Zweite Bundesliga

St. Paulis Hausaufgaben bis zum Spiel in Fürth

Trainer Jos Luhukay (l.) und Sportchef Andreas Bornemann.

Trainer Jos Luhukay (l.) und Sportchef Andreas Bornemann.

Foto: Witters

Zum Trainingsauftakt kündigt Sportchef Bornemann Gespräche mit Reservisten an. Er betont aber auch: „Niemand wird aussortiert“.

Hamburg.  Genau zwei Wochen nach dem geradezu berauschenden 3:0-Sieg gegen Tabellenführer Arminia Bielefeld beginnt für die Fußball-Profis des FC St. Pauli an diesem Sonnabend wieder die körperliche Arbeit. Für 11 Uhr hat Cheftrainer Jos Luhukay den Trainingsauftakt des Jahres 2020 angesetzt. Damit gehört der FC St. Pauli unter den Zweitligateams zu den Frühstartern. Lediglich der FC Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden begannen bereits am Freitag wieder mit dem Training. Beim SV Sandhausen endet der Urlaub für die Spieler dagegen erst am Mittwoch.

Inklusive dieses Sonnabends hat das Trainerteam 24 Tage Zeit, um die Mannschaft gezielt auf das erste Punktspiel des neuen Jahres vorzubereiten. Am 28. Januar (20.30 Uhr) wird es dann im Auswärtsmatch bei der SpVgg. Greuther Fürth zur ersten Nagelprobe kommen, wie gut die Vorbereitung tatsächlich war. In wenig guter Erinnerung sind dabei noch die Erfahrungen vor Jahresfrist, als St. Pauli auch mit zwei Siegen in Folge in die Winterpause ging und dann das erste Spiel nach dem Jahreswechsel völlig unnötig 1:2 bei Darmstadt 98 verlor. Es war der Auftakt eines Abwärtstrends des Teams, das dabei seine Aufstiegschance leichtfertig verspielte.

Existenzielles steht auf dem Spiel

Diesmal steht für den Tabellenelften Existenzielles auf dem Spiel. Es muss dringend vermieden werden, wieder in die untere Tabellenregion abzurutschen, aus der sich das Team mit den beiden jüngsten Erfolgen gegen Wiesbaden und Bielefeld gerade hatte befreien können. Vor allem geht es darum zu zeigen, dass eine in praktisch jeder Hinsicht überzeugende Leistung wie beim 3:0 über den Herbstmeister nicht nur alle paar Monate gegen einen übermächtig erscheinenden Gegner möglich ist.

So stehen über den vielfältigen Hausaufgaben, die Trainer und Spieler bis zum Wiederbeginn des Ligabetriebs zu erledigen haben, die Begriffe „Kon­stanz“ und „Stabilität“ als gemeinsames Motto. Dies betrifft nach den vielen Rückschlägen der ersten Saisonhälfte ganz besonders die Gesundheit der Spieler. Trainerteam, Ärzte und Physiotherapeuten müssen Lösungen finden, die vermeidbaren Verletzungen, also die, die nicht durch Körperkontakt bei Zweikämpfen im Spiel oder Training entstehen, deutlich zu reduzieren.

Das Ziel lautet Konstanz

Gelingt dies, erhöht sich zwangsläufig die Chance, zu einer deutlich geringeren Fluktuation in der Startelfbesetzung zu kommen. Schon vor Wochen hatte Trainer Luhukay betont, dass auch er am liebsten in jedem Spiel einen festen Stamm von sieben bis acht Spielern aufbieten und so zu einer deutlich eingespielteren Einheit kommen würde. Musterbeispiel dafür ist Tabellenführer Bielefeld, bei dem elf Spieler mindestens 15 der 18 Spiele absolvieren konnten. Bei St. Pauli traf dies nur auf fünf Profis zu. „Unser Ziel lautet Konstanz und Stabilität in allen Bereichen“, sagte Sportchef Andreas Bornemann am Freitag.

Personelle Konstanz und daraus resultierende Eingespieltheit dürften auch die Grundlage dafür sein, gegnerische Standardsituationen besser als in der Hinserie zu verteidigen. Durch Nachlässigkeiten aufgrund mangelnder Abstimmung waren hier etliche Punkte verloren gegangen. Zu arbeiten ist zudem an der Ausdauer. Lediglich zwei Tore, beide in der Schlussphase beim 3:1 gegen Wiesbaden im Dezember, konnte das Team vom Millerntor nach der 66. Minute erzielen. Gleichzeitig gingen in den letzten rund 30 Minuten (inklusive Nachspielzeit) nicht weniger als acht Punkte verloren.

Avevor fällt noch für eine längere Zeit aus

Schon vor geraumer Zeit hatte Sportchef Bornemann eine Kadergröße von 18 gestandenen Feldspielern sowie jeweils drei Nachwuchstalenten und drei Torhütern für die Trainingsarbeit als ideal bezeichnet – dies allerdings unter der Voraussetzung, dass es nur wenige Ausfälle gibt. Bei derzeit mehr als 35 Akteuren, die – teilweise auch ohne Profivertrag – zum Kreis der ersten Mannschaft zu zählen sind, besteht also Handlungsbedarf, zumal von den aktuell verletzten Spielern voraussichtlich nur Innenverteidiger und Kapitän Christopher Avevor (Wadenbeinbruch) noch für eine längere Zeit ausfallen wird.

Neben einem Wechsel zu einem anderen Club – auf Leihbasis oder fest – kommt bei einigen Akteuren auch in Betracht, sie in der U-23-Mannschaft nicht nur zu spielen, sondern auch trainieren zu lassen. „Wir werden jetzt bis zum Beginn des Trainingslagers mit einigen Spielern über ihre Perspektiven sprechen und darüber, was für alle Beteiligten am sinnvollsten ist“, sagte Bornemann am Freitag. Zum Trainingsauftakt an diesem Sonnabend aber werden alle gesunden Spieler auf der Anlage an der Kollaustraße erwartet. „Niemand wird aussortiert“, betonte der Sportchef. .