FC St. Pauli

Daniel Buballa: "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand"

St. Paulis Kapitän Daniel Buballa sank beim 1:2 in Kiel auf die Knie.

St. Paulis Kapitän Daniel Buballa sank beim 1:2 in Kiel auf die Knie.

Foto: Witters

FC St. Pauli kassiert noch eine Niederlage. Der Kapitän spricht nun Klartext. Sitzt Trainer Luhukay noch fest im Sattel?

Hamburg. Das Wetter mit Sturm und starkem Regen passte am Tag nach der 1:2-Niederlage bei Holstein Kiel zur Gemütslage beim FC St. Pauli. Die Aufbruchstimmung und Zuversicht direkt nach der Winterpause ist längst der Erkenntnis gewichen, wieder einmal bis zum Ende der Saison um den Klassenverbleib zittern zu müssen. Ein Punkt aus den drei Spielen des Jahres 2020 sind eine beängstigende Ausbeute, der Sturz auf Tabellenplatz 15 ist die logische Folge.

„Wir müssen nicht brutal nervös werden und haben alles in der Hand. Aber vom Gefühl her stehen wir mit dem Rücken zur Wand – gerade bei dem Gegner am Freitag“, sagte Kapitän Daniel Buballa am Dienstag. Dieser Gegner wird der Tabellenletzte Dynamo Dresden sein – mit Trainer Markus Kauczinski auf der Bank, der im April beim FC St. Pauli – auf Platz sechs stehend – beurlaubt worden war.

Wäre diese Konstellation nicht schon brisant genug, folgt auf das Dresden-Spiel das Stadtderby gegen den nach der Winterpause auftrumpfenden HSV. Gehen beide Partien verloren, könnte sich St. Pauli sogar auf dem letzten Platz wiederfinden.

Am Freitag kommt Dresden mit Trainer Kauczinski

Das Spiel in Kiel hatte nahezu alle Defizite, die St. Pauli in dieser Saison immer wieder offenbarte, komprimiert offengelegt. Eine schwache Halbzeit ohne Zugriff und Ideen, ein vermeidbares Gegentor nach einer gegnerischen Ecke und die fehlende Effektivität bei eigenen Torchancen, diesmal sogar einem Elfmeter, waren in einer wieder knappen, aber verdienten Niederlage gemündet.

Schon am späten Montagabend hatte es in den Katakomben des Holstein-Stadions Gesprächsbedarf gegeben. St. Paulis Präsident Oke Göttlich unterhielt sich ausgiebig mit Sportchef Andreas Bornemann. Dieser ließ danach mitteilen, dass er diesmal nicht für ein öffentliches Statement zum Spiel zur Verfügung stehe – im Gegensatz zur sonstigen Gepflogenheit. Allein dieser Vorgang ließ Raum für Interpretationen.

Am Dienstagnachmittag beteuerte Bornemann auf Nachfrage aber, dass es trotz allem eine Routine-Angelegenheit gewesen sei. „Ein solches Gespräch führen Oke und ich praktisch nach jedem Spiel. Es ist gut, sich über die Eindrücke, die er von oben und wir von der Bank aus hatten, auszutauschen. Das Gespräch war nicht länger oder intensiver als sonst“, sagte Bornemann.

Bornemann: Ablösung von Trainer Luhukay "nicht zielführend"

Eine Ablösung von Trainer Jos Luhukay steht trotz dessen magerer Bilanz von 22 Punkten in 21 Spielen bei weiterhin keinem Auswärtssieg kurzfristig nicht zur Debatte. „Die Mannschaft geht konstruktiv mit­einander um, sie ist im Kern willig und aufnahmebereit und selbstkritisch genug, um damit umzugehen. Wir werden es in der Geschlossenheit schaffen, die Dinge umzubiegen. Es wäre in dieser Phase nicht zielführend, die Dinge jetzt auf links zu drehen“, sagte Bornemann.

Die bisherigen sportlichen Krisen, vor allem die Serie von acht sieglosen Spielen im Herbst 2019, hatte Luhukay dank der uneingeschränkten Rückendeckung von Bornemann und vor allem von Präsident Oke Göttlich überstanden. Ein Argument war dabei immer, dass die hohe Zahl von verletzten Spielern eine personelle Kontinuität und damit die Festigung von Automatismen nicht zuließ. Dieses Problem aber hat sich deutlich abgeschwächt. Luhukay fühlte sich angesichts des personellen Überangebots zuletzt gar dazu gezwungen, fünf Profis zur U-23-Mannschaft zu versetzen.

Denkzettel von Lukukay für Stürmer Diamantakos

Der große Kader mit einer doppelten, teils sogar dreifachen Besetzung für jede Position sorgt im Idealfall für hohe Konkurrenz und Trainingsqualität, die sich in den Spielen niederschlägt – so weit die Theorie. In der Praxis hat Luhukay in dieser Saison etliche etablierte Spieler durch Nichtberücksichtigung frustriert – etwa Christopher Buchtmann, Marvin Knoll, Jan-Philipp Kalla sowie zuletzt Philipp Ziereis und Dimitrios Diamantakos.

Als sich Luhukay jetzt nach dem 1:2 in Kiel erneut beklagte, dass er außer Henk Veerman kaum andere torgefährliche Spieler im Kader habe, kam das Thema unweigerlich auf Stürmer Diamantakos. Hatte der Grieche früh in der Saison sechs Treffer erzielt, so stand er jetzt nicht einmal im 20er-Aufgebot. „Warum ein Spieler nicht im Kader ist, ist zunächst einmal immer eine sportliche Entscheidung. Aber vielleicht spielen auch andere Gründe mit. Aber das lasse ich lieber intern, sonst müsste ich zu sehr in die Tiefe gehen“, hatte sich Luhukay etwas kryptisch geäußert.

Nun sorgte Bornemann für die nötige Aufklärung, dass es zwar kein grobes Vergehen, aber eben doch ein kritisch zu bewertendes Verhalten gegeben habe. „Es wird schwierig, wenn die Unzufriedenheit zu sehr zur Schau gestellt wird und sich das im Training fortsetzt“, sagte der Sportchef. „Jetzt steht die Uhr für ihn aber wieder auf null.“ Soll heißen: Für das brisante Spiel gegen Dresden darf er immerhin wieder auf einen Bankplatz hoffen.