veerman

„Ich habe 20 bis 30 Minuten mit Henk zusammengesessen, aber nicht über den Elfmeter, sondern mehr über sein Spiel gesprochen. Ich finde seine Direktheit und Ehrlichkeit gut an ihm. Er war nach dem Spiel nicht zu trösten und sagte, es sei sein Fehler.

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Es ist eine Stärke seines Charakters, dass er nicht drum herumredet“, sagte Luhukay. „Ich habe ihm gesagt, dass er von mir aus den nächsten Elfmeter wieder nehmen kann. Ich mache ihm keinen Vorwurf. Er ist ein Typ, der das gut wegsteckt“, befand er weiter.

Kapitän Buballa schätzt Bedeutung des Spiels brisanter ein

Zudem legte sich der Trainer fest, dass der für das Spiel in Kiel noch wegen mangelnden Eifers aus dem 20er-Kader verbannte Dimitrios Diamantakos jetzt wieder im Aufgebot gegen Dresden stehen wird. „Es muss keine Aussprache geben. Die Antwort liegt immer auf dem Trainingsplatz. Ich habe täglich die Möglichkeit, mich anzubieten und Einsatzwillen zu zeigen. Dimi hat es in den vergangenen Tagen hervorragend gemacht“, sagte Luhukay.

Unterdessen schätzt Kapitän Daniel Buballa die Lage der eigenen Mannschaft und die Bedeutung des Spiels gegen Dresden offenbar brisanter ein als sein Trainer: „Jeder von uns weiß, wo wir gerade stehen und was für ein Spiel vor uns steht. Keiner muss erinnert werden, was wir auf dem Platz zu zeigen haben.“