FC St. Pauli - Holstein Kiel

FC St. Pauli hofft nach elf Monaten Flaute auf Erfolg

Bei St. Paulis 2:1 im Hinspiel am Millerntor lieferten sich nicht nur Kiel Aleksandar Ignjovski und Waldemar Sobota einen intensiven Zweikampf.

Bei St. Paulis 2:1 im Hinspiel am Millerntor lieferten sich nicht nur Kiel Aleksandar Ignjovski und Waldemar Sobota einen intensiven Zweikampf.

Foto: TayDucLam / WITTERS

Heimschwäche gegen Auswärtsfluch: Der FC St. Pauli spielt an diesem Montag bei Holstein Kiel und wünscht sich Auswärtssieg.

Hamburg. Es sind Bilanzen, die für beide Teams reichlich unerfreulich sind. Der FC St. Pauli wartet in der Zweiten Liga inzwischen seit gut elf Monaten auf einen Auswärtssieg, Holstein Kiel hat in dieser Saison erst zwei von bisher neun Heimspielen für sich entschieden.

Längst sind bei beiden Clubs diese eklatanten Schwächen ein großes Thema. Gleichzeitig aber scheint das direkte Aufeinandertreffen an diesem Montagabend (20.30 Uhr, Sky und im Liveticker auf abendblatt.de) ebenfalls für beide eine gute Gelegenheit zu sein, diese Negativentwicklung zu stoppen. Wer also wird in dem Nordderby die eigene Schwäche besser kaschieren und die des anderen besser für sich nutzen können?

St. Pauli effektiv wie selten

„Wir haben natürlich registriert, dass die Kieler vor allem auswärts sehr gut gepunktet haben“, sagte St. Paulis Trainer Jos Luhukay am Sonntag ein wenig ausweichend, als er auf Kiels mäßige Heimbilanz angesprochen wurde. Weiter sagte er: „Ich bin beeindruckt von der individuellen offensiven Qualität der Kieler und würde mir dies auch für uns wünschen. Auch die Außenstürmer und Mittelfeldspieler haben ja schon eine gewisse Torquote.“

Dabei denkt Luhukay auch an das Hinspiel Ende August zurück, das sein Team im Millerntor-Stadion mit 2:1 für sich entscheiden konnte. Dabei gab es auf beiden Seiten reichlich Torchancen. St. Pauli erwies sich, was ansonsten selten vorgekommen ist, als das effektivere Team. „Auch diesmal wird die Effektivität den Ausschlag darüber geben, wer am Ende gewinnt“, sagte Luhukay. Interessant ist allerdings, dass an diesem Montag voraussichtlich gerade einmal drei Spieler in seiner Startformation stehen werden, die auch Ende August von Beginn an dabei waren, namentlich Robin Himmelmann, Daniel Buballa und Ryo Miyaichi. Bei den Kielern werden es mutmaßlich immerhin sechs Profis sein.

Schon elf Monate Durststrecke

Auch Kiels Sportchef Uwe Stöver, der bis April 2019 dieses Amt bei St. Pauli ausübte, glaubt an eine enge Angelegenheit. „Das Spiel wird sicherlich sehr intensiv werden und wie so oft in unserer Liga durch Nuancen entschieden. Die höhere Effektivität und möglicherweise die Dezimierung eines Teams können den Ausschlag geben“, sagte er im Gespräch mit dem Abendblatt.

Ein erster Auswärtserfolg nach elf Monaten Durststrecke hätte für St. Pauli allerdings nicht nur eine statistische Bedeutung, sondern wäre auch für die aktuelle Tabellensituation immens wichtig. Nachdem am Wochenende Bochum, Nürnberg, Hannover und Darmstadt ihre Auswärtsspiele gewonnen haben, ist das Millerntor-Team vorerst auf den 15. Tabellenplatz zurückgefallen und wird bei einer Niederlage dort auch bleiben.

Gegen Stuttgart bestes Spiel der Saison

Dennoch widerspricht St. Paulis Mittelfeldakteur und Führungsspieler Johannes Flum der Einschätzung, sein Team befinde sich in einer bedrohlichen Situation. „Das ist das falsche Wort. Es ist alles eng beisammen und spannend. Wir müssen ganz bei uns bleiben und auf uns schauen“, sagt der 32-Jährige, der zuletzt beim 1:1 im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart in die Startelf gekommen war und mit einer ansprechenden Leistung und der Einleitung des Führungstreffers seine Chance nutzte.

An Kiel hat der Routinier gute Erinnerungen. In der vorvergangenen Saison erzielte Flum das 1:0-Siegtor. „Das tat schon gut. So viele Tore schieße ich ja nun auch nicht. Richy Neudecker hatte mir den Ball ideal aufgelegt“, erzählte er.

Unterdessen bezeichnete Trainer Luhukay den Auftritt seines Teams vor gut einer Woche gegen Stuttgart als „unser vielleicht bestes Spiel in dieser Saison“. Zudem nahm er ausdrücklich Außenverteidiger Matt Penney in Schutz, der vor allem für seinen Ballverlust vor dem 1:1-Ausgleich, aber auch für seine Gesamtleistung kritisiert worden war. „Ich hatte ein Problem damit, dass über einen Spieler, der erst 21 Jahre alt ist, so unangemessen geschrieben wurde. Es hätten noch vier Mitspieler das Gegentor verhindern können“, sagte Luhukay, der sich zudem gegen die Annahme wehrte, der von seinem Ex-Club Sheffield Wednesday ausgeliehene Penney sei sein Lieblingsspieler. „Davon habe ich seit 15, 20 Jahren nur einen, und der spielt in Barcelona. Wenn ich den abholen könnte, würde ich mit dem Fahrrad hinfahren“, sagte er und meinte, ohne es zu sagen, Lionel Messi.

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Trotz des Plädoyers für Penney ist anzunehmen, dass der wiedergenesene Luca Zander in die Startformation zurückkehren und den Engländer verdrängen wird. Erst kurzfristig fällt die Entscheidung, ob Leo Östigard, der im Training einen Schlag in die Wade bekommen hatte, spielen kann.

Bis Sonntagabend gab es noch keine Hinweise darauf, dass das Spiel in Kiel wegen des Sturmtiefs „Sabine“ abgesagt werden könnte. Die Anreise des St.-Pauli-Teams ist an diesem Montag für die Mittagszeit geplant. „Wir beziehen dann ein Tageshotel“, sagte Luhukay, nachdem er am Sonntag das Abschlusstraining wegen des Sturms auf den Vormittag vorverlegt hatte.

Holstein Kiel: Gelios – Neumann, Wahl, Thesker, van den Bergh – Meffert – Mühling, Özcan – Porath, Lee, Reese. FC St. Pauli: Himmelmann – Zander, Östigard (Ziereis), Buballa, Ohlsson – Flum, Benatelli – Miyaichi, Sobota, Gyökeres – Veerman. Schiedsrichter: Aarnink (Nordhorn).