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FC St. Pauli: 180-Grad-Wende im Fall Christian Conteh

Trainer Jos Luhukay (r.) kann weiter auf Christian Conteh setzen.

Trainer Jos Luhukay (r.) kann weiter auf Christian Conteh setzen.

Foto: Christian Charisius / dpa

Der junge Außenstürmer will jetzt doch beim Kiezclub bleiben. Warum er sich von Berater Oheneba Brenya trennen möchte.

Valencia. Das war mal eine schnelle Wende um 180 Grad. Christian Conteh bekennt sich zum FC St. Pauli, erklärt ausdrücklich, dass er keinen Vereinswechsel anstrebt und kündigt an, sich einen neuen Berater suchen zu wollen. Hatte am Montag sein bisheriger Berater Oheneba Brenya noch einmal bekräftigt, dass der talentierte, derzeit aber verletzte Außenstürmer den Verein spätestens im Sommer verlassen werde und dann auch ablösefrei sei, weil der aktuelle Vertrag ungültig sei, so sagte am Dienstag Conteh selbst über die Medien des FC St. Pauli inhaltlich das genaue Gegenteil.

„In den vergangenen Tagen wurde viel über mich geschrieben. Dazu möchte ich sagen, dass ich nochmals mit den Verantwortlichen gesprochen und klar signalisiert habe: Ich möchte und werde den Verein nicht verlassen. Ich fühle mich wohl hier und ich spüre das Vertrauen des Trainers und des Vereins – was mir sehr wichtig ist“, lässt sich der 20 Jahre alte Christian Conteh, der bisher in sieben Zweitligaspielen zwei Treffer erzielt hat, zitieren.

Conteh trennt sich von Berater Brenya

Gleichzeitig verkündet er de facto die Trennung von seinem bisherigen Berater. Konkret sagt Conteh dazu: „Zudem habe ich mich nicht wirklich gut beraten gefühlt. Deshalb werde ich mich voraussichtlich dahingehend auch anders aufstellen.“ Es ist im Profigeschäft höchst ungewöhnlich, dass sich ein Sportler in derartiger Weise über seinen eigenen Berater äußert. Brenya selbst wollte sich am Dienstag auf Nachfrage des Abendblatts zur neuen Entwicklung nicht äußern.

„Mein voller Fokus liegt jetzt darauf, so schnell wie möglich wieder fit zu werden, um auf dem Platz stehen zu können. Ich möchte Fußball spielen, das ist das Wichtigste für mich“, sagte Conteh weiter. Derzeit befindet er sich nach einem Sehnenanriss im Oberschenkel noch im Rehatraining.

„Wir sind froh, dass die Spekulationen um Christian ein Ende haben. Die letzten Tage waren sicherlich keine leichte Zeit für ihn. Er ist ein junger Spieler, der seine Erfahrung sammeln musste“, sagte St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann zu der in dieser Kürze unerwarteten und für den Verein positiven Wende. Auch der von Berater Brenya forcierte Streit über die Gültigkeit des im Sommer abgeschlossenen Lizenzspieler-Vertrages ist jetzt hinfällig. Vielmehr dürfte – sobald Conteh einen neuen Berater gefunden hat – die Chance wachsen, dass er für weitere Verhandlungen über einen Vertrag, der über Juni 2021 hinaus geht, gesprächsbereit ist.

Mitspieler glücklich über Kehrtwende

Eine nicht unerhebliche Rolle bei Contehs Umdenken dürfte auch gespielt haben, wie seine Mitspieler die vom Berater offensiv verkündete Wechselabsicht bewerteten. Am Montag hatte etwa Marvin Knoll gesagt: „Für junge Spieler ist es wichtig, einfach mal bescheiden zu bleiben. Ich würde ihm empfehlen, bei einem Verein, der auf ihn baut, zu bleiben und eine gewisse Konstanz in seiner Persönlichkeit zu bekommen.

Innenverteidiger Philipp Ziereis begrüßte Contehs Kehrtwende am Dienstag. „Es ist gut, dass Christian die Sache jetzt gelöst hat. Er musste seinen rasanten Aufstieg erst einmal verarbeiten, das ist nicht einfach. Da macht man auch mal einen Fehler“, sagte der 26-Jährige. „Es ist viel auf ihn eingeprasselt, alle möglichen Leute haben ihm irgendwelche Sachen versprochen. Ich glaube, er konnte damit nicht umgehen. Vielleicht war er von den falschen Leuten umgeben. Keiner von uns wird ihm böse sein, wenn er zurückkommt.“

Am Dienstag traten während der ersten Trainingseinheit auf dem Platz am Teamhotel Parador de El Saler dieselben Schäden auf wie am Vortage. Deshalb weicht die Mannschaft heute auf den Trainingsplatz des spanischen Erstligisten UD Levante im Norden von Valencia aus.