FC St. Pauli

Nach dem 1:1: Luhukay widerspricht VfB-Coach Matarazzo

Das Unentschieden am Millerntor liefert eine Menge Gesprächstoff, einen aufgeregten Torhüter und einen "ganz zufriedenen" Debütanten.

Hamburg. Als Schiedsrichter Dr. Felix Brych abpfiff, wussten die 22 Spieler auf dem Rasen nicht so recht, wie sie mit dem Ergebnis umgehen sollten. So gerecht das 1:1 (0:0) zwischen dem FC St. Pauli und dem VfB Stuttgart auch war, so wenig half dieser jeweils eine Punkt beiden Teams, um ihren Saisonzielen näher zu kommen.

St. Pauli konnte sich nicht wirklich von der Abstiegszone der Zweiten Liga absetzen, und die Stuttgarter müssen damit rechnen, am Montagabend von dem dann beim VfL Bochum spielenden HSV wieder auf den dritten Tabellenplatz zurückgedrängt zu werden.

Luhukay widerspricht VfB-Coach Matarazzo

"Es war ein zähes Spiel, in dem spielerisch nicht so viel möglich war, sondern andere Tugenden wie Laufbereitschaft, Leidenschaft und Zweikampfhärte gefragt waren. St. Pauli hat das gut gemacht, wir haben ein ausgeglichenes Spiel gesehen. Der Punkt geht für uns in Ordnung, auch wenn es viel Luft nach oben gibt“, bewertete rund eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo das Unentschieden.

St. Paulis Trainer Jos Luhukay wollte dieser Einschätzung nicht zustimmen. "Ich sehe das ein bisschen anders. Aus meiner Sicht hätten wir das Spiel gewinnen müssen“, sagte der ehrgeizige Niederländer und zählte einige Situationen auf, aus denen sein sich Team mehr als den einen Treffer durch Henk Veerman (56. Minute) hätten herausspielen können.

Es mangelte allerdings wieder einmal an der letzten Effektivität im Abschluss. "Der letzte Pass oder die letzte Flanke sind zu oft nicht richtig gekommen“, bemängelte Luhukay.

St. Pauli zeigt diesmal Willen und Kampfgeist

Insgesamt hatten die 29.456 Zuschauer im wieder einmal ausverkauften Millerntor-Stadion eine intensive Partie gesehen, in der der Bundesligaabsteiger auf 61 Prozent Ballbesitz kam, allerdings über weite Strecken seine spielerischen Vorteile nicht nutzen konnte.

Das Team des FC St. Pauli setzte dem, anders als bei der blutleeren Vorstellung beim 0:3 in Fürth am vergangenen Dienstag, viel Einsatzwillen und Kampfgeist entgegen. Immer wieder wurden die Stuttgarter so gestört, dass sie sich gezwungen sahen, ihre Angriffe abzubrechen und nach hinten zu spielen.

So war es nicht überraschend, dass der VfB nicht etwa aus einer längeren Ballbesitzphase heraus, sondern durch einen Konter zum Ausgleich kam. Ex-Nationalspieler Mario Gomez hatte sich freigelaufen und wurde vom eingewechselten Silas Wamangituka perfekt bedient, so dass er keine Mühe hatte, flach zum 1:1 (82.) einzuschießen.

Benatelli erfährt früh von seinem Debüt

Nach dem enttäuschenden 0:3 in Fürth hatte Trainer Jos Luhukay wie erwartet einige Änderungen in seiner Startelf vorgenommen. Im zentralen Mittelfeld rückten Routinier Johannes Flum und Rico Benatelli anstelle der schwachen Finn Ole Becker und Christopher Buchtmann in die Anfangsformation.

Für Benatelli, der in der Hinrunde praktisch überhaupt keine Rolle gespielt, aber sich nie aufgegeben hatte, war es der erste Startelfeinsatz für den FC St. Pauli in einem Pflichtspiel. "Ich habe ihm schon am Donnerstag gesagt, dass er spielen wird“, verriet Luhukay nach dem Spiel.

Lob für "ganz zufriedenen" Benatelli

"Er ist so ballsicher und hat eine so gute Übersicht. Er war für mich heute einer der Besten“, sagte der Trainer. "Er hat in der langen Zeit nie aufgegeben und sich den Startelfeinsatz verdient“, lobte er weiter den Mittelfeldspieler, der vor knapp einem Jahr noch von Ex-Sportchef Uwe Stöver und Ex-Trainer Markus Kauczinski für die derzeitige Saison verpflichtet worden war.

"Nach so einer langen Zeit hat es sehr gut getan, hier als Startelfspieler für St. Pauli ins Stadion einzulaufen“, sagte Benatelli. "Ich bin ganz zufrieden, es ist nur schade, dass wir unsere Vorstellung nicht mit einem Sieg krönen konnten“, sagte er weiter und darf jetzt mit weiteren Einsätzen rechnen darf.

Henk Veerman macht's wie Gerd Müller

Ein fast schon genialer Moment, der seinen Anfang mit der Balleroberung von Johannes Flum nahm, hatte zur 1:0-Führung für St. Pauli geführt. Flum spielte auf den rechten Flügel zum schnellen Ryo Miyaichi, der mit einem schnellen Antritt seinen Gegenspieler düpierte, ehe er den Ball flach und gezielt zu Mittelstürmer Henk Veerman zurückspielte.

Der 2,01-Meter-Riese drehte sich im Stile von Gerd Müller und schoss den Ball von der Strafraumgrenze flach und hart mit dem linken Fuß ins Stuttgarter Tor. Es war bereits der fünfte Saisontreffer des Niederländers, der seit seinem Comeback im Herbst erst zum siebten Mal in der Startelf stand.

Himmelmann muss sich aufregen

"Vor dem Spiel hätten wir gesagt, dass ein Punkt gegen eine solche Mannschaft wie Stuttgart gut ist. Nach dem Spiel ärgern wir uns tendenziell eher, dass wir nicht gewonnen haben. Vor allem, wenn man sieht, wie das Gegentor zustande gekommen ist. Der Ballverlust war tödlich“, sagte St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann und meinte damit die Szene, in der Matt Penney unnötig den Ball verlor.

"Es ist ärgerlich, dass wir zehn Minuten vor Schluss bei eigener Führung ein Gegentor durch einen Konter bekommen“, sagte Waldemar Sobota. "Insgesamt wollten wir eine bessere Leistung als am Dienstag zeigen, ich glaube, dass uns das gelungen ist.“

Auch Torwart Robin Himmelmann haderte mit dem Zustandekommen des Gegentores: "Das war naiv von uns. In der Phase sollte man kein Kontertor bekommen. Deshalb habe ich mich so aufgeregt.“

Luhukay gibt Profis zwei Tage frei

Entscheidend für St. Pauli wird jetzt sein, auch gegen nominell schwächere Teams ebenso so engagiert zu Werke zu gehen wie gegen die drei Topteams der Liga.

Weder der HSV (0:2) noch Arminia Bielefeld (0:3) und jetzt Stuttgart haben in dieser Saison am Millerntor gewinnen können. Die nächste Aufgabe wartet jetzt am 10. Februar (20.30 Uhr) im Nordderby bei Holstein Kiel. "Da wollen wir unseren Auswärtsfluch besiegen“, sagte Luhukay schon und gab seinen Spielern für Sonntag und Montag frei.