Fußball

Niederlage in Fürth: Auswärtsfluch des FC St. Pauli hält an

Branimir Hrgota, hier im Ringkampf mit St. Paulis Sebastian Ohlsson (r.), erzielte in der 43. Minute das 1:0 für Fürth.

Branimir Hrgota, hier im Ringkampf mit St. Paulis Sebastian Ohlsson (r.), erzielte in der 43. Minute das 1:0 für Fürth.

Foto: LennartPreiss / WITTERS

Im ersten Pflichtspiel des Jahres kassieren die Hamburger eine verdiente 0:3-Niederlage in Fürth und stecken mitten im Abstiegskampf.

Fürth. Es war ein gewohntes Gefühl, mit dem Jos Luhukay äußerlich regungslos am späten Dienstagabend den Rasen des Ronhof-Stadions verließ. Das 0:3 (0:1) bei der Spielvereinigung Greuther Fürth setzte den Auswärtsfluch des 56 Jahre alten Niederländers fort. Keines seiner mittlerweile 14 Spiele in der Fremde konnte der Trainer des FC St. Pauli saisonübergreifend gewinnen. Der Kiezclub, der seine fünfte Auswärtsniederlage kassierte (bei vier Remis und keinem Sieg), konnte nicht an die starken Auftritte im Millerntorstadion gegen Wehen Wiesbaden und Arminia Bielefeld vor dem Jahreswechsel anknüpfen und hängt somit weiter im unteren Tabellenmittelfeld fest. Der Abstand zum Relegationsplatz beträgt nur noch einen Zähler.

An den letzten Auswärtssieg können sich bei St. Pauli nur noch die Älteren erinnern. Zuletzt konnten die Kiezkicker am 2. März 2019 in der Fremde gewinnen. Der Trainer beim 1:0 beim aktuellen Bundesligaclub SC Paderborn hieß damals Markus Kauczinski, aktuell in Diensten von Dynamo Dresden – und der Torschütze Alexander Meier. „Wir haben viele gute Auswärtsspiele gemacht, uns aber nicht belohnt. Ich hoffe, dass das in der Rückrunde besser wird. Wenn uns das gelingt, können wir uns noch besser positionieren“, hatte Luhukay vor der Partie gesagt.

Philipp Ziereis fiel wegen einer Erkrankung aus

Ohne einen Winterneuzugang ging St. Pauli dieses Vorhaben in Fürth, wo am 11. Dezember 2016 der letzte Sieg gelang, an. An Spielerpersonal mangelte es Luhukay aber auch ohne neue Profis nicht. Neben Abwehrtalent Mert Kuyucu fehlte Philipp Ziereis im Frankenland. Der Abwehrspieler reiste zwar mit nach Fürth, musste aber kurzfristig wegen einer Erkältung passen. Unmittelbar vor dem Spiel gab der Club indes bekannt, dass Defensivtalent Niklas Hoffmann (22) mit sofortiger Wirkung zum Drittligaclub Würzburger Kickers wechselt. In der Startelf setzte Luhukay exakt auf die Profis, die kurz vor dem Jahreswechsel Tabellenführer Arminia Bielefeld 3:0 schlagen konnten.

Vor lediglich 9220 Zuschauern im Ronhof-Stadion konnten die Hamburger von Beginn an nicht an die starken Leistungen im Dezember anknüpfen. Nach einem kapitalen Fehler von Rechtsverteidiger Luca Zander lief Branimir Hrgota allein auf das Hamburger Tor zu, scheiterte aber am Außennetz. Ein Hallo-Wach-Signal für St. Pauli. In der Folge wurden die Gäste etwas dominanter.

Ein fahriger und uninspirierter Auftritt der Hamburger

Nach schöner Kombination mit Stürmer Henk Veerman stand Linksverteidiger Sebastian Ohlsson in Minute elf frei vor Fürths Keeper Sascha Burchert, der stark parieren konnte. Nur sieben Minuten später jubelten die knapp 2000 mitgereisten Hamburger Fans, doch vor dem vermeintlichen 1:0 sprang Veerman der Ball an die Hand. Schiedsrichter Christof Günsch gab den Treffer nach Rücksprache mit dem Videoassistenten nicht.

In der Folge verflachte die Partie zunehmend. Außer einem zu Recht aberkannten Tor von Viktor Gyökeres (34.), der zu rabiat gegen Torwart Burchert zu Werke ging, passierte lange nichts, bis sich Fürths Toptorjäger Hrgota aus 25 Metern ein Herz fasste, platziert zum 1:0 einschoss und St. Pauli so für seine Schläfrigkeit bestrafte (43.). Mittelfeldspieler Finn Ole Becker ließ dem Torschützen in der Entstehung zu viel Platz. Kein Einzelfall. Sowohl der 19-Jährige als auch seine Nebenleute Christopher Buchtmann und Waldemar Sobota hatten große Probleme, die Löcher im Mittelfeldzentrum zu schließen.

Nach dem Seitenwechsel setzte sich der fahrige und uninspirierte Auftritt der Hamburger zunächst fort. Fürths auffällig spielendes Eigengewächs Jamie Leweling hatte in der 53. Minute die große Chance zum 2:0, fand aus kurzer Distanz seinen Meister aber in St.-Pauli-Keeper Himmelmann.

Die Einwechslungen Luhukays verpufften wirkungslos

Die Sorgenfalten wurden bei Trainer Luhukay immer tiefer, und so versuchte er mit der Einwechslung von Rico Benatelli und Boris Tashchy einen neuen Reiz bei seinem Team zu setzen. Für mehr Struktur und Zielstrebigkeit im Offensivspiel sorgte dies aber auch nicht. Mehr als eine Zufallschance von Gyökeres (66.) sowie eine Chance von Tashchy (75.) sprangen für die harmlosen Gäste nicht heraus. Auch in der Schlussphase wirkten die giftig spielenden Fürther dem 2:0 näher als St. Pauli dem Ausgleichstreffer. Lediglich Veerman (80.) brachte die Gästedefensive noch einmal kurz in Bedrängnis.

Und so kam es, wie es nach diesem biederen Auftritt kommen musste. Einen Konter in der 86. Minute über Sebastian Ernst schloss der überragende Jamie Leweling, der Abwehrchef Leo Östigard und Torwart Himmelmann nicht gut aussehen ließ, zum 2:0 ab. Und es kam noch schlimmer. In der Nachspielzeit traf Daniel Keita-Ruel noch zum 3:0 und verschärfte die Auswärtskrise des FC St. Pauli, der nun viermal in Folge in der Fremde ohne Punkte blieb.

Der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Alex Meier beendet mit 37 Jahren seine erfolgreiche Karriere als Fußballprofi. „Das war’s, ich höre auf!“, sagte der Stürmer der „Bild“ und der „Sport Bild“ – nach 19 Jahren, 458 Pflichtspielen und 152 Toren für vier Vereine, darunter der FC St. Pauli und der HSV.