FC St. Pauli

Jos Luhukay hatte die Profis schon in der Halbzeit irritiert

Auf 180: Schon während der ersten Halbzeit gegen Heidenheim geigte St. Paulis Trainer Jos Luhukay seinen Spielern die Meinung.

Auf 180: Schon während der ersten Halbzeit gegen Heidenheim geigte St. Paulis Trainer Jos Luhukay seinen Spielern die Meinung.

Foto: Imago/Sven Simon

St. Paulis Trainer platzte zur Pause in Heidenheim der Kragen. Luhukay begeht eine Gratwanderung – der Vizekapitän reagiert.

Hamburg.  Es hatte eine gewisse Symbolik, als die Profis des FC St. Pauli nach einer ausgiebigen Videoanalyse mit 66 Minuten Verspätung am Montag um 15.06 Uhr aus dem Trainingstrakt an der Kollaustraße traten.

Dunkle Wolken zogen über das Funktionsgebäude, ein paar Regentropfen fielen. Dazu einzelne Windböen, und schon war das herrlich-kitschige Herbstszenario nach dem 0:1 beim 1. FC Heidenheim perfekt.

Luhukay ließ in der Halbzeit ein Donnerwetter los

Bereits einen Tag zuvor war der Verbal-Orkan „Jos“ durch die Gästekabine und den Medienraum der Voith-Arena in Heidenheim gefegt. Nach Abendblatt-Informationen hatte Trainer Jos Luhukay bereits in der Halbzeit ein Donnerwetter in der Kabine losgelassen, das dazu führte, dass ein Großteil der Mannschaft irritiert über die negative Ansprache ihres Übungsleiters war.

Die ersten 45 Minuten waren zwar wahrlich keine Galavorstellung, allerdings war das, was die von Luhukay auf acht Positionen veränderte Mannschaft zeigte, durchaus in Ordnung. Gegen schwer zu bespielende Heidenheimer war St. Pauli die bessere Mannschaft und stellte die Gastgeber immer wieder vor Probleme.

Durch das torlose Remis zur Pause war für die Hamburger noch alles möglich. Dass die Mannschaft nach der Ansprache nicht vor Lockerheit und Selbstvertrauen strotzte, überraschte da nicht.

Luhukay monierte den fehlenden Siegeswillen

Das Ende ist bekannt: St. Pauli unterlag mit 0:1, und Trainer Luhukay holte anschließend medial zum großen Rundumschlag aus.

„Ich finde, dass uns die Gewinnermentalität fehlt und der absolute Siegeswillen. Das, was ich vor der Saison und immer wieder gesagt habe: Es herrscht zu schnell Zufriedenheit. Und mit Zufriedenheit kommt kein Erfolg, dann erzwingt man nichts. Ich habe vor dem Spiel gesagt, dass wir den Sieg hier erzwingen wollten, wir haben es nicht gemacht“, polterte Luhukay.

Luhukays Brandrede ein Déjà-vu für St. Pauli

Für die Spieler war die Generalabrechnung ihres Trainers ein unschönes Déjà-vu-Erlebnis. Bereits vor dem ersten Spieltag gegen Arminia Bielefeld zerlegte Luhukay Mannschaft und Verein in seine Einzelteile.

Er prangerte eine zu freundschaftliche Atmosphäre innerhalb der Mannschaft an und forderte, dass Bequemlichkeit und Komfortzone beim FC St. Pauli endlich „in die Tonne“ müssten. Schon damals sorgte die Ausdrucksweise von Luhukay innerhalb der Mannschaft für Kopfschütteln.

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St. Pauli hatte sich eigentlich wieder gefangen

Die Fragen, die sich nach den Vorkommnissen von Sonntag aufdrängen: Was will der Trainer mit seinem neuerlichen Wutausbruch bezwecken? Will er seine Spieler kitzeln? Warum ein medialer Weckruf zu diesem Zeitpunkt?

Nach einem schwierigen Saisonstart hatten sich die Hamburger in den vergangenen Wochen stabilisiert, das Stadtderby gegen den HSV gewonnen und sich durch eine Serie von sechs ungeschlagenen Spielen im Dunstkreis der Spitzengruppe etabliert.

Nach zwei vermeidbaren 0:1-Niederlagen gegen Darmstadt 98 und Heidenheim sorgten die öffentliche Verbalattacken von Luhukay nun dafür, dass vor dem DFB-Pokalspiel (Mi, 20.30 Uhr) gegen Frankfurt eine gewisse Unruhe zurückgekehrt ist.

Vize-Kapitän Buballa reagiert auf Luhukay

„Wir dürfen jetzt nicht anfangen, persönlich beleidigt zu sein, wenn Kritik geäußert wird“, versuchte Kapitän Daniel Buballa zu beschwichtigen und fügte an: „Es ist das zweite Mal, dass der Trainer auch öffentlich so deutlich wurde. Aber intern sagt er uns immer genau, woran wir sind. Wir müssen das annehmen und daran arbeiten, dass wir das, was der Trainer fordert, wieder besser umsetzen.“

Dass Buballa, der unter Luhukay eine herausragende sportliche Entwicklung genommen hat und Vizekapitän hinter dem derzeit verletzten Abwehrspieler Christopher Avevor (Wadenbeinbruch) wurde, seinem Trainer loyal zur Seite steht, verwundert nicht.

Gehen die Spieler für Luhukay durchs Feuer?

Fakt ist: Der erfahrene Trainer bewegt sich auf einem schmalen Grat. Je häufiger er zu diesem Stilmittel greift, desto größer ist die Gefahr, dass er Teile des Teams verliert und die Profis irgendwann nicht mehr für den Coach durchs Feuer gehen.

Ein Indiz, ob die Kritik einen nachhaltigen Effekt hat, werden die Partien gegen Frankfurt sowie die Zweitliga-Heimspiele gegen den KSC (Sonnabend) und gegen Bochum (8.11.) liefern.

Buchtmann informiert Luhukay über Hinrunden-Aus

Christopher Buchtmann wird diese richtungsweisenden Partien von der Tribüne aus verfolgen müssen. Der Mittelfeldspieler, der nach einem Pressschlag in Heidenheim nach 34 Minuten ausgewechselt werden musste, hat sich einen Innenbandanriss im linken Knie zugezogen.

Am Montagnachmittag informierte der 27-Jährige seinen Trainer persönlich auf dem Trainingsplatz über die Diagnose, die dazu führen dürfte, dass die Hinrunde für Buchtmann, der lange Zeit keine sportliche Rolle gespielt und nun wieder Anschluss an die Startelf gefunden hatte, wohl gelaufen sein dürfte.