Debakel in Heidenheim

"Desolat seit Wochen": St. Pauli begräbt Aufstiegshoffnung

Der erhoffte Trainereffekt bleibt aus – und der neue Coach Luhukay wirkt bereits ratlos. Seine Abwehr ließ ihn im Stich.

Heidenheim. Das war's wohl mit dem Aufstieg für den FC St. Pauli! Die Kiezkicker wurden bei der 0:3-Pleite in Heidenheim phasenweise vorgeführt. Der von Präsident Oke Göttlich erhoffte Trainereffekt durch Jos Luhukay scheint bisher auszubleiben. Zu allem Überfluss schwächte sich St. Pauli auch noch selbst. Der erst zur Halbzeit eingewechselte Jungprofi Finn Ole Becker kassierte nach nicht einmal 20 Minuten auf dem Platz bereits die zweite Gelbe Karte wegen wiederholten Foulspiels (73.). Der 18-Jährige fehlt somit im kommenden Heimspiel gegen Regensburg.

In der Tabelle der Zweiten Liga rutschten die Hamburger auf Rang acht ab. Der Rückstand auf den Relegationsplatz, den seit Sonnabend der SC Paderborn belegt, ist auf sechs Punkte angewachsen. Sämtliche Aufstiegsambitionen, der Luhukay bei seiner Übernahme vor zwei Wochen noch reaktiviert hatte, dürften sich damit erübrigt haben.

Der sportliche Abwärtstrend lässt ohnehin keine Träume dieser Art zu. In der Rückrundentabelle wird der Kiezclub mit 14 Zählern aus 13 Partien auf einem Abstiegsplatz geführt. Nur Duisburg (11 Punkte) war noch erfolgloser. Der letzte Sieg liegt schon fast zwei Monate zurück – am 2. März siegte St. Pauli mit 1:0 in Paderborn.

Luhukay überrascht, Himmelmann frustriert

Gegen Heidenheim war das Spiel bereits nach einer knappen halben Stunde entschieden. Durch die Tore von Kapitän Schnatterer und einem Doppelpack von Angreifer Dovedan (26./28.) führten die Gastgeber zu diesem Zeitpunkt komfortabel mit 3:0. "Spiel und Ergebnis sind frustrierend und irritierend. Darauf hatte in der Trainingswoche nichts hingedeutet", sagte Luhukay, der sich die Leistung seiner Mannschaft nicht erklären konnte.

Auch die Spieler des FC St. Pauli wirkten unmittelbar nach dem Debakel ratlos. "Mir fehlen nach so einem Spiel die Worte", sagte St. Paulis Bester, Torhüter Robin Himmelmann, der mit mehreren Paraden eine höhere Niederlage verhinderte und dann doch noch die richtigen Worte finden sollte. "Wir geben seit Wochen ein desolates Bild ab!" Auch Mittelfeldmotor Marvin Knoll redete Klartext: "Alles, was wir uns vorgenommen haben, hat nicht funktioniert. Die erste Halbzeit war unterirdisch."

St. Paulis Abwehr wurde vorgeführt

Der sonnige Ostersonntag begann für St. Pauli schon vor dem Spiel mit einem Wermutstropfen. Der neue Trainer Luhukay musste kurzfristig Flügelspieler Mats Möller Daehli ersetzen. Der 24 Jahre alte Norweger fiel wegen einer Wadenblessur aus und wurde durch Marvin Knoll ersetzt, der als Joker gegen Arminia Bielefeld (1:1) eine starke Leistung gezeigt hatte. Die Gäste hatten sogar die erste gute Chance, doch Christopher Buchtmann scheiterte per 16-Meter-Linksschuss am gut reagierenden Kevin Müller (9.).

Heidenheim übernahm danach mehr und mehr das Kommando und wurde belohnt, als Robert Glatzel St. Pauli-Kapitän Johannes Flum stehen ließ und den Ball auf Schnatterer vorlegte, der mit einem strammen Flachschuss traf. Kurz darauf stand Ryo Miyaichi (22.) frei vor Müller, doch der Japaner wurde wegen Abseits zu Unrecht zurückgepfiffen. Der FCH spielte die nun zeitweise vogelwilde Abwehr der Hanseaten nach Belieben aus. Zweimaliger Nutznießer war der beide Male ungedeckte Dovedan, der per Doppelschlag früh für die Vorentscheidung sorgte.

Nach dem Wechsel reagierte Luhukay und brachte Youngster Becker für Buchtmann. Jetzt spielte St. Pauli besser mit. Prompt gab es gute Chancen durch Knolls Freistoß (48.) und Beckers Linksschuss (58), die beide nur knapp ihr Ziel verfehlten. Spätestens nach dem Platzverweis für Becker aber war St. Paulis Widerstand endgültig gebrochen.

Die Statistik

Heidenheim: Kevin Müller – Busch, Mainka, Beermann, Theuerkauf – Griesbeck, Dorsch – Schnatterer (64. Leipertz), Andrich – Dovedan (64. Thomalla), Glatzel (77. Skarke). – Trainer: Schmidt

St. Pauli: Himmelmann – Park, Carstens (58. Zehir), Hoogma, Dudziak (68. Neudecker) – Flum – Buchtmann (46. Becker), Knoll – Miyaichi, Allagui – Meier. – Trainer: Luhukay

Schiedsrichter: Benjamin Cortus (Röthenbach)

Tore: 1:0 Schnatterer (18.), 2:0 Dovedan (26.), 3:0 Dovedan (28.)

Zuschauer: 13.700

Gelb-Rot: Becker wegen wiederholten Foulspiels (73.)

Gelbe Karten: keine