FC St. Pauli

Robin Himmelmann: "Ich muss mich nicht um 180 Grad drehen"

Nicht nur Robin Himmelmann (M.) stand nach St. Paulis verschenkten Punkten gegen den KSC die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

Nicht nur Robin Himmelmann (M.) stand nach St. Paulis verschenkten Punkten gegen den KSC die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

Foto: Imago/Claus Bergmann

St. Paulis Torhüter spricht erstmals über die Kritik von Trainer Jos Luhukay – und pendelt dabei zwischen Verständnis und Trotz.

Hamburg. „Hechten wie Himmelmann“ – so lautet das Motto eines vom FC St. Pauli organisierten „Rabauken-Camps“ für sieben bis zehn Jahre alte Kinder, das an diesem Freitag um 15.30 Uhr auf einem der Kunstrasenplätze am Millerntor-Stadion beginnt. Eigentlich steht Personenkult beim FC St. Pauli ja auf der Tabuliste. Bei Robin Himmelmann, dem Torwart, der schon seit Sommer 2012 am Millerntor unter Vertrag steht, wird aber dann doch mal eine Ausnahme gemacht.

Aber auch das bewahrte den 30 Jahre alten Schlussmann in der vergangenen Woche nicht davor, von Trainer Jos Luhukay zunächst im DFB-Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt auf die Bank gesetzt und später dafür kritisiert zu werden, dass er nicht genügend „Verantwortung übernehme“ sowie seine Mitspieler nicht ausreichend „stimuliere, motiviere und korrigiere“.

Als Beispiel dafür nannte Luhukay das Gegentor zur 0:1-Niederlage in Heidenheim im Anschluss an einen Eckball. Zudem erklärte Luhukay, dass er auf allen Positionen, also auch auf der des Torwarts, eine Konkurrenzsituation haben möchte.

Himmelmann hat mit Luhukay gesprochen

Diese Gemengelage erhielt am vergangenen Wochenende nach dem enttäuschenden 2:2 gegen Karlsruhe zusätzliche Brisanz, als Himmelmanns Berater Jörg Neblung mit seinen Kommentaren unter anderem auf Twitter Trainer Luhukay direkt verbal angriff und ihm vorwarf, völlig unnötig eine Baustelle eröffnet zu haben.

Nach einem trainingsfreien Tag stellte sich Robin Himmelmann am Dienstag auf Anfrage dem Gespräch mit dem Abendblatt zu diesem Thema. „Das eine oder andere war wahrscheinlich ein bisschen unglücklich. Es ist nun einmal so passiert. Jetzt aber haben wir die Themen besprochen. Ich glaube, dass jetzt keiner noch Dinge mit sich schleppt“, sagte der Torwart. „Ich will nicht sagen, dass das Thema für mich erledigt ist, aber der Fokus ist jetzt komplett auf Freitag gerichtet“, sagte er weiter mit Blick auf das kommend Heimspiel gegen den VfL Bochum.

Auch Himmelmann-Berater und Bornemann reden

Hatte Himmelmann noch direkt nach dem 2:2 gegen Karlsruhe erklärt, dass es weder zur Degradierung im Spiel gegen Frankfurt noch zur Kritik an ihm ein Gespräch mit dem Trainer gegeben hatte, so hat dies jetzt offenbar stattgefunden. Zudem bestätigte Himmelmann, dass auch sein Berater Jörg Neblung und St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann miteinander geredet haben. „Sie haben sich verständigt und auch ein gutes Gespräch geführt.“

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Doch wie geht Himmelmann mit der von Luhukay ausgerufenen internen Konkurrenzsituation um, die „die Sinne stärken“ soll? „Es gibt Spieler, die brauchen eine gewisse Sicherheit, und andere, die mit so einer Sicherheit eher lax umgehen und den Schlendrian einziehen lassen“, sagt er grundsätzlich. „Die Torwartposition ist aber noch etwas anders, weil man dort in der Regel nicht ein- oder ausgewechselt wird. Deshalb ist dort Vertrauen und Sicherheit immer gut. Aber das ziehe ich jetzt aus dem Gespräch, das wir geführt haben, auch heraus. Damit kann ich gut leben.“

"Auch Dinge zurufen, die nicht so schön sind"

Auch wenn keine Konkurrenzsituation ausgerufen sei, müsse er damit rechnen, abgelöst zu werden, sobald er „fünf, sechs Spiele Mist“ mache. Auf der anderen Seite gebe es ja keinen Grund zu wechseln, wenn er beständig gut spiele.

Doch wie sieht er, unabhängig von der Art und Weise der Kommunikation, die von Luhukay geforderten Verbesserungen in seinem Spiel und vor allem dem Auftreten auf dem Platz? „Es trifft auf alle zu, dass wir nicht nur auf unsere eigene Leistung schauen dürfen, sondern den Blick auch auf unsere Mitspieler haben sollen. Ich bin dabei derjenige, der von hinten alles am ehesten im Blick hat und versuchen sollte, die Jungs vor mir zu erreichen“, sagte er dazu. „Es geht darum, dass man sich gegenseitig unterstützt und auch Dinge zuruft, die nicht so schön sind, aber der Sache dienen.“

Himmelmann ist leiser als Vorgänger Tschauner

Um dies umzusetzen, müsse er sich allerdings nicht „um 180 Grad“ drehen, stellt er klar. „Seit ich im Tor spiele, versuche ich, die Mitspieler zu pushen und entsprechend einzustellen.“ Und wie steht er zu der Einschätzung, dass er allein schon aufgrund seiner Persönlichkeit eher ein leiser als ein lauter Torwart ist? „Manchmal denkt man, dass man laut ist, aber man könnte dann doch noch lauter sein“, gibt er zu.

Ein Stimmorgan, wie es sein Vorgänger Philipp Tschauner besitzt, wird sich Himmelmann auch in den verbleibenden Jahren seiner Profikarriere sicherlich nicht mehr aneignen. Dennoch scheinen die Vorgänge der vergangenen Tage bei Himmelmann das Bewusstsein geschärft zu haben, und er weiß: „Auch mit seiner Körpersprache kann man den Gegner beeindrucken.“

Noch Karten für das Himmelmann-Camp

Für das Rabauken-Camp „Hechten wie Himmelmann“ sind übrigens noch Plätze frei. An diesem Freitag können die Teilnehmer nur zwei Stunden nach dem Ende ihres Trainings gleich nebenan im Millerntor-Stadion authentischen Anschauungsunterricht nehmen, wie denn in der Realität Robin Himmelmann so hechtet. Um 18.30 Uhr wird St. Paulis Zweitligaspiel gegen den VfL Bochum angepfiffen. Voraussetzung: Die jungen Torhüter-Talente konnten noch eine Karte ergattern – und Himmelmann darf auch spielen.