Zweite Bundesliga

Darum drifteten St. Pauli und Bielefeld so weit auseinander

Uwe Neuhaus (60) holte mit Bielefeld 68 Punkte in 35 Spielen.

Uwe Neuhaus (60) holte mit Bielefeld 68 Punkte in 35 Spielen.

Foto: Daniel Karmann / dpa

Auf Augenhöhe starteten sie in die Saison, jetzt trennen sie 16 Punkte und 14 Plätze. Sonnabend kommt der Herbstmeister ans Millerntor.

Hamburg.  „Arminia Bielefeld ist eine eingespielte Mannschaft, die kaum Abgänge hatte und daher auch nicht viele neue Spieler brauchte. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Mannschaften, die eine personelle Kontinuität haben, häufig erfolgreich sind.“ Dies sagte Ewald Lienen im Abendblatt nicht etwa in dieser Woche, sondern bereits Ende Juli vor dem Beginn der neuen Saison der Zweiten Liga und dem Auftaktspiel zwischen der Arminia und dem FC St. Pauli.

Heute kann sich St. Paulis technischer Direktor für diese Einschätzung mit vollem Recht selbst auf die Schulter klopfen. Bekanntlich sind die Ostwestfalen mit vier Punkten Vorsprung auf die prominente Konkurrenz HSV und VfB Stuttgart Herbstmeister geworden und können an diesem Sonnabend (13 Uhr/Sky) mit viel Selbstvertrauen zum Rückrundenauftakt im Millerntor-Stadion antreten.

Tatsächlich hat Arminias Trainer Uwe Neuhaus in den 17 Spielen der Hinrunde im Wesentlichen nur auf drei Spieler gebaut, die im Sommer neu zum Team gestoßen sind – Verteidiger Joakim Nilsson, Mittelfeldspieler Marcel Hartel und Offensivakteur Cebio Soukou. Ansonsten konnte Neuhaus in der gesamten Halbserie auf ein eingespieltes Ensemble von Spielern bauen, die schon länger auf der „Bielefelder Alm“ zu Hause sind. Und auch die genannten Zugänge kamen rechtzeitig vor dem Ligastart.

Leistungskurven driften auseinander

Im Sommer stand Ewald Lienen keinesfalls allein mit der Einschätzung, dass sein einst erster Proficlub in dieser Saison eine gute bis sehr gute Rolle in der Zweiten Liga spielen werde. Als jedoch am ersten Spieltag Ende Juli Arminia und St. Pauli aufeinandertrafen, konnten die Bielefelder erst dank des Ausgleichtreffers in der 90. Minute ein 1:1-Unentschieden erreichen. In dieser Partie waren beide Clubs noch auf Augenhöhe, ebenso wie zum Abschluss der Saison zuvor, in der beide jeweils 49 Punkte gesammelt hatten.

Seit jenem 1:1 am späten Abend des 29. Juli aber drifteten die Leistungskurven der beiden früheren Erstligaclubs weit auseinander. Bielefeld ging seither in neun Spielen als Sieger vom Platz und verlor lediglich gegen Stuttgart. St. Pauli dagegen gewann nur ganze vier Mal und verlor sieben Partien. Und so geht nun die Arminia am Sonnabend mit 34 Punkten ins Rückspiel, während St. Pauli lediglich 18 aufweist.

Henk Veerman ist erst seit sechs Spielen wieder dabei

Bei der Analyse, warum bei einem ähnlichen finanziellen Aufwand für das Profiteam (12 bis 14 Millionen Euro) Bielefeld derart enteilen konnte, ist die von Lienen genannte Kontinuität das wichtigste Stichwort. Elf Spieler der Arminia, also eine komplette Startformation, kommen in dieser Spielzeit bislang auf 14 bis 17 Zweitligaeinsätze. Bei St. Pauli weisen gerade einmal fünf Akteure einen solchen Wert auf. Und während Bielefeld bis jetzt mit 21 Spielern auskam, setzte St. Paulis Trainer Jos Luhukay teils aus Verletzungsnot, teils freiwillig bereits 33 verschiedene Spieler ein.

Auffällig ist, dass die Bielefelder Topscorer, Fabian Klos (13 Tore, 5 Vorlagen) und Andreas Voglsammer (9 und 5), von Verletzungen verschont blieben und – abgesehen von Klos’ Gelb-Rot-Sperre – immer spielen konnten. 22 von 35 Treffern gehen auf ihr Konto und damit einer mehr, als St. Pauli erzielt hat. Hier fehlt mit Dimitrios Diamantakos (sechs Treffer) der beste Torschütze seit Wochen, sein Sturmkollege Henk Veerman ist erst seit sechs Spielen wieder dabei.

Bielefeld wirtschaftlich endlich gut aufgestellt

„Bei Bielefeld kommt dazu, dass der Verein wirtschaftlich endlich gut aufgestellt ist, weil durch das ,Bündnis Ostwestfalen‘ die regionale Wirtschaft eingebunden wurde“, sagt Lienen. Das aus zehn Unternehmen bestehende Bündnis half entscheidend mit, dass Arminia auch durch den Verkauf des Stadions heute schuldenfrei ist. Auf dieser Grundlage blüht jetzt die Mannschaft auf und lässt die Region von der Bundesliga-Rückkehr träumen. Der seit Jahren wirtschaftlich vorbildliche FC St. Pauli wartet hingegen auf diesen Effekt.