Zweite Bundesliga

St. Pauli fährt heute mit vielen Sorgen zum Lieblingsgegner

In der vergangenen Saison war Christopher Buchtmann (r.) noch St. Paulis Sieg­torschütze in Bochum. Heute Abend fehlt er seinem Team.

In der vergangenen Saison war Christopher Buchtmann (r.) noch St. Paulis Sieg­torschütze in Bochum. Heute Abend fehlt er seinem Team.

Foto: WITTERS

Ohne vier Stammspieler tritt der FC St. Pauli am Abend beim VfL Bochum an. Dort ist er seit April 2013 unbesiegt.

Hamburg.  Die schlechten Nachrichten verkündete Markus Kauczinski am Sonntagmorgen gleich zu Beginn, als er über das an diesem Montag (20.30 Uhr, Sky und Liveticker abendblatt.de) anstehende Auswärtsspiel beim VfL Bochum sprach. „Neben Christopher Buchtmann und Richard Neudecker fallen auch Daniel Buballa und Marvin Knoll aus“, sagte der Cheftrainer des FC St. Pauli, und es schien fast so, als wolle er das Negative vor diesem letzten Auswärtsspiel des Jahres 2018 so schnell wie möglich loswerden, um sich mehr mit den positiven Aspekten vor dieser Partie zu beschäftigen.

Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass der zuletzt im Heimspiel gegen Dresden mit einer Knieprellung früh ausgewechselte Mats Möller Daehli seit Mittwoch wieder voll am Training teilgenommen hat. Dazu hat auch Johannes Flum, der zunächst gelbgesperrt war und dann auch noch unter einem grippalen Infekt litt, wieder mittrainiert und wird angesichts der neuen Ausfälle voraussichtlich auch gleich wieder als defensiver, zentraler Mittelfeldspieler in die Startelf rücken. Außerdem hat Innenverteidiger Christopher Avevor seine leichten Schleimbeutelprobleme im Knie bereits wieder überwunden.

Kalla hat noch nicht in der Zweiten Liga gespielt

Doch so ganz kam Kauczinski dann doch nicht daran vorbei, über die Pro­bleme zu sprechen, die die neuen Ausfälle von Linksverteidiger Buballa und Mittelfeldspieler Knoll mit sich bringen. Schließlich hat Knoll in dieser Saison bisher noch kein einziges Punktspiel verpasst, und Buballa war lediglich beim 1:3 in Aue zwar nicht auf dem Platz, aber im Kader.

Diese Konstellation macht es jetzt für Kauczinski so schwer, sich für Alternativen zu entscheiden. Das gilt insbesondere für den Ersatz für Buballa auf der Position des linken Außenverteidigers. Naheliegend wäre, sich für Jeremy Dudziak zu entscheiden, der schon bewiesen hat, dass er diese Rolle gut spielen kann. Der Haken daran ist nur, dass Dudziak im jüngsten Heimspiel gegen Dynamo Dresden (1:1) vom Posten des rechten Außenverteidigers als „Achter“ in das zentrale Mittelfeld gerückt war, den Führungstreffer erzielte und auch sonst eine starke Partie zeigte. Bleibt Dudziak dort, käme als Linksverteidiger in erster Linie Routinier Jan-Philipp Kalla in Betracht. Dessen Nachteil ist, dass er in dieser Saison bis weit in den Oktober hinein wegen einer Schambeinentzündung ausfiel und noch keine Minute in der Zweiten Liga gespielt hat.

„Ich bin tatsächlich noch hin- und hergerissen, auch wenn man mir das nicht glaubt“, sagte Kauczinski am Sonntag vor der Bahnfahrt ins Ruhrgebiet zur Frage, wer denn nun Buballa ersetzen wird. Und das klang nicht so, als würde der Trainer pokern. „Ich muss auch noch einmal sehen, wer am besten zum Gegner passen könnte“, sagte er.

Ein Jahr mit Höhen und Tiefen

Auf jeden Fall wird das Match in Bochum für Kauczinski das erste Spiel nach seinem einjährigen Jubiläum beim FC St. Pauli sein, das er am vergangenen Freitag feiern konnte. Am 7. Dezember 2017 hatte er die Mannschaft von Olaf Janßen nach nur 16 Spielen übernommen. Nach einem 1:1 zu seiner Premiere gegen den MSV Duisburg konnte Kauczinski in seinem zweiten Spiel einen 2:1-Sieg feiern. Der Gegner damals war derselbe wie an diesem Montag – der VfL Bochum. „Ich kann mich noch gut daran erinnern. Jan-Marc Schneider schloss einen Konter zur 2:0-Führung ab“, berichtete Kauczinski korrekt. „Es war ein aufregendes Jahr mit Höhen und Tiefen. Wir haben zusammen gefeiert, und manchmal war einem zum Heulen zumute“, fasste er die vergangenen zwölf Monate zusammen, in denen St. Pauli einmal Tabellen-16., aber auch Tabellenführer war.

Jetzt also wird Kauczinski erstmals mit St. Pauli ein Auswärtsspiel in Bochum bestreiten. Dort im Ruhrstadion ist die Bilanz der Hamburger seit fünf Jahren so gut, dass der VfL als Lieblingsgegner bezeichnet werden darf. Die bisher letzte Niederlage gab es am 19. April 2013. Seither spielte St. Pauli an der Castroper Straße dreimal unentschieden und gewann zweimal.

Für beide Teams geht es jetzt darum, den Kontakt zum dritten Platz herzustellen, nachdem der auf diesem Rang platzierte 1. FC Union Berlin am Sonntag mit dem 1:1 beim 1. FC Magdeburg bereits zum zehnten Mal in dieser Saison unentschieden spielte und damit erneut zwei Punkte einbüßte.

Verfolgerduell auf Augenhöhe

„Ich erwarte ein Verfolgerduell auf Augenhöhe, ein ausgeglichenes Spiel. Beide Mannschaften spielen ähnlich“, befand Kauczinski. Daran ändere auch die Verletzungsproblematik bei seinem Team nichts. „Auch bei Bochum fehlen einige Spieler. Das ist jetzt die Zeit, in der mit der Witterung, den Plätzen und der Ermüdung durch die bisherige Saison vieles zusammenkommt, das zu Verletzungen führt“, sagte er weiter. Tatsächlich muss der VfL auf die verletzten Robbie Kruse und Thomas Eisfeld ebenso verzichten wie auf den gelbgesperrten Chung-Yong Lee.

Die größte Gefahr droht St. Pauli durch Bochums Torjäger Lukas Hinterseer, der bereits acht Saisontreffer erzielt hat. „Ich kenne und schätze ihn sehr“, sagte Kauczinski, der den Österreicher während seines Engagements beim FC Ingolstadt trainierte.