Zweite Liga

FC St. Pauli gegen Bielefeld ist das Duell der Sturmriesen

Fabian Klos (l.) erzielte in dieser Saison in 16 Spielen 13 Treffer. Henk Veerman bestritt seit seinem Comeback sechs Spiele und erzielte zwei Tore.

Fabian Klos (l.) erzielte in dieser Saison in 16 Spielen 13 Treffer. Henk Veerman bestritt seit seinem Comeback sechs Spiele und erzielte zwei Tore.

Foto: Imago/Witters; Montage: HA

St. Paulis Henk Veerman und Fabian Klos von Arminia Bielefeld treffen aufeinander. Verteidiger Sören Gonther vergleicht die beiden.

Hamburg.  Überragend – dieses Adjektiv gilt bei Henk Veerman und Fabian Klos auch in der physischen Bedeutung und längst nicht nur im übertragenen Wortsinn. St. Paulis niederländischer Mittelstürmer Henk Veerman (28) ist mit seinem Körpermaß von 2,01 Metern der längste Stürmer der Zweiten Liga. Bielefelds Toptorjäger Klos (32) gehört mit 1,94 Metern zum kleinen Kreis derer, die Veerman am nächsten kommen.

An diesem Sonnabend (13 Uhr, Sky und Liveticker abendblatt.de) treffen die beiden Sturmriesen aufeinander, wenn zum Auftakt der Zweitliga-Rückrunde der FC St. Pauli gegen den Herbstmeister Arminia Bielefeld antritt. Was zeichnet beide aus, wie schwer ist es, gegen diese Riesen zu spielen? Aus eigener – teils langjähriger, teils ganz aktueller – Erfahrung kann Innenverteidiger Sören Gonther (33) darüber authentisch berichten. Der ehemalige Kapitän des FC St. Pauli, jetzt Führungsspieler des erfolgreichen Liga-Konkurrenten FC Erzgebirge Aue, spielte erst vor vier Wochen gegen St. Pauli, gewann dabei 3:1, konnte aber Veermans Tor für das Millerntor-Team nicht verhindern. Mit Klos hat Gonther in der Vergangenheit schon etliche Duelle ausgetragen.

Klos hat Gonther schon zweimal vom Platz getreten

„Mit Fabian Klos bin ich auch befreundet. Er hat mich aber auch schon zweimal vom Platz getreten, wie man so schön sagt“, berichtet Gonther und fügt schnell hinzu: „Es war von ihm aber keine böse Absicht.“ Einmal geschah dies bei einem Heimspiel des FC St. Pauli am Millerntor gegen Bielefeld. „Es war ein heftiger Pressschlag. Ich habe mir dabei eine Knieverletzung zugezogen und fehlte danach vier, fünf Wochen, während er weiterspielen konnte“, erzählt Gonther. „Er ist ein Typ mit Ecken und Kanten, an dem man sich wehtun kann, ohne dass er das will. Er hat noch nie jemanden in böser Absicht verletzt. Und er hat auch selbst schon einstecken müssen.“

Mindestens ebenso schwer wie gegen Klos sei es, als Verteidiger gegen Veerman im Luftkampf zu bestehen, sagt der 1,86 Meter messende Gonther. In der Szene bei Veermans Tor in Aue hatte er keine Chance an den Ball zu kommen, weil Veerman ihn mit seinem riesigen Körper geschickt abdeckte und dann nahezu ungehindert einschießen konnte.

Hat Klos das bessere Näschen

Am Ende hatte der Treffer Gonther und seinem Team nicht wehgetan, weil es einen 3:1-Sieg gab, vor einer Woche freute sich Gonther dann sogar, dass Veerman mit seinem Tor entscheidend zu St. Paulis 3:1-Sieg gegen Wehen Wiesbaden beitrug. Zu seiner großen Sympathie für seinen Ex-Club St. Pauli bekennt sich der langjährige Führungsspieler weiterhin ganz offen. „Da hat Henk seine Vollstrecker-Qualität bewiesen.“

Ganz objektiv aber urteilt er, wenn es um den Vergleich mit dem aktuellen Zweitliga-Torschützenkönig Fabian Klos geht. „Ich meine, er hat noch ein besseres Näschen als Henk. Er ist ein Stürmer, der auch mal im Spiel unsichtbar sein kann, der dann aber da ist, wo der Ball hinkommt. Das ist genau das, was man als Stürmer braucht. Dazu ist er nicht nur Vollstrecker, sondern auch Vorbereiter“, sagt Gonther.

Die hohe Erfolgsquote von Klos ist auch untrennbar verbunden mit der Qualität seines Sturmpartners Andreas Voglsammer, der selbst auch schon neun Treffer erzielt und fünf vorbereitet hat. „Die beiden legen sich die Tore gegenseitig auf. Für mich sind sie das beste Sturm-Duo der Liga, trotz der prominenten Stürmer des HSV und des VfB Stuttgart“, sagt Gonther. „Deshalb glaube ich auch, dass Bielefeld aufsteigen wird, wenn beiden nichts passiert.“

Wichtiger Unterschied

In der Spielweise hat Gonther zwischen Veerman und Klos einen wichtigen Unterschied ausgemacht. „Klos kommt auch mal über die Geschwindigkeit und geht in die Tiefe, Veerman ist eher als Wandspieler gedacht, der Bälle festmacht oder auch per Kopf verlängert. Auch mit dem Fuß kann er gut mitspielen. Er muss sich aber, glaube ich, noch ein bisschen an den Fußball in Deutschland gewöhnen“, sagt Gonther.

Dies hatte Veerman nach seinem Wechsel aus Heerenveen selbst bestätigt. In der Zweiten Liga in Deutschland gehe es physisch anspruchsvoller zu als in der niederländischen Eredivisie.

„Henk Veerman ist im Spiel deutlich weniger unterwegs als Fabian Klos, der ständig irgendwo herumschleicht. In Aue hatten wir Veerman etwas besser unter Kontrolle, weil er sich immer relativ zentral aufhält und nie auf den Flügel ausweicht. Er ist ein typischer Mittelstürmer mit Vollstrecker-Qualitäten. Aufgrund der aktuellen Form ist Klos der komplettere Stürmer“, fasst Gon­ther zusammen.

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Und sogar im Kopfballspiel habe der Bielefelder Kapitän trotz des Nachteils von sieben Zentimetern Körperlänge Vorteile. „Klos schätze ich im Timing und der eigentlichen Kopfballtechnik stärker ein“, so Gonther. Tatsächlich hat sich Veerman bisher als nicht so kopfballstark erwiesen, wie man dies bei seiner Größe vermuten könnte. Stattdessen ist aber immer wieder erstaunlich, wie technisch sauber der Niederländer mit seinen Füßen den Ball behandelt.

Auch wenn Veerman jetzt, da er wieder regelmäßig zum Einsatz kommt, als Führungsspieler vorangehen will, so ist doch Klos als langjähriger Kapitän für die Arminia eine ganz andere Leitfigur. „Er ist der Arminia auch treu geblieben, als sie abgestiegen ist, und hat sie direkt zum Wiederaufstieg geschossen. Er ist in Bielefeld eine Legende“, sagt Gonther treffend.

Und was tippt Sören Gon­ther für das Spiel seines Ex-Vereins gegen den Tabellenführer und Herbstmeister? „Ich drücke meinen St. Paulianern natürlich die Daumen, aber realistisch betrachtet ist nicht mehr als ein 1:1 für sie drin.“ Er selbst wird zeitgleich mit Erzgebirge Aue gegen Fürth spielen.