St. Pauli

Jos Luhukay: Wir sind nicht attraktiv genug für Neuzugänge

Trainer Jos Luhukay: Keine Verstärkung für den FC St. Pauli vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart.

Trainer Jos Luhukay: Keine Verstärkung für den FC St. Pauli vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart.

Foto: Witters

Der FC St. Pauli bekommt auch am letzten Tag der Transferperiode keine Verstärkung. Ungewöhnliches Lob für Gegner Stuttgart.

Hamburg. Am Freitag tauchten auf den einschlägigen Fußballseiten im Internet fast minütlich neue Transfergerüchte auf. Wer wechselt fest wohin? Wer leiht wen aus? Der Deadline-Day hielt Fußballdeutschland in Atem.

Beim FC St. Pauli hingegen war es in Sachen Zu- und Abgänge sterbenslangweilig. „Ich glaube nicht mehr, dass etwas passiert“, sagte Trainer Jos Luhukay um kurz nach 13 Uhr und ergänzte seine knappe Aussage damit, dass er auch nicht glaube, dass noch jemand den Club verlassen werde. Und diese Aussage hatte auch noch um 18 Uhr Bestand, als das Wintertransferfenster offiziell geschlossen wurde.

Transfers: Alles kann, nichts muss

In den vergangenen Tagen versuchte der 56-Jährige in Sachen Transfers Ruhe auszustrahlen. Frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss. Und doch machte der Niederländer am Tag vor dem Topspiel an diesem Sonnabend (13 Uhr, Millerntor-Stadion, Sky live) gegen den VfB Stuttgart keinen Hehl daraus, dass er bis zuletzt gehofft hatte, dass ihm Sportdirektor Andreas Bornemann noch eine Alternative für die Offensive beschafft.

„Ich muss nicht lügen“, sagte Luhukay: „Natürlich hätte ich gerne noch einen starken Offensivspieler gehabt, aber es muss halt machbar und möglich sein.“

Verstärkung für die offensive Außenbahn gesucht

In den vergangenen Wochen sondierten die Verantwortlichen den internationalen Markt, um eine Verstärkung für die offensiven Außenbahnen ausfindig zu machen. Ohne Erfolg. Dabei spielte offenbar auch eine Rolle, dass sich St. Pauli im unteren Tabellenmittelfeld befindet. „Auf der Position, auf der wir stehen, ist es verdammt schwer, einen Spieler mit erhöhter Qualität zu bekommen“, gestand der Trainer offen ein und legte nach: „Wenn du auf Tabellenplatz drei oder vier stehst und Chancen hast, um die Aufstiegsplätze zu spielen, dann ist ein Spieler eher interessiert zu kommen. Aber wenn man da steht, wo wir stehen, bekommt man keine Topverstärkung. Damit muss man leben.“

Heißt im Klartext: Der FC St. Pauli ist bei den Spielern längst keine Top­adresse mehr. Ernüchternde, aber ehrliche Worte eines Trainers, der nun mit vorhandenen Bordmitteln dafür sorgen muss, dass sein Team sich schnell von der Abstiegszone entfernt.

VfB Stuttgart: Eine Erstliga-Mannschaft, die einen Betriebsunfall hatte

Und diese Mission beginnt gegen einen Gegner, bei dem Luhukay am Freitagmittag regelrecht ins Schwärmen geriet. „Mann, was haben die für eine Offensivabteilung. Alle Spieler, die bei Stuttgart auf der Bank sitzen, wären bei uns Startelf-Spieler. Das ist eine Erstliga-Mannschaft, die einen Betriebsunfall hatte“, lobte der ehemalige VfB-Coach (2016 trat er nach nur vier Zweitligaspielen zurück) die Schwaben.

Damit St. Pauli verhindert, einen Betriebsunfall in Richtung Dritte Liga zu erleiden, muss der Kiezclub dringend ein anderes Gesicht zeigen als beim verdienten, aber am Ende etwas zu hoch ausgefallenen 0:3 bei Greuther Fürth am Dienstag. „Das war von uns nicht gut“, gab Luhukay ohne Umschweife zu.

Eine uninspirierte und fahrige Leistung wie vor vier Tagen kann gegen den Aufstiegsfavoriten aus Stuttgart bitter enden. „Wenn der eine oder andere Spieler seine Normalform nicht erreicht, wird es nicht gut aussehen für uns. Stuttgart wird uns alles abverlangen“, sagte der erfahrene Coach.

Härtefälle im Kader

Personell kann St. Pauli dabei nahezu aus dem Vollen schöpfen. Lediglich hinter dem Einsatz von Rechtsverteidiger Luca Zander, der angeschlagen in Fürth ausgewechselt wurde, steht noch ein Fragezeichen.

Somit wird es auch am Sonnabend gegen Stuttgart wieder personelle Härtefälle bei der Kadernominierung geben. So wie in Fürth, als Abwehrspieler Philipp Ziereis nicht wie zunächst angenommen wegen einer Erkältung, sondern aus sportlichen Gründen nicht im 20 Spieler umfassenden Aufgebot stand. „Ich brauche da keine Erklärung abzugeben, ob ein Spieler spielt, nicht spielt oder auf der Tribüne sitzt. Wenn ich das erkläre, wird das in den Medien hochgepusht. Das macht ihr schon ganz alleine“, stellte der St.-Pauli-Trainer klar.