St. Pauli gegen Dynamo

Spieler zeigen Verständnis für das Schweigen der Fans

Auch die Fans des FC St. Pauli wollen gegen die zunehmende Kommerzialisierung und die Zerstückelung der Spieltage protestieren (Symbolbild).

Auch die Fans des FC St. Pauli wollen gegen die zunehmende Kommerzialisierung und die Zerstückelung der Spieltage protestieren (Symbolbild).

Foto: Witters

Anhänger beider Seiten protestieren beim Spiel des Kiezclubs gegen Dresden gegen Kommerz und Zerstückelung der Spieltage.

Hamburg.  Eigentlich war alles für ein stimmungsvolles Fußballfest angerichtet, wenn der FC St. Pauli am Sonnabendmittag (13 Uhr) auf Dynamo Dresden trifft. 29.546 Zuschauer, darunter knapp 3000 traditionell stimmgewaltige Anhänger aus Dresden. Ein ausverkauftes Millerntor-Stadion. Es hätte so schön werden können. Zumindest 45 Minuten müssen beide Mannschaften aber auf den Support ihrer Fans verzichten. Die Fanlager beider Clubs, die eigentlich kein gutes Verhältnis zuein­ander haben, beteiligen sich dennoch gemeinsam an dem deutschlandweiten Protest gegen die zunehmende Kommerzialisierung und die Zerstückelung der Spieltage. Für eine Halbzeit solidarisieren sich die rivalisierten Fangruppen.

„Aus verschiedenen Gründen sehen wir große Fanbündnisse bekanntlich oft kritisch und entscheiden selektiv über die Art unserer Teilnahme. In diesem Fall stehen die Aktionen aber in der Tradition dessen, was auf St. Pauli seit mehr als 20 Jahren geschieht: Protest gegen fanfeindliche Anstoßzeiten, vor allem gegen Spiele am Montagabend“, ließ die Fan-Gruppierung „Ultras St. Pauli (USP)“ in einer Stellungnahme auf ihrer Homepage verlauten. Extra für diese Protestaktion wurde eine aufwendig geplante Choreografie, die zum Einlauf der beiden Mannschaften kurz vor dem Anpfiff vorgesehen war, abgesagt. Auch, um den Fernsehanstalten nicht die „bunten Bilder aus dem Freudenhaus“ zu präsentieren.

St. Paulis Mannschaft äußert Verständnis

Die Aktion sei ein Vorgeschmack auf die Zukunft, wenn sich immer mehr Fans vom Kunstprodukt Profifußball abwenden, so die „USP“: „Natürlich ist dies für uns ein schwerer Schritt! Wir lieben es, ins Stadion zu gehen, wir lieben es, in unserer Kurve und mit dem gesamten Stadion zu singen, aber wir sehen, dass all das, was wir lieben, bedroht ist und wir uns dafür einsetzen müssen.“

Die Mannschaft des FC St. Pauli zeigt Verständnis. Wenngleich die Profis keinen Hehl daraus machen, dass es ein komisches Gefühl sein wird, in einem Stadion mit knapp 30.000 Besuchern zu spielen und kein Sterbenswörtchen von den Rängen zu vernehmen. „Wir sind es am Millerntor anders gewohnt, aber ich kann es absolut nachvollziehen“, erklärt Philipp Ziereis, der selbst ein großer Kritiker der aktuellen Entwicklung im Profifußball ist: „Man braucht drei verschiedene Anbieter, um alle Spiele im Fernsehen verfolgen zu können. Ich schaue mir jetzt auch nicht die Europa League am Donnerstag an oder jedes Montagspiel. Man kann jeden Tag Fußball schauen, das Besondere geht irgendwie abhanden. Irgendwann reicht es auch mal“, so die klare Botschaft des Führungsspielers.

Knoll: „Ich bin selbst auch Fan“

Und so freuen sich die Profis auf umso lautere Anfeuerung in der zweiten Hälfte. „Da können wir dann gemeinsam mit unseren Anhängern noch ­einmal eine Schippe drauflegen“, sagt Marvin Knoll, der die deutschlandweite Aktion der Fußballliebhaber insgesamt positiv findet: „Ich bin selbst auch Fan“, erklärt Knoll: „Die Fans arbeiten die ganze Woche hart und freuen sich auf Fußball am Wochenende. Bei Montagsspielen müssen sie sich vielleicht sogar freinehmen im Job. Das kann nicht jeder.“