Zweite Bundesliga

Wo der Konkurrenzkampf beim FC St. Pauli besonders hart ist

Die Stürmer Dimitrios
Diamantakos, Henk Veerman und Sami Allagui
(v. l.) kämpfen um einen Platz
in der Startelf des FC St. Pauli.

Die Stürmer Dimitrios Diamantakos, Henk Veerman und Sami Allagui (v. l.) kämpfen um einen Platz in der Startelf des FC St. Pauli.

Foto: Witters,dpa; Montage: HA

Selten zuvor drängten so viele gesunde Spieler wie jetzt in die Startelf. Große Auswahl vor allem im Sturm und zentralen Mittelfeld.

Hamburg.  Nach einem trainingsfreien Mittwoch starten die Fußballprofis des FC St. Pauli an diesem Donnerstag in die unmittelbare Vorbereitung auf das kommende Zweitligaspiel am Montagabend (20.30 Uhr) beim MSV Duisburg. 18 Spieler darf Trainer Markus Kauczinski in seinen Kader für dieses zehnte Match der laufenden Saison berufen. Das heißt aber auch, dass er etlichen, die diesem Spiel entgegenfiebern, spätestens am Sonntag mitteilen muss, dass sie zu Hause bleiben müssen. Aus dem 30 Mann starken Profikader sind derzeit 28 Spieler einsatzfähig, lediglich Verteidiger Marc Hornschuh (Aufbautraining nach Rücken-OP) und Waldemar Sobota (Adduktorenzerrung) stehen für das Spiel in Duisburg definitiv nicht zur Verfügung.

Für Trainer Kauczinski ist dies eine Luxussituation, von der er über weite Strecken der vergangenen Saison nur träumen konnte, als insbesondere Leistungsträger wie Christopher Buchtmann langfristig ausgefallen waren. Ein Überblick zeigt, in welchen Mann­schafts­teilen der Konkurrenzkampf derzeit besonders intensiv ist und Kauczinski dementsprechend vor schwierigen Entscheidungen steht.


Brennpunkt Angriff: Bisher setzte Kauczinski zumindest in seiner Startformation auf ein System mit nur einem echten Stürmer. War dies zu Beginn der Saison Sami Allagui, folgten ihm nach seinem im Pokalspiel bei Wehen Wiesbaden erlittenen Rippenbruch Dimitrios Diamantakos und auch Neuzugang Henk Veerman auf dieser Position. Beide waren auch prompt als Torschützen erfolgreich, der 2,01 Meter große, aber auch technisch starke ­Niederländer Veerman schon dreimal, der Grieche Diaman­takos zweimal. Dazu bereitete Veerman in seinen bisher sieben Spielen auch noch zwei Treffer vor.

Von einer dieser Vorlagen profitierte zuletzt beim 3:1 gegen den SV Sandhausen auch Sami Allagui. Beide waren als „Joker“ auf das Feld gekommen und produzierten per Doppelpass mit Hackentrick das spielentscheidende 2:1. Wie gut der große Veerman und der quirligere Allagui gemeinsam harmonieren, zeigten sie auch in der vergangenen Woche im Testspiel beim Hamburger Oberligisten Altona 93. „Das Tor gegen Sandhausen war ein Paradebeispiel, wie es zwischen Henk und mir klappen kann.

Als Stürmer hofft man immer auf einen Partner neben sich“, sagte danach Allagui. Dies klang wie ein Plädoyer für eine taktische Formation mit zwei Stürmern statt nur mit einem. Kauczinski scheint nicht abgeneigt, auf diese Variante auch in einem Pflichtspiel von Beginn an zu setzen. „Die beiden sind ein interessantes Duo“, sagte er zuletzt. Leidtragender wäre in diesem Falle Dimitrios Diamantakos, der seinerseits bisher eine ordentliche Saison spielt. Jan-Marc Schneider hat als Stürmer Nummer vier derzeit hingegen kaum eine Chance auf längere Einsätze bei den Profis.


Brennpunkt zentrales Mittelfeld: In der vergangenen Woche beklagte sich der gewählte Mannschaftskapitän Bernd Nehrig öffentlich über sein aktuelles Reservistendasein. Obwohl er wieder von seiner Wadenverletzung genesen war, wurde er in den Spielen beim HSV und gegen Sandhausen nicht einmal eingewechselt. „Unser Trainer stellt nach dem Leistungsprinzip auf“, sagt dazu St. Paulis Sportchef Uwe Stöver lapidar. Tatsächlich bilden Johannes Flum und der ursprünglich als Innenverteidiger verpflichtete Marvin Knoll ein gutes Duo als „Doppel-Sechs“, wobei Flum die Rolle des etwas offensiveren, spielgestaltenden Parts übernimmt.

Auch Christopher Buchtmann würde gern hier spielen, wurde von Trainer Kauczinski zuletzt aber angesichts des Überangebots weiter vorn als „Zehner“ aufgeboten. Als Einwechselspieler hatte zudem Talent Ersin Zehir (20) schon einige starke Szene und war an den Siegtreffern in Ingolstadt (1:0) und gegen Paderborn (2:1) entscheidend beteiligt. Zudem ist darüber hinaus Jeremy Dudziak, der derzeit als Außenverteidiger eingesetzt wird, eine gute Alternative für das zentrale Mittelfeld. Auch Yiyoung Park kann hier spielen, ebenso wie Jungprofi Finn Ole Becker.


Brennpunkt offensive Außenbahn: Obwohl Waldemar Sobota hier noch länger ausfällt, stehen gleich vier potenzielle Startelfspieler und Leistungsträger für die beiden Positionen zur Verfügung: Cenk Sahin, Ryo Miyaichi, Mats Möller Daehli und Richard Neudecker.


Brennpunkt Außenverteidiger: Auf der linken Seite bestritt Daniel Buballa acht von neun Punktspielen von Beginn an, dennoch hat er seinen Startelfplatz nicht sicher. Jeremy Dudziak könnte von der rechten auf seine Seite wechseln. Dazu kann Yiyoung Park auf diesen Positionen spielen, und auch Richard Neudecker hat hier schon Erfahrung ­gesammelt. Auf der rechten Seite strebt Luca Zander sein Comeback an. Auch Park ist eine Alter­native.

Lediglich auf der Position des Torwarts, wo Robin Himmelmann klar die Nummer eins vor Svend Brodersen und Korbinian Müller ist, und in der Innenverteidigung ist der Konkurrenzkampf weniger ausgeprägt. Philipp Ziereis und Christopher Avevor bilden hier ein zumeist stabiles Duo. Bezeichnend: Zwölf der 15 Gegentore kassierte St. Pauli, als Avevor verletzt fehlte. Talent Florian Carstens (19) hat von den möglichen Ersatz-Innenverteidigern die Nase gegenüber Brian Koglin und Clemens vorn.

Mats Möller Daehli kam auch beim 1:0-Sieg seiner norwegischen Nationalmannschaft im Nations-League-Spiel gegen Bulgarien in Oslo nicht zum Einsatz und wird heute wieder beim Training erwartet.