FC St. Pauli

„Verlässlichste Spieler haben keine Form hinbekommen“

„Müssen gucken, dass wir eine größere Gruppe mit guter Form auf den Platz bringen“: Sportchef Andreas Bornemann.

„Müssen gucken, dass wir eine größere Gruppe mit guter Form auf den Platz bringen“: Sportchef Andreas Bornemann.

Foto: Timm Schamberger / dpa

Nach dem schlechten Auftritt gegen Greuther Fürth übt St.-Pauli-Sportchef Bornemann deutlich Kritik an der Mannschaft.

Fürth/Hamburg. Die Gesichter sprachen Bände, als die Profis des FC St. Pauli am Mittwochmorgen um kurz vor elf Uhr am Gate A19 des Nürnberger Albrecht-Dürer-Flughafens ankamen. Mit kleinen Augen und ernsten Mienen wartete die Mannschaft, dass es mit dem Airbus A320, der in schwarz-gelber Optik samt Borussia-Dortmund-Logo gebrandet war, zurück nach Hamburg ging. Besser wurde die Laune nach der Rückkehr in die Heimat auch nicht. Im strömenden Regen liefen die Stammspieler um die Plätze an der Kollaustraße, während die Reservisten das obligatorische Spiel-Ersatztraining absolvierten.

Das überraschend deutliche 0:3 (0:1) bei der Spielvereinigung Greuther Fürth hing allen Beteiligten noch in den Knochen. Es war vor allem die Art und Weise, wie sich St. Pauli im Frankenland präsentierte, die Rätsel aufgab. Nach zwei überzeugenden Spielen zum Jahresende 2019 gegen Aufsteiger Wehen Wiesbaden (3:1) und Tabellenführer Arminia Bielefeld (3:0) sowie einer sportlich guten Vorbereitung, war nichts von der Spielfreude, Dominanz und Ausstrahlung auf dem Platz zu sehen, die St. Pauli zum Ende der Hinrunde ausgezeichnet hatte.

Spielerische Unzulänglichkeiten

„Das passt eigentlich überhaupt nicht zusammen“, gab Mittelfeldspieler Waldemar Sobota offen zu. „Wenn man 0:3 verliert, muss man sagen, dass einige Dinge nicht funktioniert haben. Vor allem im Mittelfeld haben es die Fürther besser gemacht als wir. Aber ich hoffe und glaube, dass es nur ein Ausrutscher war“, ergänzte der 32 Jahre alte Pole.

Die taktischen und spielerischen Unzulänglichkeiten waren für Sportdirektor Andreas Bornemann nur ein Mosaiksteinchen im Gesamtbild des Fehlstarts ins Kalenderjahr 2020. „Unsere verlässlichsten Spieler vor der Pause und in der Vorbereitung haben gar keine Form hinbekommen. Wenn du in der Zweiten Liga mit drei, vier oder fünf Spielern, die weit von ihrer Normalform entfernt sind, unterwegs bist, dann tust du dich extrem schwer, in dieser Liga zu etwas zu kommen“, sagte der 48-Jährige und gab Einblick in sein Innenleben: „Das beschäftigt mich gerade viel mehr.“

Probleme im zentralen Mittelfeld

In der Tat überzeugte außer dem schwedischen Außenverteidiger Sebastian Ohlsson kein Spieler bei St. Pauli. Vor allem das zentrale Mittelfeld um Sobota, Christopher Buchtmann, der alle seine neun Zweikämpfe verlor, und Finn Ole Becker hatte massive Probleme, für Struktur in der Defensive und Impulse im Spiel nach vorne zu sorgen. Auch die Statistik sprach eine eindeutige Sprache. Fürth lief mit 118,92 Kilometern fast sechs mehr als St. Pauli (112,84) und gewann mit 55 Prozent auch mehr direkte Duelle. „Ich glaube weiter an die Qualität unserer Mannschaft und bin überzeugt, dass wir es wieder besser machen werden“, sagte Sobota.

Und das ist auch nötig. Nach der vierten Auswärtsniederlage in Folge und vor dem Topspiel am Sonnabend (13 Uhr) gegen Aufstiegskandidat VfB Stuttgart, ist der Abstand auf den direkten Abstiegsplatz 17 auf zwei Punkte geschmolzen. „Wir müssen gucken, dass wir in den nächsten Spielen eine größere Gruppe mit guter Form auf den Platz bringen, die frischer wirkt als gegen Fürth“, sagte Bornemann in aller Deutlichkeit.

Knieprobleme bei Youba Diarra

Dabei nicht mehr helfen wird Youba Diarra. Das bis Sommer angedachte Leihgeschäft des 21-Jährigen, der beim österreichischen Tabellenführer Red Bull Salzburg noch bis 2024 unter Vertrag steht, wurde vorzeitig beendet. Der Profi aus Mali, der im Sommer 2019 mit Fitnessrückstand kam, plagte sich immer wieder mit kleineren und größeren Blessuren herum. Zuletzt setzten den 21-Jährigen anhaltende Knieprobleme außer Gefecht. Insgesamt kam Diarra auf lediglich drei Einsätze.

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„Youba war als Verstärkung im Mittelfeld zu uns gekommen. Leider war aufgrund seiner Verletzung mittlerweile abzusehen, dass der Genesungsprozess weiter anhält. Daher ist eine Beendigung der Leihe im Einvernehmen des Spielers und der beiden Vereine die beste Lösung“, sagte Bornemann, der offenlässt, ob St. Pauli bis zum Ende der Transferperiode am Freitagabend noch einmal auf dem Markt aktiv wird.